Bevollmächtigter in seinem Abschnitt
war oder die Außenminister, Abrassimov [sowjetischer
Außenminister] und weeß ick wat allet ... Ick hatte ’n
Dienstgrad, und dann warste schon bissel wer, denn
konntest du dich in die Öffentlichkeit stellen - hat man
zumindestens immer gesagt.Ick mußte vorne am
Notrufmelder stehen, und da machste deine M eldung.
Und der Notrufmelder stand nun unmittelbar am Ein-
gangstor, det zum Ehrenmal... da haste jedesmal dei-
ne Grundhaltung angenommen, hast se vorbeigelas-
sen und haste deine Meldung gemacht. Dann haste
gedacht: Warum stehst du eigentlich hier und machst
immer »Bänerchen«? ... Du machst doch ’n Beruf, da
mußte nich noch strammstehen ... Da hast du dir Ge-
danken gemacht ... Telefon klingelte zwischendurch,
mußtest de ja ran: Ja, wat is denn. - Is nich der Herr...
Abrassimov gekommen? Ick sach: Ja, der steht hier
draußen. - Und warum melden Se das nich? Ja also,
wat soll der Quatsch, der steht noch außerhalb, der is
doch überhaupt nich auf dem Gelände druff: Wat
wolln die eigentlich von dir, ja? So, uff diese Art und
Weise, da ham sich meine Gedanken dann -: hirnver-
brannt, teilweise -«
Ich: »Diese Leute würden das vermutlich mit
irgendwelchen Sicherheitsbedürfnissen erklären. Sehen
Sie das anders?«
Herr Richter: »Das hab’ ick anders gesehen ...
Heute seh ick det noch viel anders, aber vorm Ehren-
mal, det war ja sowieso - die gesamte Straße war ja
abgesperrt, da lief keen Verkehr mehr, nischt, det wur-
de allet umgeleitet ... überall standen Autos und ’n
Haufen Leute, und det wimmelte nur so, und uff dem
Rondell da vorne, wo die Herrschaften ausgestiegen
sind, da wimmelten noch mehr Leute, bist nicht durch-
gekommen, selbst wir mußten x-mal Ausweis zeigen
und mußten hingebracht werden und weeß ick. Also,
die Sicherheit war doch da. Warum machen se denn so
n Wind, ja?«
Ich: »Es wird ja auch oft, was die DDR betrifft,
davon geredet, daß da ein übertriebenes Sicherheits-
bedürfnis war.«
Herr Richter: »Mit Sicherheit, mit Sicherheit ...
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Da gıbt’s einige Beispiele ... °73 warn die Weltfestspiele
[der Jugend] in Berlin. Ick meine, klar, ick war nun
mal Polizist, da ham wir ooch viel Dienst gemacht.
Aber denn starb Walter Ulbricht zu der Zeit, und denn
kam die Beerdigung von Ulbricht. Der Mann war tot,
fuhr vorneweg, hinterher ’n paar Autos. Det wußten
wir ... also die Volvos, die da fahren ... die sind alle
gepanzert, da kann also ooch nischt passieren. Aber...
so viel Leute, wie dort auf der Straße waren, die nur
der Sicherheit wegen da gewesen sind, det war arg
übertrieben. Und det ging dann weiter, als der
Sigmund Jähn wiederkam von seinem Weltraumflug,
na ja, det war ’n Weltraumflug, mein Gott, det is ’n
großes Ereignis, gewiß doch, aber muß man da ein
Riesensicherheitsbedürfnis machen? ... Bis uffs Dach
ham wir hoch gestanden ... daß je keener uff die Dächer
ruffkommt. Na wozu? Wat sollte dem Menschen schon
passieren ?«
Ich: »Wie würden Sie das erklären?«
Herr Richter: »Det war übertrieben ... Ick weeß
nich, aus welchen Gründen, ick weiß nich, wat die
Herrschaften da oben gedacht ham ... Bei jeder klee-
nen Gelegenheit ... wurde abgesperrt und abgesperrt
und abgesperrt - wozu? Es durfte nich jeder ran an
die Strecke. Leute, die man also kannte vom Sehen
her... hatten an der Straße nischt zu suchen, die sollte-
ste dann unter allen möglichen Vorwänden ’n Stück
zurücknehmen ... Also det ham die allet übertrieben,
so daß wir damals immer schon sagten: Mann, wat
soll det, ja?«
Die Sicherheitsvorkehrungen zu den erwähnten
Anlässen hielten Herr Richter und ein Teil seiner
Kollegen für nicht angemessen. Das konnte er auch
beurteilen aus einer gewissen internen Kenntnis des
aufgebauten Sicherheitssystems und aus seiner Ein-
schätzung jenes Teils der Bevölkerung, mit dem er zu
tun hatte. Außerdem schienen einige der Veranstal-
zungen für Attentate und Anschläge auch gar nicht
zeeignet. Zwar wußte man nicht, was »die Herrschaf-
;en da oben« sich dachten. Daß ihre Organe aber an
2>ınem möglichst flächendeckenden Sicherheits- und