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Full Text : Den heimkehrenden Siegern

wird erdulden müssen: aber es ist uns keine Wahl mehr geblieben!
 Wir müssen fechten um unsere Existenz, wir müssen
in einen Kampf aus Leben und Tod gehen gegen diejenigen,
die das Preußen des großen Kurfürsten, des großen Friedrich,
das Preußen, wie es aus den Freiheitskriegen hervorgegangen
ist, von der Stufe herabstoßen wollen, auf die seiner Fürsten
Geist und Kraft, seines Volkes Tapferkeit, Hingebung und
Gesittung es emporgehoben haben.
Flehen wir den Allmächtigen, den Lenker der Geschicke der
Völker, den Lenker der Schlachten an, daß Er unsre Waffen
segne!
Verleiht uns Gott den Sieg, dann werden wir auch stark
genug sein, das lose Band, welches die deutschen Lande mehr
dem Namen als der That nach zusammenhielt, und welches
jetzt durch diejenigen zerrissen ist, die das Recht und die Macht
des nationalen Geistes fürchten, in anderer Gestalt fester

und heilvoller zu erneuen. Gott mit uns!
Berlin, den 18. Juni 1866. (gez.) Wilhelm.

Seine Majestät der König ordnet die Abhaltung eines allgemeinen
 Bettages aus den 27. Juni an. In dem Allerhöchsten Erlasse
Heißt es: Es hat Gott nicht gefallen, Meine Bemühungen, die Segnungen
 des Friedens Meinem Volke zu erhalten, mit Erfolg zu
krönen. Eingedenk der schweren Verantwortung, welche die Entscheidung
 über Frieden und Krieg auf Mein Gewissen legt und der großen
Opfer, mit welchen der Krieg die Wohlfahrt und das Familienglück
vieler Tausende, hier und drüben, bedroht, Habe Ich keinen Weg
unversucht gelassen, einen ehrenvollen und für die Zukunft des gesammten
 deutschen Vaterlandes segensreichen Frieden zu erhalten und
auf sicheren Grundlagen neu zu befestigen. Gott hat es anders gefügt.
Zu Ihm kann Ich aufblicken, wenn Ich jetzt unter Anrufung Seines
Allmächtigen Beistandes das Schwert ziehe zur Vertheidigung der

theuersten Güter Meines Volkes. Mein Volk ohne Unterschied des
Bekenntnisses wird auch jetzt zu Mir stehen, wie es in den Zeiten

der Gefahr zu Meinem in Gott ruhenden Vater und zu Meinen
Vorfahren, glorreichen Andenkens, treu gestanden hat. Aber ohne
des Herrn Hülfe vermögen wir nichts. Vor Ihm und Seinen heiligen
Gerichten wollen Wir uns in Demuth beugen, uns der Vergebung

unserer Sünden durch Christi Verdienst neu getrösten und von Ihm
Sieg und Heil erflehen. So gereinigt und gestärkt können wir getrost
dem Kampfe entgegen gehen. In diesem Gefühle Mich Eins zu finden

mit Meinem ganzen Volke, ist mein festes Vertrauen.

General v. Herwarth zieht mit der Elbarmee in Dresden ein.

Die Division des Generals v. Manteuffel trifft Abends in
Hannover ein.

Die kleine hannoversche Feste Stade wird von einem preußischen
Bataillon unter Oberstlieutenant v. Cranach überrumpelt und nach
kurzem Kampf durch Capitulation der Garnison gewonnen. ES
werden 8 gezogene 12-Pfünder, 7 gezogene 24-Psünder, 8 Haubitzen,
6 Mörser, viele verschiedene eiserne Kanonen, 14,000 neue gezogene
Gewehre, 2000 Ctr. Pulver, 1,<>00,000 Patronen, viel Eisen-Munition,
 11,600 neue wollene Decken und vieles andere Kriegsmaterial
an den preußischen Commandeur überliefert.

Oesterreichische Truppen überschreiten bei Guhrau die preußische
Grenze und geben auf preußische Ulanen-Patrouillen Feuer. Auch
bei Klingebeutel wird ein zur Recognoscirung vorgeschickter Ulanen-Officier
 auf preußischem Gebiet durch oesterreichische Husaren umzingelt
und mit Karabiner-Schüssen begrüßt. Der preußische Ofsicier wird
durch seine herbeieilenden Mannschaften schnell befreit.

1». Juni.

Laut Proklamation geht die Verwaltung des Königreichs Hannover
auf den commandirenden General Vogel v. Falekenstein über.

General Vogel V. Falekenstein setzt sich von Hannover aus mit der
Division Goeben zur Verfolgung der hannoverschen Armee in Marsch.
Letztere hatte einen Vorsprung von fast 14 Meilen und war 18 bis
19,000 Mann stark, hatte gute Reiterei und 52 Geschütze.

Das Hannoversche Fort Wilhelm und die Weserbatterien Werden

von preußischen Truppen besetzt.

General v. Beyer trifft nach den angestrengtesten Fußmärschen
(an einem Tage sogar von 7 Meilen) in Kassel ein.

Die kurhessische Armee entkommt der preußischen und vereinigt
sich in Hanau mit dem 8. deutschen Bundescorps.

«» Juni.

