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B. Referate. 3. Anthropologie.
als eine empirische Lösung finden wird. Er glaubt, dass die Verschiedenheit
zwischen der sogenannten Vernunft und dem Instinkt nur darin besteht,
dass beim Menschen die Beweglichkeit der Zellenfortsätze eine grössere
ist, als bei den anderen Tieren und infolge dessen die gebildeten Ver
bindungen leicht wieder gelöst und in andere umgewandelt werden können,
während bei den Tieren eine je nach der Art grössere oder kleinere
„Steifheit“ der Zellenfortsätze besteht, so dass die einmal gebildeten Ver
bindungen oder Associationen eine grosse Neigung haben fortzubestehen,
und sich zu vererben. Übrigens existiert auch beim Menschen ein ge
wisser Grad dieser Tendenz. Nach dieser Hypothese, die durch weitere
Untersuchungen bestätigt werden dürfte, wäre also zwischen Instinkt und
Vernunft keine Grund-, sondern nur eine Gradverschiedenheit: es bestände
nur eine Verschiedenheit in der Tenacität der von den Zellenfortsätzen
gebildeten Verbindungen. Dr. L. Laloy-Paris.
d. Pathologisches Verhalten,
Anomalien, Degenerations-, Kriminal-Anthro pologie.
284. Ferdinand Birkner: Über die sog. Azteken. Archiv f.
Anthr. 1897/98. Bd. XXV, Heft 1—2, S. 45—59.
0. Berkhan: Zur Entwickelung und Deutung der sog.
Azteken-Microcephalen. Globus. 1898. Bd. LXXIII, Nr. 4.
Ausführliche Fassung des Vortrages, den Birkner auf dem vorletzten
Anthropologen - Congress zu Lübeck (s. Correspondenzbl. d. Deutschen
anthrop. Gesellsch., 1897, Nr. 11 u. 12, S. 153—154) gehalten hat.
Unter Hinweis auf das betr. Referat im Centralbl. (Bd. II. 1897, S. 347)
geben wir im folgenden nur die Resultate:
„Das Wachstum des Schädels normaler Menschen zeigt im Laufe der
Entwickelung hinsichtlich der Schädellänge, der Schädelbreite und des
Horizontalumfanges eine Abnahme. Die jährliche Zunahme wird sowohl
absolut, als auch insbesondere relativ immer geringer. Die Azteken
gleichen hinsichtlich der Hirnschädel maasse (Länge, Breite, Horizontal
umfang) ungefähr den Neugeborenen und den Kindern vom 2. Jahre, aber
hinsichtlich der Hirnschädelentwickelung stehen sie den normalen
Menschen nicht nach. Weder die Zunahme der Kopflänge noch der Kopf
breite oder des Horizontalumfanges sinkt unter die mittlere Zunahme beim
normalen Menschen. Es muss also die Hemmungsperiode vor dem Zahn
wechsel liegen, am wahrscheinlichsten vor der Geburt. Auch bei der
Margarethe Becker gilt das Gleiche.“ Dr. B. LeJmann-Nitsche-La Plata.
285. G. J. Frey: Drei mikrocephale Geschwister. Arch. f.
Anthrop. 1897/98. Bd. XXV, Heft 1—2, S. 33—44.
Ausführliche Beschreibung und umfangreiche Messungen dreier in der
Irrenanstalt zu Schwetz internierter mikrocephaler Geschwister. Auffallend