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II. Kapitel. Die prälogischen Operationen OEERUN
ein Mensch einer niedrigen Gesellschaft, ein Australier z. B. oder ein
Huischole, »Hirsch« oder »Feder« oder » Wolke« denkt, so enthält die
Gattungsvorstellung, die in ihm aufsteigt, etwas ganz anderes als die
ziemlich analoge Vorstellung, die unter denselben Umständen im Geist
eines Europäers auftaucht.
Unsere Begriffe sind von einer Atmosphäre logischer Möglichkeiten
(potentialite) umgeben. ‚Das. meinte Aristoteles, wenn‘ er sagt, daß
man niemals das Besondere als solches denke. Wenn ich mir das Individuum
Sokrates vorstelle, so stelle ich mir gleichzeitig den Menschen
Sokrates vor. Wenn ich meinen Hund oder mein Pferd sehe,
sehe ich sie zweifellos mit ihren individuellen Besonderheiten, aber
auch als Angehörige der Gattung Hund und der Gattung Tier. Allenfalls
kann sich ihr Bild auf der Netzhaut meines Auges spiegeln und
meinem Bewußtsein in vollkommener Besonderheit erscheinen, während
ich nicht darauf acht gebe. Aber so wie ich es auffasse, begreife,
verwächst ‚es untrennbar mit allem, was die Worte »Hund«
und »Pferd« andeuten, das heißt, nicht nur mit einer Unzahl anderer
den ersten ähnlicher virtueller Bilder, sondern auch mit dem kontinuierlichen
Bewußtsein, das ich gleichzeitig von mir selbst und einer Welt der
möglichen, logisch geordneten und denkbaren Erfahrung habe. Und
da jeder meiner Begriffe in andere Begriffe zerfallen kann, die ihrerseits
wieder analysierbar sind, so weiß ich, daß ich von den einen zu
den anderen auf festen Stufen aufsteigen kann, die dieselben für jeden
Verstand sind, welcher dem meinen gleicht. Ich weiß, daß die logischen
Operationen, wenn sie ‚korrekt sind ‘und wenn ihre Elemente,
so wie es sich gehört, aus der Erfahrung genommen. sind, mich zu
exakten Resultaten führen, die, soweit ich’ sie.verfolgen möge; von der
Erfahrung bestätigt werden. Kurz, im logischen Denken ist eine systematische
Einheit mehr oder weniger bewußt implieite enthalten, die
sich. so gut als möglich in der Wissenschaft und der Philosophie
geltend macht und verwirklicht. Und wenn es nach einer solchen
Einheit streben kann, so verdankt es dies zum Teil der natürlichen
Eigenart seiner Begriffe, also deren Homogenität, Ordnung und Regelmäßigkeit.
Diese Begriffe sind das Material, das sich das logische
Denken. allmählich geschmiedet hat und ohne das es sich auch seinerseits
niemals weiter entwickelt hätte.
Die Geistesart der ‚niedrigen Gesellschaften nun verfügt nicht
über solch ein Material.: Sie besitzt zwar eine Sprache; aber deren
Struktur ist im allgemeinen von derjenigen unserer Sprachen verschieden.
Sie verträgt wohl abstrakte Vorstellungen und allgemeine
Vorstellungen; aber‘ weder die Abstraktion noch die Allgemeinheit,
die hier vorwalten, haben viel mit denen gemein, die für unsere Begriffsbildung
maßgebend sind. Anstatt von einer Atmosphäre logischer
Möglichkeiten umhüllt zu sein, sind diese Vorstellungen sozusagen in
eine Atmosphäre mystischer Möglichkeiten. getaucht. Das Feld der
Vorstellung ist nicht homogen und aus diesem Grund bleibt die. eigent-