Seine Königliche Hoheit der Kronprinz von Preußen erläßt in
Höhnten folgenden Armeebefehl:
^-----^^eLmLaU-n Armee! Ihr habt die Worte unser-s
Königs und Kriegsherrn vernommen! Die Bemühungen Sr.
Maj., dem Lande den Frieden zu erkalten,waren vergeblich. Mit
schwerem Herzen, aber stark im Vertrauen aus die Hingebung
und Tapferkeit seiner Armee, ist der König entschlossen zu
kämpfen für die Ehre und die Unabhängigkeit Preußens, wie
Üir die machtvolle Neugestaltung Deutschlands. Durch die
munde und das Vertrauen Meines Königl. Vaters an Eure
Spitze gestellt, bin ich stolz darauf, als der erste Diener unseres
Königs mit Euch Gut und Blut einzusetzen mr die heiligsten
Güter unseres Vaterlandes. Soldaten! Zum ersten Male
seit über 50 Jahren steht unserm Heere ein ebenbürtiger Feind
gegenüber. Vertraut auf Eure Kraft, aus unsere bewährten
vorzüglichen Wafferz und denkt, es gilt, denselben Feind zu
besiegen, den einst unser größter König mit einem kleinen Heere
schlug. Und nun vorwärts mit der alten preußischen Losung:
Mit Gott für König und Vaterland.

Ganz Sachsen befindet sich im ungestörten Preußischen Besitz/
Die fachfische ^ahne weht nur noch aus der Feste Königstein.

General v. Herwarth erläßt einen Armeebefehl, in dem es heißt:
Maj. der König unser Allcrgnädrgster Herr hat mir den Oberbefehl
 über das 8. Armeecorps, das Reservecorps und die 14. Division
 übertragen und befohlen, mit der Elbarmee in Sachsen einzurücken.
 Nicht aber das sächsische Volk ist unser Feind/ es wird
Euch seine Zuneigung entgegentragen. Nur seine Regierung steht
uns feindlich gegenüber und hinter ihr der Hauptgegner des Königs:
 Oesterreich. Soldaten! Ernste Kämpfe, schwere Tage können
uns bevorstehen: aber mit voller Zuversicht sehe ich ihnen entgegen,
weil ich weiß, daß Jeder an seiner Stelle seine Pflicht thun wird. —
Die Regimenter, die ich von den Usern des Rheines an die Elbe
geführt, und die Truppen Westphalens kenne ich, sie werden miteinander
 wetteifern, und Ihr alte Soldaten des neuen Reservecorps,
die der König zur Vertheidigung seiner gerechten Sache aus allen
Provinzen seines Staates zufammenberufen hat, Ihr werdet, Garde
wie Linie, unseren Feinden zeigen, daß jeder Preuße auch am
heimathlichen Hccrde Soldat bleibt. Kameraden! Je größer Eure
Leistungen, desto schneller der Erfolg! Deshalb mit Gott für König
und Vaterland, Vorwärts!

^.l?^^ erklärt an Oesterreich den Krieg. Die Kriegserklärung
General Lamarmora an den Erzherzog Albrecht. Das
Österreich Oesterreich ist seit Jahrhunderten die Hauptursache der
-ug und Knechtung und der moralischen wie der Materiellen
Schädigungen Italiens. Heute, wo die Nation constituirt ist, erkennt
Oesterreich sie nicht an und fährt fort, unsere edelste Provinz zu
unterdrücken, indem es aus derselben ein weites Feld zur Bedrohung
unserer Existenz macht. Die Rathschläge anderer Mächte waren er-Wlglos.
 Es war unvermeidlich, daß Italien und Oesterreich sich bei
oer ersten europäischen Verwickelung gegenüber stehen würden Die
vorgenommenen Rüstungen und die Zurückweisung von Friedenssamim^-^

 feindlichen Absichten Oesterreichs. Das ge-^asiemsche
 Volk hat sich erboben. Deshalb erklärt der König
dund Vertheidiger seines Landes dem Kaiserreich Oesterreich
oen Krieg Die Feindseligkeiten werden in 3 Lagen beginnen, es
denn, daß der Erzherzog diesen Aufschub nicht annehme.

König Victor Emanuel erläßt ein Kriegs - Manifest an die
Rauener. Es heißt darin: »Oesterreich verweigert auch dieses Mal
Unterhandlungen und weist jedes Einverständniß zurück. Es
damit einen Beweis, daß, wenn es Vertrauen hat zu seiner
^raft, es nicht so seiner guten Sache und seinem Rechte traut.»

S1 Juni.

hannoversche Feste Emden und die Strandbatterien an der
werden von preußischen Truppen besetzt.

der Division Goeben verfolgte hannoversche Armee
üGöttingen und hat sich dort verschanzt. Die Stadt
oN^küsadirt. Eine schwache hannöversche Abtheilung überschreitet
vet -agesanbruch die preußische Grenze unweit Heiligenstadt.
Corps v. Falckenstein und v. Manteuffel rücken nach Götungen
 vor.

der ^.e^^r marschirt mit seinem Corps von Cassel in
wtung auf GötUngen ab. Starke Detachements werden von
Uebe^A^ Segen die Werra-Uebergänge vorgeschoben. Alle Werra-"evergange
 werden besetzt.

reickuM^-^ Vorposten wird dem gegenüberstehenden oester-Krieaser0ä^.npp-?-C^^
 die Erwiderung der oesterreichischen
nciegveruarung überreicht.

