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Full Text : Die Schönheit deines Körpers

Aus meiner Arbeit
Von Dora Menzler

Wʒ ich eine Erkenntnis aus meiner langjährigen Arbeit voranstellen soll, so
ist es die: Körperkultur ist nicht allein Kultur des Körpers, sondern hat, wie
alle ernste Erziehung, den ganzen Menschen zum Gegenstand.
Man muß es immer und immer wieder sagen, daß wir an einer Hypertrophie des
Intellekts leiden, so stark, daß trotz aller Reformen die gesamte Erziehung — soweit man
den durch zwei wöchentliche Turnstunden unterbrochenen Schulunterricht Erziehung
nennen darf — intellektualistisch eingestellt ist. Die Jugend selbst hat das am stärksten
empfunden, daß dabei der Mensch zu kurz kommt, daß das Gefühl, das allumfassende,
das uns mit tausend Fäden an die Natur bindet, verloren gegangen ist. So sehr ver⸗
loren, daß viele, selbst junge Menschen, mit Gewalt das Verlorengegangene herbei⸗
ziehen, d. h. Gefühle, Stimmungen usw. erleben wollen, obgleich sie eben durch
dieses von ihrem Intellekt diktierte eingeredete, Wollen“ bereits die Fähigkeit zu naivem
Erleben verloren haben.
Wenn wir nur nicht so viel wollten, wenn wir es doch lernen möchten, in uns
hineinzuhorchen, um unsere von der sogenannten Kultur verschütteten Quellen
wieder zu entdecken. Wir, die wir die Bedeutung der Körperkultur erkannt haben,
die wir die Zusammenhänge des Menschen zum großen Rhythmus des Alls
tiefer empfinden, dürfen nicht ruhen, bis die Jugend wieder jung ist, bis sie wieder
wirkliche Freuden erleben kann. Wir müssen versuchen, sie etwas zurückgewinnen
zu lassen: die lebendige Verbindung mit der lebendigen Natur, mit allem organisch
Gewordenen. Nicht ruhen dürfen wir, bis das Ursprüngliche, das Elementare
und damit das Schöpferische wieder lebendig werden wird im Kind — im sungen
Menschen.
Ich habe immer, wenn ich über den eigentlichen, wesentlichen Sinn unserer Arbeit
und die in ihr schlummernden Kräfte nachgedacht habe, gefunden, daß sie nicht da be—
ginnt, wo Elternhaus, Schule oder Turnverein aufhören, daß sie keine Ergänzung
ist, sondern daß sie auf das allerursprünglichste, unmittelbarste, in je dem Menschen
schlummernde Gefühl zurückgehen muß, das dem Menschen noch als etwas Totales
und trotzdem als Teil des All-Lebens mit seinem ewigen Rhythmus empfindet.
Daher meine ich, muß jede wahre Körperkultur den Zusammenhängen, die zwischen
Steigen und Fallen, Leben und Tod bestehen, nachgehen, sie muß den urewigen Rhyth⸗
mus, der sich im Spannen und Lösen der Kräfte und in der darauffolgenden Ruhe offen—
bart, erkennen. Ewig war das Auf und Ab, das Entwickeln zum Höhepunkt, das Ab—
            
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