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Full Text : Das Denken der Naturvölker

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III. Kapitel. Die prälogischen Operationen.

sten Details und in der Ordnung, in:der sie empfangen wurden, wiedergibt,
 ist anderseits durch den außerordentlichen Reichtum an Vokabeln
 und durch die grammatikale Kompliziertheit der Sprachen bezeugt.
Nun, . dieselben: Menschen, die diese Sprachen sprechen und. dieses
Gedächtnis besitzen, sind, wiein Australien und z. B. in Nordbrasilien,
unfähig, weiter zu zählen als bis zu zwei oder drei. Das geringste, nur
ein wenig abstrakte Begründen widersteht ihnen derartig; daß sie sofort
 erklären, müde zu sein und darauf verzichten. Man muß daher
zugeben, daß, wie schon weiter oben gesagt worden ist, das Gedächtnis
die Operationen vollzieht, die sonst der eigentlich logische Mechanismus
 besorgt, und daß es infolgedessen diesen ersetzt, wenn auch
zweifellos mit sehr großem Kraftaufwand. Bei uns ist das Gedächtnis, was
die Verstandesfunktionen betrifft, auf die untergeordnete Rolle beschränkt,
die Resultate aufzubewahren, welche durch eine logische Ausarbeitung
der Begriffe erworben worden sind. Doch für den prälogischen Geisteszustand
 sind die Erinnerungen fast ausschließlich sehr komplizierte
Vorstellungen, welche in einer unveränderlichen Ordnung ablaufen und
auf welche die elementarsten logischen Operationen (da ja schon die
Sprache sich schlecht dazu eignet) schwer anzuwenden wären, unter
der Voraussetzung, daß die Tradition ein solches Wagnis gestatten
würde und daß jemand die Idee eines solchen Beginnens und die
Kühnheit dazu hätte. Unser Denken, sofern es abstrakt ist, löst mit
einem Streich eine große Anzahl von Fragen auf, die in einer einzigen
 Aussage’ enthalten sind, falls die gebrauchten Begriffe genügend
allgemein und präzis sind. Das ist eine Kunst, die die prälogische
Geistesart nicht einmal ahnen konnte; darum ist sie uns so fremd,
und darum fällt es uns so schwer, uns eine Vorstellung von ihr zu
machen. Der Kopist des XI. Jahrhunderts, der geduldig Seite für
Seite seines geheiligten Manuskripts kopierte, ist von der Rotationsmaschine
 der großen Zeitungen, die Hunderttausende von Exemplaren
in einigen Stunden druckt, nicht weiter entfernt, als es der prälogische
 Geisteszustand, für den die Vorstellungsverknüpfungen vorgeformt
 (preforme) sind und der fast nur das Gedächtnis gebraucht,
von dem logischen Denken und dessen wunderbarer Ausstattung an
abstrakten Begriffen ist.

UN.

Werden wir indessen behaupten, daß diese Geistesart, selbst in
den Gesellschaften des niedrigsten Typus, gar nicht über Begriffe verfügt?
 Zweifellos nein: die oft sehr komplizierte Sprache, die dort gesprochen
 wird, die von Generation zu Generation überlieferten Einrichtungen
 sind hinreichende Beweise des Gegenteils. Aber die in
diesen Gesellschaften gebräuchlichen Begriffe sind von den unsrigen
meistenteils verschieden. Die Geistesart, die sie gestaltet und anwendet,
ist nicht nur prälogisch. Sie ist auch wesentlich mystisch; und wenn
dieser mystische Charakter, wie. wir gesehen haben, die Art der
            
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