kurheffische Volk ^^ erläßt in Cassel eine »Verkündigung« an das

Die amtliche »Wiener Zeitung« bringt zur Beschwichtigung der

Oesterreicher einen Artikel, der die dortigen Anschauungen aufs
Eklatanteste kennzeichnet. Es heißt darin u. a.: »Vielleicht noch nie
sehnte sich ein Volk dem Kampfe so warm entgegen, als mit seltener
Einmüthigkeit alle Völkerschaften des oesterreichischen Kaiserstaats das
endliche Losschlagen gegen die andrängenden Preußen herbeiwünschen.
Alle Bewegungen, die ganze Ausrüstung scheint den Kriegslustigen
zu langsam, — sie möchten der Armee Flügel wünschen. — Wir
begreifen diese Unruhe, der gegenüber die Ruhe, mit welcher in der
oesterreichischen Armee das ganze riesige Werk der 'Ausrüstung zu
Ende geführt wurde, um so imposanter, um so majestätischer erscheint.
 Es ist das Bewußtsein geistiger Ueberlegenheit, welches sich
also zum Ausdrücke bringt. — Im preußischen Lager beobachten wir
ein ungeduldiges Drängen und Treiben nach kriegerischen Ereignissen,
weil die Ungewißheit des Erfolges dort peinlich ist. Dagegen sehen
wir im oesterreichischen Hauptquartier eine Ruhe, die uns - wenn
wir das Unglück hätten, ein Preuße zu sein — geradezu erschrecklich sein
würde. Wir sehen zwei Schachspieler, der eine rückt Zug um Zug
langsam dem Gegner zu Leibe, jede Figur erhält die Stelle, di? ihr
nach überlegtem Plane ertheilt ist, wo sie drohend stehen bleibt/

während der Gegner unruhig umherzieht, planlos angreift und sich
genügt hat, wenn es ihm gelang, eine unbedeutende gegnerische Figur
zu kapern, die ihm keinen Nutzen bringt, weil er an der Stellung
verloren hat, was er an Besitz gewann. — Darum diese edle
männliche Ruhe in unserer Armee. Es ist die Meeresstille, die dem
vernichtenden Sturme vorangeht!«

ST. Juni.

Seine Königliche Hoheit der Prinz Friedrich Karl erläßt aus
dem Hauptquartiere Görlitz folgenden Armeebefehl:
Soldaten! Das treulose und bundesbrüchige Oesterreich bat

ohne Kriegserklärung schon seit einiger Zeit die preußischen
Grenzen in Oberschlesien nicht respectirt. Ich hätte also ebenfalls
 ohne Kriegserklärung die böhmische Grenze überschreiten
dürfen. Ich habe es nicht gethan. Heute habe ich eine betreffende
 Kundgebung übergeben lassen und heute betreten wir
das feindliche Gebiet, um unser eigenes Land zu schonen.
Unser 'Anfang sei mit Gott! Auf ihn laßt uns unsere Sache
stellen, der die Herzen der Menschen lenkt, der die Schicksale
der Völker und den Ausgang der Schlachten entscheidet. Wie
m der Heiligen Schrift geschrieben steht: laßt Eure Herzen zu
Gott schlagen und Eure Fäuste auf den Feind! In diesem

Kriege handelt es sich — Ihr wißt es — mir Preußens
heiligste Güter und um das Fortbestehen unseres theuren
Preußens. Der Feind will eS ausgesprochenermaßen zerstückeln
 und erniedrigen. Die Ströme von Blut, welche
Eure und meine Väter unter Friedrich dem Großen und in
den Befreiungskriegen und wir jüngst bei Düppel und auf
Alsen dahin gegeben haben, sollen sie umsonst vergossen
sein? — Nimmermehr! Wir wollen Preußen erhalten wie
es ist, und durch Siege kräftigen lind mächtiger machen.
Wir werden uns unsrer Väter würdig zeigen. Wir bauen
auf den Gott unsrer Väter, der in uns mächtig sein und
Preußens Waffen segnen wolle. Und nun vorwärts mit
unsrem alten Schlachtrufe: Mit Gott für König und Vaterland!
 Es lebe der König!

Der König von Hannover verläßt mit seinen Truppen Göttingen,
und den »heimischen Boden«, »um die Sache des angegriffenen Rechtes
zu vertheidigen, um im Verein mit treuen Bundesgenossen für die
heiligsten Güter des Vaterlandes mit um so größerem Nachdrucke zu
kämpfen.« »Wir werden, — heißt es in der Proklamation v. 21. Juni,
— das ist Meine feste freudige Zuversicht, als würdige Söhne unserer
Väter den vaterländischen Boden siegreich wieder betreten.«
Der bei Heiligenstadt auf preußisches Gebiet getretenen hannoverschen
 Abtheilung folgen stärkere Streitkräfte der Hannoveraner,
welche in der Richtung auf Mühlhausen abmarschirem
Die Strandbatterien auf dem Knocke bei Emden werden durch
Mannschaften von Sr. Maj. Kanonenboot »Tiger« in Besitz genommen.
 Die Besatzung der Stadt und der Batterien streckt die
Waffen. Der Geestemünder Hafen in Besitz genommen.
Ganz Hannover ist bis zur Nordsee im Besitz Preußens.

Dem Kurfürsten von Hessen wird nochmals ein Bündniß mit
Preußen auf der Basis der preußischen Vorschläge zur Bildung eines

neuen Bundes unter der Bedingung angeboten, daß der Kurfürst ein
die Beobachtung der Verfafftuig von 1831 verbürgendes Ministerium
einsetze^ Er schlägt diese Bedingungen aber ohne weitere '-Wandlungen
 ab.

SL. Juni.

