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Full Text : Der Scheintod der Neugeborenen, 1. : /, Geschichtlicher Teil

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In  Folge  der  damals  bestehenden  Annahme  einer  activen  Mitwirkung ­
  des  Kindes  bei  der  Geburt  schrieb  man  dem  Tode  des  Fötus
die  Ursache  einer  schweren  Entbindung  zu.  Ueber  die  Zeichen  zur
Erkennung  des  Fruchttodes  verbreitet  sich  Soranus  in  gleich  eingehender ­
  Weise,  wie  über  den  Begriff  der  Lebensfähigkeit  des  Kindes.
Als  Bedingungen  der  letzteren  fordert  er  ,,eine  gesunde  Mutter,  rechtzeitige ­
  Geburt  im  neunten  Monat  oder  später,  auch  im  siebenten,  nur
nicht  im  achten  (!),  kräftiges  Schreien  ....  normales  Empfindungsvermögen”. ­
  Zur  Prüfung  der  Lebensfähigkeit,  gleichzeitig  aber  auch
um  die  Neugeborenen  zu  stärken,  tauchten  nach  Soranus  die  meisten
Barbaren,  z.  B.  die  Germanen  und  Skythen,  auch  manche  Griechen,  die
Neugeborenen  in  kaltes  Wasser.
Unter  den  Rathschlägen,  die  in  seinem  Buche  für  die  erste  Pflege
der  Neugeborenen  enthalten  sind,  verdienen  ausserdem:  die  Durchtrennung ­
  der  Nabelschnur,  statt  mit  einem  Nagel,  Schilf  oder  einer
Muschel,  mit  scharfen  Instrumenten,  das  Bestreuen  des  Kindes  mit
Salz  oder  Nitrum  (¿/Ue^iog)  und  das  Bad  desselben  in  warmem
Wasser  hervorgehoben  zu  werden  —  sämmtlich  Massnahmen,  die
auch  bei  Behandlung  des  Scheintodes  Neugeborener  einzeln  oder  zusammen ­
  angewendet  wurden.
Des  Soranus  Schüler  Moschion,  Verfasser  eines  Hebammenbuches ­
  (de  mulierum  passionibus  über),  welches  uns  in  mehreren,  besonders ­
  griechischen  Uebersetzungen  erhalten  ist,  sowie  Gaelus
Aurelianus,  der  zu  Ende  des  zweiten  Jahrhunderts  ein  Buch  von
den  Weiberkrankheiten  schrieb,  gedenken  unserer  Frage  nur  insoweit,
als  beide  das  bereits  durch  Soranus  Bekannte  wiedergeben.
Dass  die  Ausbeute  aus  den  Schriften  der  ersten  Jahrhunderte
christlicher  Lehre  eine  so  spärliche  ist,  darf  uns  wohl  nicht  Wunder
nehmen;  begann  doch  erst  damit,  dass  Konstantin  der  Grosse
die  christliche  Religion  zur  Staatsreligion  erhob,  die  Zeit,  welche  durch
humanere  Anschauungen  nicht  nur  für  Ungeborene,  wie  Neugeborene
im  allgemeinen,  sondern  auch  für  unsere  Frage  im  besonderen  von
der  grössten  Bedeutung  wird.
Die  Geschichte  der  Araber  vermittelt  in  vielfacher  Beziehung
den  Uebergang  vom  Alterthum  in  das  Mittelalter,  so  auch,  wenngleich ­
  in  wenig  fruchtbringender  Weise  in  unserer  Wissenschaft.
Die  älteste  arabische  Medicin  war  eine  volksthümliche,  rein  empirische, ­
  wurde  aber  schon  frühzeitig  in  Folge  der  steten  Berührung
mit  anderen  Völkern,  den  Juden,  Aegyptern  und  Persern,  später  mit
den  Indern  und  schliesslich  mit  der  christlichen  Bewegung  wesentlich
beeinflusst.
Die  Araber  verstanden  es  nur  zum  Theile,  sich  die  Errungenschaften ­
  ihrer  Vorgänger  zu  eigen  zu  machen;  noch  weniger  waren
            
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