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Full Text : Das Denken der Naturvölker

146 IV. Kapitel. Das Verhältnis d. Geistesart d. Primitiven zu ihren Sprachen.

des Infinitivs der Verba gehen, essen, trinken, sehen, hören ete.«!)
In Kalifornien gibt es weder Gattung noch Art: »jede Eiche, jede
Kiefer, jedes Kraut hat seinen besonderen Namen«.°)
Indem auf diese Weise alles durch Begriffsbilder ausgedrückt
wird, das heißt durch eine Art von Zeichnungen, in denen die geringsten
 Einzelheiten festgehalten werden — und das gilt nicht nur
für die natürlichen Arten der Lebewesen, sondern für alle beliebigen
Gegenstände, für alle Bewegungen, für alle Handlungen, für alle Zustände,
 für alle Eigenschaften, die die Sprache ausdrückt — folgt
daraus, daß der Wortschatz dieser »primitiven« Sprachen von einem
Beichtum sein muß, von dem die unserigen uns bloß eine sehr schwache
Andeutung geben. Tatsächlich hat dieser Reichtum die Forschungsreisenden.
 in die höchste Verwunderung gesetzt. »Die Australier haben
für fast jeden kleinen Teil des Körpers Namen zur Verfügung. So erhielt
 ein Fremder auf die Frage, was ‚Arm‘ heißt, das Wort zur
Antwort, welches für den oberen Teil des Armes gilt, ein anderer
das, welches den Vorderarm bezeichnet, ein anderer das, welches.
den rechten, wieder ein anderer das, welches den linken Arm’)
benennt.« — Die Maoris haben ein außerordentlich vollständiges
System der Nomenklatur für die Flora Neu-Seelands. »Sie kannten das
Geschlecht (sexe) der Bäume... haben andere Namen für die
männlichen, andere für die weiblichen Bäume gewisser Arten. Sie
haben auch verschiedene Namen für die Bäume, deren Blätter
sich der Form nach verändern, je nach den verschiedenen
Zeitpunkten ihres Wachstums. In vielen Fällen haben sie spezielle
Namen für die Blüten der Bäume und der Pflanzen ... verschiedene
Namen für die noch knospenden Blätter und für die Beeren... Der
Vogel koko oder tutti hat vier Namen (zwei für das Männchen und
zwei für das Weibchen), je nach den Jahreszeiten. Es gibt abweichende
Namen für den Schwanz eines Vogels, eines Tieres, eines Fisches;
drei Namen für den Papageienruf kaka (den gewöhnlichen, den zornigen,
den erschreckten) ete.«*)
Bei den Bawendas Südafrikas »gibt.es für jede Art von Regen
einen eigenen Namen ... selbst die Erdformen ihres Landes
sind ihrer Aufmerksamkeit nicht entgangen; sie «haben besondere
Namen für jede Bodenbeschaffenheit, für jede Gesteins- und Felsen.
art... Es gibt keine Baum-, Gebüsch-, Pflanzenvarietät, die in ihrer
Sprache nicht einen Namen hätte. Sie heben sogar jede Grasart durch
einen besonderen Namen hervor«.) — Livingstone kann den Wortschatz
 der Betschuanen. nicht genug bewundern. »Moffat war der

1) Spix and Martius, Travels in Brazil. IL, p. 252—2533. — Of, The Cambridge
 Expedition to Torres Straits, II, 1, p. 44, 64.
2) Powers, Tribes of California. P. 419.
3) Grey, Journals ete. (1841), II, p. 209.
4) Elsdon Best, Maori Nomenclature, J. A. I. XXXIL, p. 197—198,
5) Rev. E. Gottschling, The Bawenda, J, A. I. XXXV, p. 383,
            
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