Mecklenburgische und oldenburgische Truppen werden egsfuß
 gesetzt, um mit andern norddeutschen Kontingenten - rve-§
 corps für Preußen zu bilden.

j Die Truppen von Sachsen-Altenburg, 1400 Mann u.-i! mcken
! nach Erfurt aus. Gleichzeitig erläßt Herzog Ernst eine Pr Mon,
i in der es u. a. Heißt: »Kein mächtiges blühendes Deutmumd ohne
§ ein mächtiges hervorragendes Preußen als den entschlossei- Meren
Vorrämpfer mc die deusschen Interessen im Norden, als ^ «Werder
 größten nationalen volkswirthschaftlicken Institution : -zeit,
des deutschen Zollvereins.« -

Die preußischen Truppen rücken an mehreren Pumun in Bö.men
ein, ^ ^^ Armee unter Prinz Friedrich Karl von Sachsen aus,
die zweite unter dem Kronprinzen von der Grafschaft Glatz aus. Die
erste Armee erreicht die böhmische Stadt Neichenberg.

Der von der ersten preußischen Armee abgesandte Ofsicier, welcher
dem oesterreichisch^u Obergeneral die Notisication überbringen sollte,
daß Preußen den auf Veranlassung Oesterreichs am 16. Juni in
Fnmkfurt gefaßten Beschluß als Kriegserklärung betrachte, wurde von
oesterrelchischen Posten mit Gewehrschüssen empfangen.

In Böhmen finden zwischen Abtheilungen des Magdeburgischen
Husaren-Regiments Nr. 10 und des brandenburgischen Dragoner-Regnuents
 Nr. 2mit einigen Escadrons der oesterreichischen Regimenter
 Radetzki-Husaren Nr. 5 und Liechtenstein-Husaren Nr. 9 kleine
Scharmützel statt. Dem Feinde werden mehrere Gefangene abgenommen.


Ungarische Deserteurs melden sich mit Pferden und Gepäck bei
den preußischen Vorposten. Aus diesen Ungarn wird in Glogau ein
Depot zur Bildung einer ungarischen Legion organisirt.

Die hannoverschen Truppen marschiren auf Gotha, welches
diesseits stark besetzt ist. — Der König von Hannover sucht in der
Richtung auf Erfurt zu entkommen. — Der hannoversche Major
Jacobe langt in Gotha an zur Einleitung von Verhandlungen, betreffend
 die Capitulation der hannoverschen Armee.

SA. Juni.

Dft hannoversche Armee, von der preußischen verfolgt, kommt
bis Gotha, das von preußisch-koburg'schen Truppen stark besetzt war.
Der König von Hannover nimmt nunmehr die Vermittelung des
Herzogs von Koburg in Anspruch und es beginnen Verhandlungen
mit Preußen. Generallieutenant von Alvensleben, Generaladjutant
des zrönigs Wilhelm, trifft am Abend zu diesem Zwecke in Gotha
Den Hannoveranern wird ein Waffenstillstand bis zum 25. Juni
früh 8 Uhr b illigt.-Der

 Kurfürst von Hessen, welcher auf Wilhelmshöhe verblieben

war und der preußischen Besitznahme seiner Hauptstadt (19. Juni)
ssP' ewm.passiven Widerstand entgegensetzte, wird aus seiner eigenthümlich
 ssolirten Stellung dadurch delogirt, daß ihm nach seiner
eigenen Wahl Stettin als Aufenthaltsort zugewiesen wird (m. a. W.
gefangen genommen).

General v. d. Mülbe, Militair - Gouverneur des Königreichs
Sachsen, proklamirt in ganz Sachse.: den Milit^

,Der Kaiser von Oesterreich erläßt an den ungarischen Landtag
ein Rescript, worin eS heißt: »Wir geben uns der Hoffnung hin,
daß Er, der die Geschicke von Fürsten und Völkern lenkt, der gerechten
Sache den Sieg, unseren von Ihn: gesegneten Waffen den endlichen
Triumph verleihen werde.«

Schlacht bei Custozza zwischen Italien und Oesterreich/ Sieg auf
Oesterreichs Seite. Doch ist das Wort Victor Emanuels beachtend-Werth:
 »Ich habe die Schlacht weder gewonnen, noch verloren. Ich
habe nicht reussirt, aber die Oesterreicher auch nicht, und sie haben
ungeheure Verluste erlitten.«

TS. Juni.
Eibbrücke bei Riesa wieder fahrbar.

Ein neuer Versuch einzelner hannoverscher Abtheilungen zwischen
^otha, trotz des am 24. Juni zugestandenen Waffenstillstandes
 durchzubrechen, wird durch das 4. Garde-Regiment zu
Fuß nachdrücklich zuruckgewiesen.
_ ?ssH Ae" ersten fehl geschlagenen Unterhandlungen des Hannover-Königs
 mit Preußen wendet derselbe sich direct an König Wilerbittet

 eine 24 stündige Bedenkzeit zu seinen definitiven
König Wilhelm bewilligt ihm dieselbe und befiehlt
m^s Befehlshabern, sich bis zum 26. Vor-MittagS
 10 Uhr leder Feindseligkeit gegen die Hannoveraner zu entein
 bevollmächtigter (Oberst v. Doning) geht von Berlin

nach Langensalza. Preußen bietet dem König" Georg aufs Neue
Allianz mit Preußen rc. an. v .

EK. Juni.

Der württembergische Wirkliche Staatsrath, Bundescommissar
Graf Leutrum richtet an die Bewohner der preußischen hohenzollernschen
 Lande eine Proklamation, worin mitgetheilt wird, daß die
»Bundesversammlung« beschlossen habe, die Fürstenthümer seitens
der wurttembergischen Regierung mit Bundestruppen besetzen zu
lassen und die Verwaltung zu übernehmen.

