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Studien über den Bänkelgesang .
Fassungen einer Moritat , das Lied und die beiden Prosafassungen . Aber Lied und Redeprosäfassung nehmen sich nur wie Hinweise und Extrakte , das Lied speziell wie eine Moral , wie eine anwendung aus . — Der Fuß der ersten Seite gibt jedesmal den Namen des Druckortes und Verlages an . Heute versorgt fast den ganzen . Osten Hermann Reiche in Sch wiebus ( früher Hennigmann und Reiche ) . Andere mir bekannte , zum Teil indessen heute nicht mehr bestehende Offizinen sind : Anton Leitner in Wien ; Pojawa in Anclam ( Herausgeber und Selbstverlag ; Druck von Herrmann Müller in Berlin ) ; Trowitzsch und Sohn , Frankfurt a . O . und Berlin ( damals noch Oberwasserstr . 10 ) ; Fr . Hertel in heim ; Friedrich Damm in Berlin ; Fr . Giese in Zerbst ( häufig : Eigentum und Verlag von Andreas Kindel , Bernburg ) ; Bauer in Recklinghausen ; Marie Kahnert , Schurgast in Schlesien . deutschland versorgte früher eine Offizin in Schmalkalden . Es tun sich damit wieder Herstellungsfabriken kund . Die Bänkelsänger sind ebensowenig die Verfasser ihrer Moritaten , wie sie die Maler ihrer Bilder sind ; sie sind nur ihre Vertreiber .
Der typische Tonfall des Auswendiggelernten , die unnatürliche Geläufigkeit des Vortrags , desgleichen auch Lautstand , Wortschatz und Syntax sind weit entfernt von der wirklichen Sprechsprache der Vortragenden , wie es denn auch im Liede und im gedruckten Prosatext das literarische Element ist , das in die Augen springt . Der halb deklamatorische , halb journalistische Ausdruck grenzt an das Unnatürliche in seiner Geschraubtheit und führt oft zu den stilistischen Entgleisungen der Halbgebildeten . Die Syntax ist weit entfernt - von allen Merkmalen der Volkstümlichkeit , aber Fehler der Konstruktion und der Zeitenfolge vergleichen sich den Fehlern der Perspektive in den zugehörigen Bildern .
Auch der Charakter des Liedes ist durchaus literarisch . brechung ist beliebt ; wo Assonanz auf tritt , ist sie kein Zeichen von Altertümlichkeit , sondern von mangelndem Geschick . Die haftigkeit im Liede erinnert zuweilen an die der älteien deutschen Poesie , aber sie steht zu ihr in keiner wirklichen liteiaiisclien Be ziehung , sondern sie ist nur eine natürliche Folge der Bänkelsäng'ei technik , die sich auf die nebenhergehende und ausführlichere Prosa verlassen kann . Das Singen darf'hier andeutungsweise sich ziehen , weil es vom Sagen ergänzt wird , aber ich glaube nicht , daß von dieser Technik her etwa ein neues Licht auf die viel umstrittene Formel ‘Singen und Sagen’ und auf den sprunghaften Stil der alten Dichtung fällt . Sonderbar ist der seltsam unmoderne Charakter der Sprache in Lied und Text , Es ist , als wehte hier unmittelbar Luft aus dem 18 . Jahrhundert her . Niemals greift hier der Held zu seinem Browning , kaum zu seinem Revolver , sondern er zieht , wie zu Bürgers