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Full Text : Das Denken der Naturvölker

Die Gebärdensprache.

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geht, indem man sich vorwärts oder rückwärts neigt, indem man
sich lässig oder lebhaft, mit Wichtigkeit wiegt, indem man mit den
Armen oder bloß mit einem Arm schlenkert, den Kopf gesenkt oder
gehoben oder anders gebeugt hält: jede dieser Gangarten war durch
ein besonderes Zeitwort ausgedrückt.«1)

IV.

Aus diesen Tatsachen und aus vielen ähnlichen noch, die man
zitieren könnte, ergibt sich, daß die Sprachen der niedrigen Gesellschaften
 »die Vorstellungen, die man sich von. den Gegenständen
und Handlungen macht, immer genau auf die Art ausdrücken, wie
sie sich für Aug und Ohr darstellen«.?) Ihre gemeinsame Tendenz
ist, nicht den Eindruck, den das Subjekt empfangen hat, sondern die
Form, den Umriß, die. Stellung, die Bewegung, die Wirkungsweisen
der Gegenstände im Raum zu beschreiben, mit einem Wort, das, was
sich wahrnehmen und zeichnen läßt. Sie suchen die plastischen und
graphischen Details dessen, was sie ausdrücken wollen, in Worte einzufangen.
 Vielleicht läßt sich dieses Bedürfnis einigermaßen verstehen,
wenn man bemerkt, daß dieselben Gesellschaften im allgemeinen sich
auch einer anderen Sprache bedienen, deren HKigenart notwendigerweise
 auf den Geisteszustand derjenigen, welche: von ihr Gebrauch
machen, auf ihre Art.zu denken und infolgedessen zu sprechen, rückwirken
 muß. In diesen Gesellschaften ist tatsächlich eine Gebärdensprache
 (langage par gestes) in Anwendung, »wenigstens unter gewissen
 Umständen; und dort, wo eine solche außer Gebrauch gekommen
ist, bezeugen Spuren, daß sie sicherlich existiert hat. Übrigens wird
sie sehr oft benützt, ohne daß es die Forscher bemerken: sei es, daß
sich die Einwohner ihrer vor diesen nicht bedienen, Sei es, daß die
Tatsache ihrer Aufmerksamkeit entgeht. Einer von diesen hatte, nach
dem Bericht M. W. HE. Roths, diese Gebärden für Freimaurerzeichen
genommen!?)
Nichtsdestoweniger haben wir bezüglich einer. großen Anzahl
von. Gesellschaften, die noch auf ziemlich niedriger Stufe stehen, ausdrückliche
 Zeugnisse für das Bestehen dieser Sprache, . Spencer und
Gillen haben ihren Gebrauch in Australien besonders hervorgehoben. »Bei
den Warramunga ...ist den Witwen das Reden, oft durch 12 Monate
hindurch, verboten, und während. dieser ganzen Zeit verständigen sie
sich mit den anderen nur auf Grund der Gebärdensprache. Sie erlangen
darin eine derartige Geschicklichkeit, daß sie sieh ihrer sogar dann,
wenn sie gar nicht mehr dazu verpflichtet sind, lieber bedienen als
der mündlichen Sprache. Mehr als einmal herrscht ein fast vollständiges
 Schweigen, wenn eine Vereinigung von ‚Frauen im Lager ist,
) Livingstone, Zambesi, and its tributaries., P. 537.
‘) Schoolcraft, Information . .. IL, p. 341. . .
. 5) .W. E: Roth,‘ Ethnological studies among the N. W. central Queensland
Aborigins, II, 72.
            
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