^ie dem König von Hannover bewilligte 24 ständige Bedenkzeit
lauft Vormittags ab. Die vom König Wilhelm in schonendster
Weile gestellten Kapitulations - Bedingungen werden seitens der
Hannoveraner nicht angenommen. Die Feindseligkeiten werden
wieder eröffnet.

Die Spitzen der ersten (böhmischen) Armee unter Prinz Friedrich
Karl treffen an der Iser ein, vertreiben nach kurzem Gefecht zwischen
melenau, Lurnau und Podol die feindliche Arrieregarde und überschreiten
 bei Turnau die Iser. Ein Artilleriekampf zwischen der 2. 4pfündigm
 Batterie der 4. Artillerie-Brigade und 14 oesterreichischen Geschußen.
 (Benedek bezeichnet seinerseits das Gefecht als »resultatlos«)
Bei Böhmisch-Aicha machen die brandenburgischen Dragoner
mehrere Gefangene von: oesterreichischen Infanteric-Regiment König
von Preußen Nr. 34. '

Von den Seiten-Detachements der Armee des Kronprinzen
werlen oesterreichifche Windischgrätz - Dragoner und Ulanen des
10. ulanenregiments zu Gefangenen gemacht,

TV. Juni.
Vierstündiges Gefecht bei «swi^eim. Das Graf Stolberg'sche

Corfs, die schlesische Landesvertheidigung, sammelt seine ersten Lorbeern.
 Die Oesterreicher, vierfach an Zahl überlegen und in sehr
feste: Position auf dem Bahnhose zu Oswiecim, werden zurückgedrauzt.
 Unsererseits nehmen Theil das v. Bessel'sche (Breslauer),
das v. Osten-Sacken'sche und v. Kleist'sche Bataillon, sowie 2 Compagnien
 Landwehr-Jäger und 2 Escadrons Landwehr-Ulanen.
12 oesterre.chffche Geschütze gegen 2 preußische! Unsere Landwehr-Ulanen
 gversen die oesterreichilche Cavallerie auf's Glänzendste.
Dr.nwck. Friedländer gefangen genommen.

Gefecht bei Myslowitz, an der preußisch-oesterreichisch-russischeu
 Grenze, unsere Landwehr halt sich gegen die weit überlegenen
Oeftrreicher äußerst tapfer. Unterofficier Hein gegen 6 Husaren, er
!tödtl3 und macht 2 zu Pferde unbrauchbar/ erst da wird er getödtet.

Siegreiche Schlacht der zweiten (kronprinzlichen) Armee bei
^ahod über die Oesterreicher. Die Avantgarde unter General-Mavr
 v. Loewenfeldt, Tags vorher gegen Nachod vorgeschoben,
wiri ,9^ Uhr von 2 Brigaden des 6. oesterreichischen Corps
mit zahlreicher Artillerie angegriffen. Nachdem die preußischen
^ruspen das schwierige Defilee verlassen und die vorliegenden Höhen
erreiht haben, auch die gesammte Artillerie (90 Geschütze) in die
Geftchtslinie vorgezogen ist, greift die Armee energisch an/ General
v. Äiiuck wirst Mit einer glänzenden Attaque des 1. Ulanen- und
8. Dragoner-Regiments die feindliche Kürassier-Brigade des Prinzen
Soleis über den Haufen. Die Infanterie geht an verschiedenen
Stellen mit dem Bayonett zum Angriff vor. Gegen 3 Uhr Nachmittags

sämmtliche feindliche Truppen auf dem Rückzüge. Glänzender
Sieg der preußischen Cavallerie über die viel gepriesene oesterreichische.
Der Kampf gereicht dem General v. Steinmetz und dem 5. Armee-Corps
 zur Ehre. 22 preußische Bataillone gegen 28 oesterreichische.
Gentrale v Ollech und v. Wnuck, Oberst v. Walther verwundet,
Mapr v. Natzmer (von, 8. Drag.-Regt.) todt. — 5000 oesterreichische
Gestrigem, 5 Geschütze, 1 Fahne, 2 Standarten erbeutet. (Benedek
sagt iastinein Bericht von: 27. Juni: »Nach vierthalbstündigem hitzigen
Kanüle erstürmte das 6. (oesterreichische) Corps die Höhen von Wisokowo
 und Wenzelsberg und war auf allen Punkten Sieger. Um
Mitttg erneuerten die Preußen mit frischen ükerlegenen Kräften den
Angriff, wurden fedoch durch das Feuer der Corpsgeschütz-Reserve
zuruögewicsen und konnte das 6. Armeecorps unbehelligt vom
Feinte seine ursprünglich beabsichtigte Ausstellung bei Skalitz erreichen.«)

Gefecht der ersten preußischen Armee (8. Division, Horn)
not sen Oesterreichern bei Podol an der Iser/ die Oesterreicher
werden nach 4stundigem Kampfe geworfen, lassen 500 Gefangene
 in unsern Händen und ebensoviel Todte und Verwundete. Von
unsern Truppen waren vorzüglich das I., 3. und l. ttmrinaische
Infanterie.Regiment Nr. 31, 71 und 32 im Gefecht. (»Die enerne
Brigade«, Poschascher, geschlagen.)

Glückliches Gefecht der preußischen Armee unter General
V. Herwarth mit den Oesterreichern bei Hünerwasfer.

