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Full Text : Das Denken der Naturvölker

Das Gedächtnis.

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wohnten, ausgeführt wurden«.!) Die Anleihen dieser Art sind sehr
zahlreich.
Von den Steinen hat Analoges in seinen Erforschungen des Beckens
von Xingu festgestellt. »Jeder Stamm kannte die Gesänge der benachbarten
 Stämme, ohne deren Sinn genau zu verstehen, wovon ich
mich zu wiederholten Malen überzeugen konnte.«?) Desgleichen hat
man bei einer großen Anzahl von Stämmen Nordamerikas Beschwörungsgesänge
 von heiligem Charakter konstatiert, die von Generation
zu Generation wortgetreu überliefert und weder von den OÖffizianten
noch von den Zuhörern verstanden werden. Endlich hat auch Livingstone
 in Afrika das überraschende Gedächtnis gewisser Eingeborenen
betont. »Diese Boten der Häuptlinge haben ein ungewöhnlich treues
Gedächtnis. Sie überbringen oft auf sehr große Entfernungen äußerst
lange Botschaften und sie geben sie beinahe Wort für Wort wieder.
Sie gehen gewöhnlich zu zweit oder zu dritt und sagen während des
Gehens jeden Abend die Botschaft auf, um nicht deren genauen Text
zu verlieren. Einer der Gründe der Eingeborenen dafür, daß sie nicht
schreiben lernten, war gewiß der, daß diese Menschen die Neuigkeiten
ebenso gut in die Ferne tragen können wie ein Brief.« 3)
Eine besonders bemerkenswerte Form dieses bei den Primitiven
so entwickelten Gedächtnisses ist die, daß sie die Bilder der Gegenden,
durch die sie gekommen sind, bis in die geringfügigsten Einzelheiten
aufbewahren und infolgedessen befähigt sind, ihren Weg mit einer
die Europäer:  verwirrenden Sicherheit zurückzufinden. Dieses topographische
 Gedächtnis streift bei den nordamerikanischen Indianern
»ans Wunderbare: es genügt ihnen, ein einziges Mal in einer Gegend
gewesen zu sein, um von ihr. eine unauslöschliche, richtige Vorstellung
 zu haben. Mag ein Wald auch noch so groß und unabgeholzt
sein, sie durchqueren ihn, ohne sich zu verirren, sobald sie sich einmal
wohl orientiert haben. Die Bewohner Akadiens und des Golfes von
Saint-Laurent haben sich oft in ihren Rindenkähnen eingeschifft, um
zum Labrador zu fahren... Sie machten ohne Bussole dreißig oder
vierzig Seemeilen und landeten schließlich genau an der Stelle, an
der anzulegen sie sich vorgenommen hatten... In den Zeiten, in
denen der diechteste Nebel herrscht, können sie mehrere Tage der
Sonne folgen, ohne sich zu irren«. Charlevoix ist nahe daran, in
diesem ihrem Verhalten eine angeborene Fähigkeit zu sehen. »Sie kommen
mit diesem Talent. zur Welt; es ist nicht die Frucht ihrer Beobachtungen
 noch die eines langen Gebrauches; die Kinder, die noch nicht
ihr Dorf verlassen haben, gehen ebenso sicher umher, wie die, die
durch das Land gekommen sind.« Wie: die Australier, »haben sie eine
wunderbare Begabung, zu erkennen, ob. jemand durch irgend eine

| 9 W. E. Roth, Ethnographical studies among the N. W. central Quensland
aborigines. Nr. 191, 199,
?) Von den Steinen, Unter den Naturvölkern Zentralbrasiliens, P. 268,
3) Livingstone, Zambesi and its tributaries (1865). P. 267,
            
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