Beurteilungen .
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Seinen Ausgang nimmt der Verfasser von den ägyptischen Homonymen . Ein Wort wie áb heißt tanzen , Herz , Mauer , Kalb u . s . w . ; mah heißt bedecken ( beschützen ) , anschauen ( weil , denn ) , Leinwand , Boot , freuen ; lies heißt Krug , schauen , durchdringen , singen , jubeln , befehlen , Excremente ; chemt heißt drei , ermangeln , verlangen , gehen , Feuer , heizen , Wurfspieß u . s . w .
Dieser Tatsache einer sehr ausgedehnten Homonymie steht zur Seite eine ebenso ausgebildete Synonymie , sodass es z . B . für schneiden etwa drei Dutzend Synonyma gibt , für rufen ein Dutzend , für Schiff zwei . Dass wir trotzdem die Hieroglyphen - Schrift lesen können , verdanken wir dem Umstände , dass sie Text mit begleitenden Illustrationen ist ; außer durch seinen Buchstabenwert lernen wir ein Wort auch danach schätzen , was für ein Bildchen ihm beigegeben ist , zu dem Zweck , die Begriffsklasse zu bezeichnen , welcher es an dieser Stelle zuzurechnen ist , sodass z . B . hinter dem buchstabirten Namen einer Blume das Pflanzenbild , hinter der buchstabirten Bezeichnung irgend einer Arbeit das keitsbild als Erläuterung hinzugefügt ist .
Hat also die geschriebene Sprache des Bildes bedurft , um verständlich zu sein , so die gesprochene der Geberde , wenn auch die bloße Situation und der Zusammenhang der Rede zum Verständnis hülfreich war . Während es nun auch im Altägyptischen schon einige Worte gab , welche nur eine einzige Bedeutung hatten , war die Sprache im Lauf der tausende auf diesem Wege fortgeschritten , sodass im tischen ( der Volkssprache der Aegypter , welche das tum angenommen haben ) eine Unzahl von Homonymen und Synonymen verschwunden ist . Ersatz ist geschaffen durch die Differenzirung von Laut und Sinn .
Mögen nun die Aegypter , welche doch Kaukasier sind , mit den Semiten und Indogermanen verwant sein oder nicht , so lässt sich trotzdem die Möglichkeit nicht bestreiten , dass es in semitischen und indogermanischen Sprachen ähnlich zugegangen ist . Dann wäre es ungerechtfertigt , bei gewissen
Zeitsclir . für Völkerpsyeli . und Spraclrw . Bd . XIV . 2 . 15