Gefecht der Avantgarde des 1. Armetcorps (General v. Bonin)
Mit Gablenz bei Trautenau. Letzterer wird am Vormittag gei

 -such: -Wer NachuntÜW - ,-q^ M^noen gegen die met.
i schwachcre und ermüdete Avantgarde vor und zwingt letztere, sich
zurl.ckzuzieyen. In Trautenau werden unsere Soldaten auf heim.
! tückuche W-ssc ron den Bewohnern angegriffen und gemißhandelt.

! Reiter-gefecht bei berwenahova. Während die Avantgarde
der 2 Garde-Infanterie-Division unter Oberst Mirus in der Rich
tung von Kosteilec auf Skalitz vorgeht und die Cavallerie eine Recognoscirung
 regen Skalitz vormmmt, wird in Cerwenahora, einen,
l^lR/ ssenwlm, daß jenseits desselben feindliche Cavallerie ausmarschu'l
 sei. Die eigp^^uble Cavallerie (6 Züge der 2. Escadron und
2 Zuge der 4. Escadron des 3. Garde-Ulanen-Regiments) marschirt
jstusstcm Dorfe auf, da reitet D Escadron Kaiserl. oesterreichische
Mexuo-Ulanen aus sie zar Attaque an / unsere Cavallerie wirft sich aber
sofort auf den ^eind und durchbricht die beiden feindlichen Glieder,
worauf ein hitziges Einzelngefecht entsteht, woran sich preußischerseits
auch die 3. Escadron betheiligt. Nach 10 minutenlangem Gefecht
fliehen die oesterreichischen Ulanen. 13 Beutepserde und 32 Gefangene
 ge,nacht.

Die hannoversche Armee steht bei Langensalza, umstellt von

30 -- 40,000 Preußen und Koburgern. Von Langensalza gegen
Norden ziehend stößt sie auf die preußische, 6000 Mann starke, Avantgarde
 unter General Flies. Dieser greift an. Schlacht bei Langensalzn
 und^ Merxleben von 10 Uhr Morgens bis Nachmittags
4^ Uhr. Trotz der großen Uebermacht der Hannoveraner erreicht
General Flies seinen Zweck, die feindliche Armee an dein Abmarsck
zu verhindern.

«8. Juni.

! Die durch das Gefecht bei Langensalza ermattete Hannoversche
!Armee bleibt bei Langensalza stehen und wird von General Vogel

v. Falckenstein auf allen Seiten noch enger eingeschlossen.

Preußische Truppen besetzen einen Theil des Herzogthums Nassau,
z B. Gingen, Rudesheim und Gessenheim.

Die erste Armee (Prinz Friedrich Karl) geht mit der Elbarmee
(General v. Herwarth) gegen- Akünchengvätz in Böhmen vor
und erkämpft einen herrlichen Sieg / i400 oesterreichische Gefangene,
j Unsere Verluste c. 150 Mann. Die Division Fransecky zeichnet sich
besondirs aus. Unseren Truppen gegenüber stand der oesterreichische
General Clain Gallas, die Brigade Kalik, die Cavallerie-Division
von Edelöheiin und die sächsische Armee.

General von Steinmetz schlägt mit dem 5. Armeccorps bei
Skullt; das Corps Erzherzog Leopold nebst 3 Brigaden des Corps
eMtetus und erbeutet 2 Fahnen, 8 Geschütze und '3000 Gefangene.
Unsererseits hatten das 37., a8., 7. und 38. Regiment, sowie das
5. Jäger-Bataillon die meiste Arbeit, das 6., 46. und 51. Regiment,
sowie die Dragoner und Ulanen nicht minder.

Bei Trautenau ein zweites Gefecht. Gablenz wird diesmal
vollständig geschlagen, vertiert 3—4000 Todte und Verwundete,
mehrere Tausend Gefangene, Geschütze und Material aller 'Art in
großer Zahl. Nur die vollständige Ermattung der Unsrigen hindert
die vollständige Vernichtung des Feindes. (Das Gefecht" wird auch
das bei Sohr oder bei Burgersdorf und Stauden; genannt.)

s». Juni.

Seine Majestät der König Wilhelm erläßt an die Armee

folgende Proklamation:
Soldaten Meiner Armee! Ich begebe Mich heute zu Euch,
Meinen m, Felde stehenden braven Truppen, und biete Euch
Meinen Königliche,, Gruß. In wenigen Tagen sind durch Eure
Tapferkeit und Hingebung Resultate erfochten worden, welche
sich würdig anreihen an die Großthaten unserer Väter. Mit
Stolz blicke Ich auf sämmtliche Abtheilungen Meines treuen
Heeres, und sehe den nächsten Kriegsereignissen mit freudiger
Zuversicht entgegen. Soldaten! Zahlreiche Feinde stehen gegen
uns im Kampfe. Laßt uns indeß auf Gott den Herrn, den
Lenker aller Schlachten, und auf unsere gerechte Sache bauen,
Er wird durch Eure Tapferkeit lind Ausdauer die sieggewohnten
preußischen Fahnen zu neuen Siegen führen. Wilhelm.

Der Kgl. preußische General Fürst zu Hohenzollern-Sigmaringen
richtet eine Proklamation an die Bewohner des Herzogthums Nassau.

Gefecht bei Gitschin, worin die Oesterreicher und Sachsen geschlagen
 werden von unsern Divisionen Tümpling und Werder/
General Tümpling verwundet/ Gitschin Abends 11 Uhr von unsern
Soldaten besetzt. Durch den glücklichen Ausgang dieses Gefechtes
ist die Vereinigung der ersten und zweiten Armee erfolgt. (Oesterreichische
 Nachrichten lauteten: »Die Preußen wurden von der Cavallerie-Division
 Edelsheim angegriffen, aus Gitschin herausgeworfen und
gegen Turnau zurückgetrieben«.)

