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8 58. Der deutsche Leser muß dem fremden Schriftsteller den
Wert und Gehalt der einzelnen Wörter und Ausdrücke nach⸗
empfinden und demgemäß Begriffsschattierungen und Klang—
wirkungen erfassen, die in der Übersetzung verschwinden oder durch
andere ersetzt werden. Die meisten Wörter sind freilich zu bloßen
Zeichen herabgesunken und als solche hinzunehmen, doch hat im Grunde
jedes seinen besonderen Sinn und Klang: homme und man decken
sich zum Beispiel in der Bedeutung nicht völlig mit Mann, da sie
auch den Begriff Mensch enthalten, und der Klang eines schallnach—
ahmenden Wortes wie tonnerre ist von anderer Wirkung als der von
thunder und Donner. Das veraltete Wort muß einen andern
Eindruck hervorbringen als das heute übliche, das gehobene, dich—
terische oder komische anders wirken als das alltägliche: so sind
damoiselle und spake auffällige Formen für demoiselle und spoke,
eoursier und steed unserm Ross entsprechend edle Wörter. Vgl. noch
franz. quasi und presque, nof und navire, voie ferrée und chewmin
de fer, prendre femme und se marier; engl. to riss und to get
up, perchance und perhaps, spouse und wife, und so über—
haupt die gezierteren romanischen Wörter und ihre schlichten Gegen—
bilder: to inter und to bury, to chant und to sing, to congratulate
und to wish joy, to erect a status und to put up a
ztatus. — Gewisse verstärkende oder übertreibende Ausdrücke muß
man im Sinne der sie darbietenden Sprache mit Einschränkung ver⸗
stehen, z. B. jo suis heureux de vous voir, J am happy to see you
(. 8 62). — Zur richtigen Erfassung des Ausdrucks gehören Unter—
scheidungen wie die von franz. part Anteil, partis Teil, engl.
ꝛarl einheimischer, eount ausländischer Graf, und die ganze Syno⸗-nymik,
soweit sie nicht der im folgenden Paragraphen behandelten
Grammatik zugewiesen wird, daher unter anderem die in die Grammatik
hinüberführenden Präpositionen, z. B. in par un temps de pluie
bei Regenwetter, over a glass of wine bei einem Glase Wein; the
town is situated on a river, la ville est situéé sur un fleuve,
nach französischer Auffassung über dem Flusse, nach deutscher (on
ursprimglich — an) an demselben. Die Anschaulichkeit dieser Prä—
positionen kann uns zu dem Fall hinüberleiten, wo Wörter und
Redensarten nicht nur als Zeichen erscheinen, sondern in denselben der
sinnfällige oder bildliche Gehalt noch deutlich zu Tage tritt;
z. B. franz. patron (Schutzherr) Arbeitgeber, prêcheur ironisch von