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halter gewesen war, die Überzeugung von des Negers
Menschenunähnlichkeit, das schien jetzt durch die Thatsachen
immer mehr gerechtfertigt zu werden. So entstand das
Charakterbild des Negers, wie es noch heute in weiten
Kreisen durch jahrhundertelange Überlieferung eingewurzelt
ist, ein Charakterbild, das kaum noch einen menschlichen
Zug aufweist.
Und selbst in unserm Jahrhundert, als Europa end—
lich die Eroberung des dunkeln Erdteils für die christliche
Kultur mit allen Kräften in Angriff nahm, wurde diese
irrige Vorstellung ohne weiteres auch auf die Neger in
ihrem Vaterlande übertragen.
Die Enttäuschung war um so schwieriger, als man
die Sprachen der Eingeborenen nicht verstand und, von
Vorurteilen verblendet, nicht daran dachte, durch Beobach⸗
tung des Geistes- und Seelenlebens des Negers der Wahr—
heit nachzuspüren.
Die jammervollen Zustände der amerikanischen Neger—
sklaven gaben den ersten Anstoß zu einer gerechteren
Würdigung der Schwarzen, die allerdings in ihren ersten
Anläufen, wie jede derartige Bewegung, fast über das
Ziel hinausschoß.
Fleecy locks and black complexion
Cannot forfeit nature's claim:
Skins may differ; but affection
Dwells in white and black the same.
So der Dichter jener Tage! Missionaren, die in
langdauerndem, unmittelbarem, durch Kenntnis der Landes—
sprachen verinnigtem Verkehr die beste Gelegenheit hatten,
den Neger kennen zu lernen, gebührt das Verdienst, die