Die Avantgarde der 1. Garde-Division schlägt auf dem Marsche

nach Königinhof ein frisches, ihn, gegenüber gestelltes oesterreicküsches
Corps, welches die Vereinigung des 5. und des Garde-Corps verhindern
 wollte. 400 Gefangene gemacht, 2 Fahnen erobert (Füsilier
Bochma vom 1. Garde-Regiment erbeutet die eine mit wahrhaft
heroischer Tapferkeit).

Gefecht bei Jaromirz (Schweinschädel) / General Steinmetz
besiegt den Feldmarschall-Lieutenant Festetics nach dreistündigem
Gefecht/ ein heftiger Artilleriekampf. 800 Gefangene gemacht.

König Georg, seine verzweifelte Kriegslage erkennend, nimmt
in der Nacht von, 28. zum 29. die ihn, an, 28. Abends angebotene
Capitulation an. In Folge derselben würd ihm die Wahl seines
Aufenthalts, jedoch außerhalb Hannovers, frei gestellt, die Armee
entwaffnet und in die Heimath entlassen.

In Wien trifft angeblich die erste von oesterrcichischei, Truppen
un gegenwärtigen Kriege erbeutete preußische Kanone ein. Großer
Jubel in der Bevölkerung. (Wie sich später herausstellt, war das ein
reiner Humbug/ das an diesen, Tage durch die Straßen Wiens transportirte
 preußische Geschütz war dasjenige, welches von, König Wilhelm
dem Kaiser Franz Joseph zur Zeit des zwischen Preußen und Oesterreich
bestehenden Bündnisses früher zum Geschenk gen,acht worden war.)

». Juli.

Seine Majestät der König trifft in Gitschin ein, von Prinz
Friedrich Karl empfangen / besucht die dort verpflegten Blessirten.

In Bayern erscheint eine Proklamation des Königs von Bayern,
worin es heißt: »Bayern! Wi^ Men nicht allein in diesen, schweren
Streite. Alle bundestreuen Staaten — das „nichtige Oesterreich
voraus — sind unsere Kampfgenossen. So laßt uns denn muthig
und enschlossen in den Kampf gehen, in Liebe und Vertrauen geeinigt,
 stark durch unsere Verfassung, die alle Stürme überdauern wird.«

Die Bayern versuchen an, Abend einen Ueberfall der preußischen
linken Flügel-Feldwache bei Salzungen, werden aber zurückgeworfen.

». Juli.

Schlacht bei Königgrätz.

Vollständiges Sieg über die Oesterreicher und Sachsen unter persönlicher
 Führung Wr. Majestät des Königs Wilhelm, und Theilnakme
aller 8 Corp S. Bis gegen Mittag kämpft die erste Armee allein, von
8 Uhr früh gegen große Uebermacht des in vortrefflichen Positionen
stehenden Feindes sich haltend, zum Theil unter ungünstiger Witterung
(starker Nebel). Um 11 Uhr 15 Minuten trifft die Tete des Garde-Corps
 (zur zweiten Armee gehörig) auf der Höhe von Choteborck
ein. Der Kronprinz umgeht den Feind. Um 3^ Uhr schreitet der
König alt der Spitze der Cavallerie zur Verfolgung vor. Der Feind
flieht in großer Unordnung. 174 Geschütze, 18,000 Gefangene lind
11 Fahnen fallen in die Hände der Preußen, Gesammtverlust der
Oesterreicher 40,000 Mann (ebensoviel in den vorangegangenen Gefechten).
 Drei Erzherzöge verwundet/ die Fürsten Liechtenstein und
Windilchgrätz gefangen. Unter den gefallenen Preußen ist General

Hitler v. Gärtringen. — Zusammentreffen des Königs mit dein
Kronprinzen nach der Schlacht/ der Kronprinz wird mit dem Orden
poiii- io wäiite dekorirt. — (Benedek berichtet über diese Schlacht:

»Nach mehr als 5stündigcm, brillanten, Kampfe der ganzen Armee
und der Sachsen in theilweffer verschanzter Stellung von Königgrätz,
mit den, Centrun, in Leipa, gelang es den Feinden, sich unbemertt
in Chlum festzusetzen. Das Regemvetter hielt den Puiverdampf an,
Boden, so daß er eine bestimmte Aussicht unmöglich machte. Hierdurch
 gelang cö dein Gegner, bei Chlum in unsere Stellung vorzudringen.
 Plötzlich und unvernluthet in Flanke und Rücken heftig
beschösse!,, wankten die nächsten Truppen und ungeachtet aller An
strengungen konnte es nicht gelingen, dem Rückzüge Einhalt zu tkun.
Derselbe ging Anfangs langsam vor sich, nahm jedoch an Eile zu,
le mehr der Feind drängte, bis sich Alles über die Kriegsbrücken der

Elbe, sowie nach Pardubitz zurückzog.«)

In mehreren Hauptstädten Europas kommen Depeschen aus
Wien au, welche große Riederlagei, Preußens in Schlesien und das
Vordringen des oesterreichischen Generals 0 Benedet über Breslau
gegen Berlin melden!

Zwischen Preußen und Bayern finden mehrere Vorpostengefechte,
z. B. bei Inunelborn statt.

