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Full Text : Die Schönheit deines Körpers

endeten Harmonie stellte Delsarte Schönheitsgesetze der Bewegung auf, die
das Prinzip der Körperbeuge zum Spielbein, d. h. zu dem nicht vom Körpergewicht
belasteten Bein, in sich schlossen. Delsartes Gedanken waren durch seinen Schüler Mac
Kay nach Amerika gekommen, und Genevieve Stebbins gründete in Neuyork eine
Schule für beseelte Körperkultur, indem sie die Grundgedanken Delsartes zu einem
Bymnastik-⸗System verarbeitete. Aus dieser Schule sind nun Frau Dr. Mensendieck
und Hade Kallmeyer hervorgegangen. Und aus dieser Quelle hat auch Isadora
Duncan, die erste Frau, die den Mut hatte, dem erstarrten Balletsystem entgegen
zu handeln bzw. entgegen zu tanzen, ihre Anregung genommen. Selbst gesagt hat sie
es allerdings nicht, aber es ist erwiesen und war später auch an der Schulung der Zög—
linge der Duncan-Schule in Darmstadt erkennbar. —
Frau Dr. Wensendieck, die Arztin war, hat nun die Delsarte-Stebbinsschen Ge—
danken nach der gymnastischen und rein gesundheitlichen Seite hin ausgebaut und ver—
tieft, während Hade Kallmeyer (die eine persönliche Schülerin Miß Stebbins war,
—D—
Formen und Bewegungsgesetze widmete. Es liegt in der Natur jeder schöpferischen
Arbeit, daß sie nicht gleich vollkommen und fertig ist! Das an Material viel weniger
umfangreiche System von Frau Dr. Wensendieck kam in sich geschlossener her—
aus, Hade Kallmeyer war zu wenig rein gymnastisch gebildet, als daß sie sich in ihrer
Arbeit voll durchsetzen konnte. Hätten beide Frauen damals Hand in Hand gearbeitet,
so wäre voraussichtlich etwas Ganzes das Resultat gewesen, aber leider haben sie sich
bekämpft. Die Arbeit und die Überlieferungen dieser beiden Frauen bilden
aber das Fundament, auf dem die meisten setzt bestehenden Schulen auf—
gebaut haben. Die beiden Leiterinnen der bekannten Schule Loheland-Dirlos ent—
stammen der Schule Kallmeyer-Mensendieck, Elsa Gindler, Berlin, ift Kallmeyer-⸗Schü⸗—
lerin, ebenso ist Frau Biolonski, Berlin, die in der Frauen-Fröbelschule, Leipzig, ihre
Erfahrungen und Erkenntnisse bezüglich der Reformierung des Mädchenturnens zur An—
schauung brachte, Kallmeyer-Schülerin, auch ich selbst bin es. Und wenn auch jede von
uns, je nach ihrer Eigenart, ihrem Können, ihrer Begabung, neu aufgebaut oder völlig
umgestaltet hat, was ich von mir ohne jede UÜberhebung sagen kann, so wäre es unehr—
lich, wollte man sich nicht des Ursprungs und der in der Schule genossenen Anregungen
erinnern. Vor allem möchte ich hier einmal deutlich zum Ausdruck bringen, daß vor—
züglich die jetzt in jeder Schule für Körperbildung gelehrten Entspannungsübungen
 der Schule Kallmeyer entstammen. Auch Frau Mensendieck brachte den
Begriff des Relaxierens, aber nicht in der gleichen Reichhaltigktit. J w *
Frau Kallmeyer war es zuerst, die von ,gekrampfter Muskulatur von verkrampften
Menschen sprach, davon, daß es notwendig zur Gesundung sei, diese Krampfzustände zu
beseitigen. Man hat sie weidlich ausgelacht und sich lustig darüber gemacht. Es war mir
eine große Genugtuung für meine Lehrerin, als im Oktober 1922, anläßlich der Ta—
zung für Körperkultur, die vom Zentralinstitut für Erziehung und Unterricht in Berlin
veranstaltet wurde, Dr. Hilker sagte, es sei notwendig, die Verkrampfungen zu be⸗
seitigen. — Als ich in diesem Jahre im Aug. Schmidt⸗ Haus in Leipzig Ubungen zur
Entspannung der Muskulatur zeigte, wurde mir später gesagt 5 ja das waren doch
Bodeellbungen! Ich habe jedoch schon im Winter 1912 im Künstlerhaus in Leipzig
Entspannungsübungen gezeigt — also zu einer Zeit, in der meines Wissens Bode noch
nichts über sein System veröffentlicht hatte.
            
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