und in Zusammenarbeit mit den gemeinsamen Rückenstreckern (M. longissimi und iliocostalis)
für die Bildung und Form der Wirbelsäule sind! Von 20 elffährigen Kna—
ben stellte ich zZ, von 16 neunzehnjährigen Schülern 2, normale“ Wirbelsäulen fest.
Die meisten zeigten seitliche Abweichungen (Skoliose), viele wiesen Berkrümmungen
nach vors oder rückwärts (Kyphose) auf, mehrere hatten andere Fehler. Es ist fast
unglaublich, wie wenige nackte Körper „schön' sind. Das Bild ist beim
weiblichen Geschlecht nicht anders! Die Wirbelsäulen fast aller Menschen aber haben
sogenannte „tote Stellen“. Das sind bis zu 10 und 15 em lange, bei den verschiedenen
Individuen verschieden liegende Teile des Rückgrats, wo die Dornfortsätze der Wirbel
auch bei stärkster Krümmung des Rückens nicht die natürlichen Hügel in der über—
spannenden Haut bilden, wo also die Wirbelsäule st ar r geworden, nicht mehr beweg—
lich ist. Die Zwischenwirbelknorpel haben an diesen Stellen ihre Elastizität völlig ver—
loren. Dort staucht der Körper beim Gehen, Laufen, Stehen und Springen. Gehirn
und Rückenmark besonders sind also dauernd den nicht durch natürliche Federung aus—
geglichenen Erschütterungen ausgesetzt, die natürlich selten bewußt werden, sich aber oft
unliebsam äußern in chronischer Nervosität, Kopf— und Rückenschmerzen, deren Ursachen
man hier nicht vermutet. Unterstützt werden diese durch Gymnastik sicher abzustellenden
Ubel gerade beim Mann durch merkwürdig verkrampfte und wenig spannkräftige Knies,
Fuß und Hüftgelenke. Gymnastische Arbeit im Knien oder auf Zehen fiel uns Männern
ungemein schwer, den Frauen sichtlich leichter. Man beobachte, wenn sich Männer un⸗—
bewußt bücken, um etwas aufzuheben! Statt durch die einfache, tiefe Kniebeuge, wo—
durch der Fuß von der Erde abrollt und auf Zehen kommt, nach unten zu gehen, straffen
sie die Beine bis zu den Hüften durch, balancieren das Körpergewicht im Gesäß aus,
lappen mit dem Oberkörper wie ein Taschenmesser dem Boden zu und greifen dann
aach dem Gegenstand. Wahrlich, eine richtige Umgehungsbewegung zum „Schutze“ der
Knie- und Fußgelenke. Gerade die letzteren sind für den Gang des Menschen wichtig,
oersteifen sie, ist es kein Wunder, daß Mensch und müder Droschkengaul viel Ahnliches
in ihren Gehbewegungen aufweisen. Man sehe sich den Gang unserer Zeit—
zenossen an!
Der Sägemuskel, der sich zwischen die Rippen wie Finger einer Hand legt und die
Erweiterung und Verengung des Brustkorbes beim Atmen besorgt im Verein mit
großem und kleinem Brustmuskel, ist bei beiden Geschlechtern meist vernachlässigt (ver—
fettet)). Das ist die Folge oberflächlicher Atmung, über die noch mehr zu sagen sein
wird. Die erwähnten Brustmuskeln sowie der Bizeps — der „beliebte“ Muskel und
ein falsches Prunkstück typischen Turnens — sind beim Manne meist ziemlich leistungs⸗
ähig, was wohl am häufigsten auf übermäßiges Training durch Hanteln, Stemmen,
Barren, Reck usw. zurückzuführen ist. Durch einseitige Ubungen leicht entstehende
hypertrophische Formen sind bei weitem nicht etwa ein Waßstab für gute körperliche
Durchbildung! Meist steht dann der ihm entsprechende Quadrizeps (vierköpfiger Ober⸗
schenkelmuskel) nicht im Verhältnis, bei Frauen ist es viel häufiger harmonisch. Uber—
mäßige Vergrößerung gerade der letztgenannten Muskeln beweisen nichts als einseitige
athletische Ausbildung. Der Quadrizeps der Frauen scheint durchschnittlich leistungs⸗
fähiger als der der Männer. Spitze Sprünge, bei denen er in Verbindung mit dem
Lendenhüftbeinmuskel blitzartig und dabei so ausgiebig, wie er nur hergibt, kontra—
hieren muß, sowie Stakkato-Achtellauf auf Zehen, bei denen diese Muskeln stärkste und
dabei fein abgemessene Arbeit leisten müssen, sehen sich bei Frauen viel mehr als Spiel