Spiel und Sport auf Näoero.
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entstehen auf dem Körper blutunterlaufene dunkle Flecken, Beulen, ja selbst
blutende Stellen. Aber der zunehmende Schmerz, das Beifallklatschen, die Zu
rufe, der Spott von seiten der umstehenden Zuschauermenge feuert den armen
Schützen an, weiterzukämpfen und durcbzuhalten, wenn es auch schmerzt. Manch
einer hat bei diesen Turnieren schon das Augenlicht eingebüßt.
Es kommt nicht selten vor, daß infolge einer alten Fehde ein geheimer
Groll weiter unter der Asche fortglühte. Nun ist die Stunde der Abrechnung
gekommen und man nützt die Gelegenheit gründlich aus. An der Vorderseite
der Stöpsel bringen die Frauen heimlich scharfe, winzige Gegenstände an,
wie Glassplitterchen, enor (Stückchen von trockenen Kokosfiederblattrippen),
Dornen vom Pandanusblatt usw., die beim Aufprall in die Haut eindringen
und in der eventuell entstandenen Wunde sitzen bleiben. Es entstehen daraus
regelmäßig bösartige Vereiterungen, die schwer heilen.
Manchmal dauern die Gefechte ununterbrochen Tag und Nacht an. Die
Verwandten schleppen alsdann Nahrungsmittel herbei, die in den eingelegten
Pausen eiligst genossen werden.
Ist man endlich des Treibens müde, dann gibt ein Schiedsrichter das
Resultat bekannt und macht die besten Büchsen, d. h. solche mit der stärksten
Durchschlagskraft (eine jede Windbüchse, führt einen eigenen Namen) namhaft.
Das ist dann ein Ehrentag für den Eigentümer. Die besten Büchsen werden
sorgfältig verwahrt und in Ehren gehalten. Gegen Entgelt leiht man sie zu
verlässigen Spielern gerne aus.
Auch Frauen veranstalten manchmal das Spiel mit der Windbüchse. Nach
Aussage der Männer spielen sie hartnäckiger und mit mehr Ausdauer: denn
da gilt es die Frauenehre.
Wie andere Spiele, macht auch dieses alljährlich die Runde um die Insel.
8. Eakabarere (Ringen).
Junge Männer eines Distriktes sagen einem anderen Distrikt einen Ring
kampf an. Der herausgeforderte Distrikt wählt seine Kämpfer aus. Meist sind
es durch bereits früher erfochtene Siege bekannte Persönlichkeiten, die auf die
Liste kommen.
Am Morgen des Kampftages enthalten sich die Ringer jeglicher Speise,
um gelenkig zu bleiben. Sie sammeln sich auf einem freien Platze, den Körper
über und über mit Kokosöl eingesalbt, um den Gegner die Griffe zu er
schweren. Fest um die Lenden geschnürt tragen sie eine fein geflochtene
Doppelmatte, die bis hinunter auf die Fußknöchel reicht.
Ein Ringkämpfer tritt vor bis in die Mitte des freien Platzes und fordert,
laut den Namen rufend, seinen gewählten Gegner heraus. Dieser tritt vor und
stellt sich dem Rufenden gegenüber. Beide reiben sich die Hände mit Staub
ein, fixieren sich eine kleine Weile, schlagen mit beiden flachen Händen über
den Oberschenkeln auf die Matte, daß es klatscht, und geraten aneinander.
Folgendes haben sie zu beobachten:
1. Beim ersten Zusammenprall darf ein Ringer seinem Gegner mit dem
Unterarm nicht dermaßen in den Nacken schlagen, daß derselbe davon
halb betäubt und kampfunfähig wird.