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Volltext: Harzsagen

neralsupermtendent Nachtigall zu Halberstadt der Sammler der 
„Volkssagen", die 1800 unter dem Namen Otmar in Bremen 
erschienen. Otmar gab in seinen „Volkssagen" etwa dreißig 
Ortssagen aus dem alten Hartingau heraus. Das halber­ 
städtische Gebiet hat er vorzugsweise berücksichtigt, vom west­ 
lichen Harze dagegen ist er ohne alle Nachricht. 
Der Kern von Otmars Sammlung ging in die „Deutschen 
Sagen" der Brüder Grimm über, die 1816 erschienen, und, 
weil die Grimmsche Sammlung aus dem Harze nur wenig 
mündlich enthielt und sich überhaupt hier mehr an gedruckte 
Quellen anschloß, sür den braunschweigischen und hannoveri­ 
schen Anteil am Harze weniger als sür den lnschöfltchen 
enthält. In den von Otmar für sein Werk gezogenen 
Grenzen haben sich dann zufällig auch mehrere durchaus un­ 
wissenschaftliche Sammlungen gehalten und mit besonderer Vor­ 
liebe an dem schönen nördlichen Harzrande verweilt. In den­ 
selben Grenzen, auf die ich gleich den anderen von meiner 
Heimat aus zunächst angewiesen war, hielt ich sodann mich 
selbst, als ich 1851 meinem Schriftchen „Aus dem Harze" 
(2. Aufl. 1857) in gedrängter Kürze eine Anzahl von Harz­ 
sagen mitgab; einige davon hatte ich bereits sehr früh im 
Harze mündlich gehört, noch mehrere aus Chroniken genommen 
und die meisten nur aus der schnöden Form in einer unwissen­ 
schaftlichen Sammlung*) zu der ursprünglichen Einfachheit her­ 
ausgeschält. Diese kurze Mitteilung mag den Otmarschen 
Sagenschatz für jene Gegend ungefähr verdoppeln und ist neben 
ihr die einzige echter unterharzischer Sagen, doch wollen beide 
*) Den ,,Sagen und Geschichten aus der Vorzeit des Harzes und 
der Umgegend" (1847), woran übrigens anonym auch mehrere sonst 
sehr tüchtige, hier nur unbewanderte Männer mitgearbertet haben 
sollen. Dieses jetzt, wie ich höre, in den Verlag von R. Frantz in 
Halberftadt übergegangene Buch, worin sich auch manches ohne Quellen­ 
angabe nach Otmar findet, ist neuerdings zum großen Terl m Renne 
gebracht in der Schrift „Der poetische Harz oder Sagen und Märchen 
des Harzes im (!) Schleier der Dichtung gehüllt. Sechstes Heft der 
Gedichte von Josephine Holzmärker-Gerbode" (Worbrs, im Selbstver­ 
läge der Verfasserin, 1852). Auch der rotenburg-sondershäuser Püste- 
rich pustet da noch in einem Gedichte als heidnischer Abgott, wenig 
bekümmert darum, daß er etwa gleichzeitig gänzlich entlarvt wurde 
und seinen Kredit als Abgott längst eingebüßt hatte.
	        
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