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Full Text : Das Denken der Naturvölker

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des Wortschatzes ihrer Sprachen, positive Angaben über die Art ihrer
Betätigung zu machen?
Die Klamathsprache, die als Repräsentantin einer in Nordamerika
äußerst zahlreich verbreiteten Familie genommen werden darf, gehorcht
 einer sehr ausgesprochenen Tendenz, die Gatschet, »malerisch«
(pietorial) nennt, das heißt, einem Bedürfnis, bildlich, anschaulich
zu sprechen, das, was man ausdrücken will, zu zeichnen und zu malen,
»Von einer Bewegung in gerader Linie wird anders Erwähnung getan
als von einer Bewegung seitwärts, in schräger Richtung oder weg
von dem, der spricht; Umstände, die wir in den europäischen Sprachen
uns kaum einfallen ließen, zum Ausdruck zu bringen.«1) Die Klamathsprache
 zeigte diesen Charakter vor allem in ihrer primitiven Form.
In diesem Zeitpunkt scheint sie den Ausdruck der Zahl in den Verben
wie in den Substantiven vernachlässigt und deren Definition nicht
für nötiger gehalten zu haben als die des Geschlechtes. Auch auf die
Kategorien des Modus und der Zeit hatte sie kaum mehr Aufmerksamkeit
 verwendet. als auf den Numerus; was in diesen Punkten gebildet
 wurde, gehört späteren Perioden der Sprachentwicklung an. Bloß
die konkreten Aussageformen wurden damals für wichtig gehalten:
Alles, was die Stellung im Raum, die Entfernung, was die Individualität
 oder die Wiederholung betrifft, wird mit einer großen Genauigkeit
 charakterisiert; selbst die Zeit wird durch Partikel angegeben?),
die ursprünglich Bezeichnungen des Ortes waren.
Mit einem Wort: die Klamathsprache‘ bemüht sich, vor allem
räumliche Beziehungen, also das, was durch das visuelle und das Muskelgedächtnis
 behalten und reproduziert werden kann, auszudrücken, und
dies um so ausschließlicher, wenn man sie in einer weiter zurückgelegenen
Periode ihrer Geschichte betrachtet.
Wie fast alle Sprachen von niedrigerem Typus hat sie kein Zeitwort
 für sein. Das Verbum g<, das an seinerstatt steht, ist in Wirklichkeit
 das Demonstrativpronomen ge, ke (dieser) in verbalisierter Form.
In der Verbalform hat es die Bedeutung angenommen von: hier
sein, da und dort sein, in diesem oder jenem Moment sein.?) Was
mit der Zeit zusammenhängt, wird eben im allgemeinen durch Worte
ausgedrückt, die vorerst für räumliche Beziehungen Geltung hatten.
Im Klamath, wie in vielen anderen Sprachen, gibt es nur zwei Zeitformen:
 die einen für den vollständigen Akt oder Zustand, die anderen
für den unvollständigen Akt oder Zustand... Diese beiden Formen,
mögen sie sich nun im Verbum oder in einigen Substantiva äußern,
hatten ursprünglich örtlichen Charakter, wenn sie jetzt auch nur mehr
die Distanz in der Zeit bezeichnen. *)

Das Bedürfnis konkreter Ausdrucksweise.

1) Gatschet, The Klamath language. P. 460.
?) Ibid,, p. 433—434.
3) Ibid., p. 430—431.
1) Ibid., p. 402.
            
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