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sie dazu bestimmt, in der Geschichte der Medicin die Rolle eines
schöpferischen Volkes zu spielen; das einzige Verdienst gebührt ihnen,
classische Werke des Alterthums durch zahlreiche Uebersetzungen
und Bearbeitungen erhalten zu haben.
Wir haben ihnen somit nicht nur keinen Fortschritt in der
wissenschaftlichen Ausbildung unseres Faches zu verdanken, sondern
müssen vielmehr einen entschiedenen Rückschritt darin erblicken, dass
im Allgemeinen die „Hilfe”, welche man zu dieser Zeit bei schweren
Geburten zu spenden wusste, den Stempel der Grausamkeit trägt; es
ist die berüchtigte Aera der Perforationen und zerstückelnden Operationen
angebrochen, und damit eine Zeit, in welcher man von einer
naturgemässen, für die Früchte schonenden Entbindungsweise nichts
wusste.
Die Leitung des Geburtsgeschäftes lag in den Händen unwissender
Hebammen; in schwierigen Fällen, wo sich die weisen Frauen
schon gar nicht mehr zu helfen wussten, durfte zwar männliche „Hilfe”
herangezogen werden, diese war aber stets eine grausame und unverantwortlich
active; kein Wunder, hatten ja doch die arabischen Aerzte
keine Gelegenheit, sich aus ihren Schriftstellern besseren Rath zu
holen.
So war u. A. Rhazes (Abu Bekr el -Räzi), der arabische
Galenus, zwar ein fruchtbarer Schriftsteller und berühmter Arzt, in seiner
geburtshilflichen Praxis aber, gleich seinen Gollegen, einem geradezu
sträflichen Missbrauche der operativen Richtung ergeben. Le Roy
charakterisirt dies mit folgenden markigen Worten: „Es scheint, dass
aller Sauerteig der Instrumente liebenden Unwissenheit in seinem
Kopfe in Gährung gegangen sei.”
Bei dem Umstande, dass bei den von ihm geleiteten Geburten nur
wenig Kinder das Licht der Welt erblickt haben mochten, könnte es
fraglich erscheinen, ob ihm der Scheintod der Neugeborenen aus
eigener Anschauung bekannt gewesen sei. Ryff berichtet allerdings
von einem „Latwerglin von Leinsamen und Honig”, das man nach
der Meinung des Rhazes Kindern einstreichen sollte, „die brust und
lungen von allen koder und zehen schleim zu reynigen”.
Dass ihm aber der Scheintod beim Erwachsenen bekannt war,
beweist eine Anektode, deren zu Grunde liegenden Begebenheit Rhazes
einen grossen Theil seines Ruhmes und Ansehens verdankte.
Sue berichtet hierüber:
Als Rhazes eines Tages durch die Strasse Cordova kam, sah er eine
Menge Volks versammelt. Er erkundigte sich nach der Ursache dieses Zusammenlaufes
und erfuhr, dass ein Mensch auf der Strasse plötzlich gestorben wäre.
Aus Neugier näherte er sich demselben; als er ihn aber genau untersucht
hatte, so bat er, man möge ihm ein Bündel Ruthen bringen. Dieselben ver-Knapp,
Scheintod der Neugeborenen I. ^