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Allgemeine Trachtenkunde. 1II.
Siebenzehntes Kapitel.
Deutsche
(12. Jahrhundert. Hierzu Tafel 94-96.)
Auch während des 12. Jahrhunderts wurde an der Grund—⸗
form der bisherigen Männertracht nichts geändert. Die
Reichen bevorzugten jetzt jedoch mehr die längeren Tuniken,
auch wenn sie deren zwei anlegten. Damit die oft bis zu den
Knöcheln hinab reichenden Gewänder nicht beim Gehen und
beim Reiten hinderlich wurden, schnitt man sie vorn und hin⸗
ten in der Mitte bis zum Gürtel hinauf auf. Man raffte
fie auch seitlich in die Höhe oder steckte sie ganz und gar in
den Gürtel hinauf. — An den halblangen Tuniken der Vor⸗
nehmen ist jetzt hin und wieder zu bemerken, daß der untere
Saum ringsum in handbreite Streifen zerschnitten ist. Man
kann hier somit das erste Auftreten des später zu so überaus
großer Beliebtheit gekommenen „Zaddelwerks“ verzeichnen.
Noch immer erhielten sich die breiten Bortenbesätze, man zierte
damit den unteren Saum der Tuniken, den Halsausschnitt
und die Ärmel dicht über dem Ellbogen und vorn am Hand—
gelenk. Auch wenn die Tumika sonst gar keinen Besatz auf⸗
wies, fehlten doch nicht die Streifen am Oberarm und vorn
an der Hand. — Das niedere Volk und die Handwerker
benutzten wie bisher den kurzen Rock, der den Gliedern freie
Bewegung gestattete. Fast ausschließlich wurde jetzt dem rund
geschnitlenen Mantel, dessen Ausschmückung hauptsächlich
das schönfarbige Stoff- oder Pelzfutter bildete, der Vorzug
—
oͤffnetem Hängeärmel wurde als Pirschkleid auf der Jagd
benutzt. Man unterfütterte diesen seitlich offenstehenden, bald
lang, bald kurz gestalteten UÜberwurf mit warmem Pelzwerk.
Es tauchten zugleich allerorts ähnlich geformte Uberzieh—
röcke auf, die die Stelle des Mantels ersetzen sollten; sie
wurden jedoch erst im 13. Jahrhundert allgemein gebräuch—
licher und sollen erst dann Erwähnung finden. Als Kopf—