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Full Text : Das Denken der Naturvölker

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HL. Kapitel. Die prälogischen Operationen.

Doch wenn der Geisteszustand der niedrigen Gesellschaften, . so
könnte. man einwerfen, in seinen Betätigungen von dem logischen
Denken. derart abweicht, wenn sein Gesetz das Gesetz der Partizipation
ist, das, a priori, Vorverknüpfungen (preliaisons) und Partizipationen
von Partizipationen in unendlichen Variationen gestattet, wenn er sich
schließlich der Kontrolle der Erfahrung entzieht, müßte er uns nicht
als zügellos und regellos, als vollkommen willkürlich und als für uns
ganz unerforschlich erscheinen? Nun wir finden im Gegenteil in fast
allen niedrigen Gesellschaften diesen Geisteszustand festgelegt, stehengeblieben
 und beinahe unveränderlich vor, und zwar nicht nur in seinen
wesentlichen Zügen, sondern in seinem Inhalt selbst, sogar in den
Einzelheiten seiner Vorstellungen. — Die Ursache dessen ist, daß
diese Geistesbetätigung keinerlei Freiheit hat, obwohl sie einem
logischen Mechanismus nicht unterworfen ist oder gerade weil sie ihm
nicht unterworfen ist. Ihre Kinförmigkeit ist nur das Spiegelbild der
Einförmigkeit der sozialen Struktur, der sie entspricht und die sie
ausdrückt. Die Einrichtungen setzen sozusagen von vornherein, ne
varietur, die tatsächlich möglichen Kombinationen‘ der Kollektivvorstellungen
 ‚fest. Die Zahl und ‚Art..der. Vorstellungsverknüpfungen
sind_in der Tat gleichzeitig mit ihnen von vornherein bestimmt. Vor
allem gibt sich in den so festgelegten Vorverknüpfungen das Übergewicht
 des Gesetzes der Partizipation und die Schwäche der Forderungen
 des eigentlichen Verstandes kund.
Ubrigens bilden die Kollektivvorstellungen im allgemeinen einen
mystischen Komplex, in dem die emotionellen und affektiven Elemente
dem Denken kaum gestatten, sein eigener Herr zu sein. Für diese
Geistesbeschaffenheit gibt es kaum die nackte objektive Tatsache. . Nichts
erscheint ihr, ohne in mystische Elemente eingehüllt zu sein: Jeder
Gegenstand ihrer Wahrnehmung, ob gewohnt oder ob‘ ungewohnt,
erregt sie mehr oder weniger, und erregt sie auf eine durch die
Tradition ebenfalls vorherbestimmte Weise. Denn die streng individuellen
 Emotionen ausgenommen, die von, einer unmittelbaren Reaktion
des Organismus abhängen, gibt es bei den Primitiven nichts, was
mehr sozialisiert wäre als die Emotionen. Die Probe dafür liefert die
Unempfindlichkeit, die jeder soziale Typus mit Erstaunen jeweilig bei
einem anderen konstatiert. Auch ist die Natur, die durch die Glieder
einer niedrigen Gesellschaft wahrgenommen, empfunden, erlebt wird,
notwendig auf gewisse Weise von vornherein festgesetzt (prefix6e) und
bleibt so lange unverändert, als die Einrichtungen des Verbandes
dieselben bleiben. Diese mystische und prälogische Geistesart wird
sich nur dann entwickeln, wenn die primitiven Synthesen, die Vorverknüpfungen
 der Kollektivvorstellungen sich allmählich auflösen
und zerfallen, mit anderen. Worten, wenn die Erfahrung und die
logischen Bedürfnisse über das Gesetz der Partizipation den Sieg
davon tragen. Dann, wenn sich das Denken diesem Bedürfnisse unterwirft,
 wird es erst eigentlich beginnen, sich abzusondern, sich zu be-
            
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