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III. Die Abersetzung.
8 61. Da die drei hier in Betracht kommenden Sprachen sich
im Laufe vieler Jahrhunderte nebeneinander entwickelt haben und durch
dieselben Einflüsse des inneren Fortschritts und des äußeren Verkehrs
einander genähert worden sind, so läßt sich voraussetzen, daß auch die
Mittel und Wege, deren sie sich bedienen, vielfach dieselben sind. In
der That entsprechen sich eine Menge Ausdrücke auf das genaueste,
und in der Verbindung der Wörter zu Satzteilen und Sätzen findet
sich kaum ein Verfahren, das den Sprachen nicht gemeinsam wäre, so
daß nur die größere Vorliebe oder Bestimmtheit der Wahl das ver—⸗
schiedene Gepräge hervorruft. Die Übertragung eines Gedankens aus
einer der fremden Sprachen in die unsere kann daher keine grundfätzlichen
Schwierigkeiten bieten. Es handelt sich vielmehr nur darum, die
Grenzen der Übereinstimmung scharf ins Auge zu fassen, nämlich
einerseits nicht das Fremde gedankenlos zu übernehmen, andrerseits
das Eigene gebührend zur Geltung zu bringen. So besteht denn die
eigentliche Aufgabe darin, das Gefühl für unsere Muttersprache leb—
haft zu erregen und nach Kräften wirksam zu machen. Demjenigen,
der das Deutsche vollkommen beherrschte, wären daher keinerlei Weisungen
von nöten; daß dieser Fall aber verhältnismäßig selten eintritt, zeigen
die gedruckten Übersetzungen fremdsprachlicher Werke, von denen
viele nicht nur gelegentlich einmal den Tadel des Kenners erregen,
sondern auch bei andern Lesern leicht ein dauerndes Gefühl des Un—
behagens hervorrufen und im allgemeinen der Ausbildung des Sprach—
gefühls hindernd in den Weg treten. Wird schon auf diese Weise die
Sicherheit und freie Entwicklung der Muttersprache beeinträchtigt, so
läuft diese doch noch größere Gefahr durch die fortwährende über⸗
sezungsthätigkeit der Schule. Da das deutsche Sprachgefühl
bei den Schülern noch nicht empfindlich und sicher genug ist, auch
Bequemlichkeit und Rücksicht auf Zeitersparnis manches mit in den
Kauf nehmen läßt, so bedarf es von seiten des Lehrers längerer Er—
fahrung und beständiger Aufmerksamkeit, um dem Üübel soviel als mög—
lich zu steuern. Durch die bewußte Kenntnis der greifbaren
Einzelheiten seiner Aufgabe wird der Übersetzer einen festen Halt ge—
winnen und von Anfang an Fehler und Nachlässigkeiten vermeiden