2. Juli.

Seine Majestät der König erläßt folgende Ansprache an die Armee:
Soldaten Meiner in Böhmen versammelten Armeen!
Eine Reihe blutiger und ruhmreicher Gefechte hat die recht-,
 zeitige Bereinigung um ^rer sanmitlichrn D»rcl.lrü>n in Böu
men möglich gemacht. 'Aus den Mir vorliegenden Berichten
ersehe Ich, daß dies Resultat durch die sichere Führung Mei
ner Generale und durch die Hingebung und Tapferkeit stimmt
licher Truppen erreicht worden fft. Knn,ittclvar darauf hat
die 'Armee trotz aller Anstrengungen und Entbehrungen der
vorhergehenden Tage, unter Meiner Führung, den Feind in
einer festen Stellung bei Königgrätz energisch angegriffen, die
gut vertheidigte Position nach heißen, Kampfe genommen und
einen glorreichen Sieg erkämpft. Viele Trophaen, über hun
dert eroberte Kanonen, Tausende von Gefangenen geben aufs
Reue Zeugniß von der Tapferkeit und Hingebung, 0, welcher
alle Waffen mit einander gewetteifert haben. Der Tag von
Königgrätz hat schwere Opfer gefordert, aber er ist ein Ehren
tag für die ganze Armee, auf welche das Vaterland mit
Stolz und Bewunderung blickt. Ich weiß, Ihr werdet auch
ferner Meinen Erwartungen entsprechen, denn preußische
Truppen wußten stets mit dem Heldenmut!) diejenige Mannszucht
 zu vereinigen, ohne welche große Erfolge nicht erkämpft
werden können. Wilhelm.

Seine Majestät der König schreibt über die Schlacht bei Königgrätz
an Ihre Maj. die Königin Augusta. Wir theilen daraus nur folgende
Stelle mit: »Der Jubel, der ausbrach, als diese Truppen mich sahen,
ist nicht zu beschreiben, die Offiziere stürzten ffch auf meine Hände,

um sie zu küssen, was ich diesmal gestatten mußte, und so ging es
allerdings im Kanonenseuer immer vorwärts und von einer Truppe
zur andern und überall das nicht enden wollende Hurrahrufen! Das
find Augenblicke, die man erlebt haben muß, un, sie zu begreifen,

zu verstehen.«

Glücklicher Streifzug des Stolberg'fchen Corps nach Bielitz
Biala in Böhmen, um eine Contribution von 60,000 Gulden als
Entschädigung für das in Brand gesteckte Vorwerk Zabrzez einzutreiben.

Erste Schlacht zwischen Preußen und Bauern bei Dermbach.
General V. Goeben läßt Morgens von Dermbach aus die Brigade
Kummer im Fuldathale aufwärts gegen Neidhartshausen, die Brigade
 Wrangel gegen Wiesenthal vorgehen. Beide Dörfer und die
angrenzenden Höhen sind vom Feinde stark besetzt, werden aber,
trotz hartnäckigen Widerstandes, mit stürmender Hand genommen,
ebenso das Dorf Zelle. Der Feind zieht sich darauf in großer Eile
nach allen Richtungen zurück, wird auch bei ferneren Versuchen,
seine früheren Stellungen wieder rinzunehmcn, zurückgeschlagen.
Glänzende Beweise altpreußischer Tapferkeit. Gefallen sind: Majors

v. Rüstow und v. Gontard, Hauptleute v. Ledebur und v. Kaweczinski,
 Lieutenants Hesse und Piehl. Die Zahl der Todten und Verwundeten
 nicht unbedeutend. BayerischerseitS fiel u. a. General Zoller.

Feldmarschall-Lieutenant v. Gablenz trifft in, Hauptquartier
Sr. Maj. des Königs Wilhelm ein, um im Auftrage des oester
reichischen Oberbefehlshabers Benedek einen Waffenstillstand nackzusuchen,
 wird aber abgewiesem__________

Benedek wird des Oberbefehls über die Nordarmee enthoben,
an seine Stelle tritt Erzherzog Albrecht.

5. Juli.

Division V. Beyer verjagt bei Hunfeld bayerische Artillerie und
Cavallerie durch einen gut treffenden Vierpfünderschuß.

Der Pariser »Moniteur« ,neidet: Eine Thatsache von großer
Wichtigkeit hat sich vollzogen. Nachdem die Ehre der oesterreichischen
Waffen in Italien gewahrt ist, cedirt der Kaiser von Oesterreich eingehend

 auf die Ideen, welche der Kaiser Napoleon in seinen, an den
Minister der auswärtigen Angelegenheiten gerichteten Brief vom
11. Juni ausgesprochen hat, Venetien dem Kaiser Napoleon und
nimmt dessen Vermittelung in Anspruch, um dcn Frieden zwischen
den kriegführenden Mächten herbeizuführen. Der Kaiser Napoleon
hat sich beeilt, dieser Aufforderung zu entsprechen und sich sofort an
die Könige von Preußen und Italien gewendet, um einen Waffenstillstand
 herbeizuführen.«

Die Main-Armee setzt ihren Marsch auf Fulda fort, während
der Feind nach dem Werrathale abzicht.

«. Juli.

Das Königl. Hauptquartier geht von Horritz nach Pardubitz ab.
Sämmtliche Elbübergänge zwischen Pardubitz und Elbe-Teinitz befinden
 sich in den Händen der preußischen Truppen. Die Truppen
verfolgen Benedek, der sich auf Brünn zurückzieht.

Troppau in Oesterreichisch-Schlesien wird von den Preußen besetzt.

Die Division Beyer zieht in Fulda ein.

In Wien werden der Corpscommandant General Clan, -Gallas,
Generalstabs-Chef Henikstein und Chef der Operations-Kanzlei
Krismanic verhaftet.
            
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