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Full Text : Das Denken der Naturvölker

150 .IV. Kapitel. Das Verhältnis d. Geistesart d. Primitiven zu ihren Sprachen.

adverbia« ein sehr deutliches Beispiel geliefert haben. Sobald es die
Entwicklung ‚der Gattungsideen und der abstrakten Begriffe gestattete,
sich mit sparsameren Mitteln auszudrücken, tat man dies, ohne sich um
den Verlust der graphischen Genauigkeit der Schilderung, die daraus
resultierte, zu kümmern. Tatsächlich darf uns der Scharfsinn, der
Reichtum, die Feinheit der wahrgenommenen und ausgedrückten
Unterseheidungen, z. B. zwischen den Varietäten ein und derselben
Pflanzen- oder Tierart, nicht zu dem Gedanken verleiten, es liege hier
das Produkt einer geistigen Betätigung vor, die, wie die unsere, auf
die Erkenntnis der objektiven Realität gerichtet sei. Wir wissen,, daß
sie anders orientiert ist. In der Wirklichkeit der Wesen und Gegenstände,
 wie sie jene Kollektivvorstellungen darstellen und suggerieren,
nehmen die mystischen und unsichtbaren Elemente, die okkulten
Kräfte, die geheimen Partizipationen einen unvergleichlich wichtigeren
 Platz ein als die von uns für objektiv angesehenen Elemente.
Dazu braucht es keinen anderen Beweis als die Rolle, die die Begriffe
(notions}) von der Art des mana, des wakan, des orenda, des tabu, der
Beschmutzung etc. spielen. Es genügt sogar, die Klassifikation der
Wesen und Gegenstände zu betrachten. In den Gesellschaften, die auf
niedriger Stufe stehen, gründet sich das Prinzip der Einteilung ohne
Rücksicht auf die allerauffallendsten „objektiven ‚Merkmale mit Vorliebe
auf eine mystische Partizipation. Die Gesamtheit der Wesen wird wie
die Individuen der sozialen Gruppe geordnet und eingeteilt: die Bäume,
Tiere, Sterne gehören zu diesem oder jenem Totem, diesem‘ oder jenem
Clan, dieser oder jener Bruderschaft. So gibt es allem Anschein zu
Trotz auf dieser Geistesstufe nicht die Idee von Gattungen, auch nicht
die von Arten, Rassen, Varietäten, wenn sie auch in ihrer Sprache
ein Abbild davon zu geben wissen.
Es ist dies aber etwas rein Pragmatisches, entstanden infolge
der Notwendigkeiten der Handlung und des Ausdruckes, ohne Mitarbeit
 der Reflexion. Es ist dies so wenig ein Wissen, daß es vielmehr
 zur Entstehung einer wahren Wissenschaft nötig sein wird, daß
jenes Gedanken- und Ausdrucksmaterial einem anderen Platz macht
und daß die zugleich besonderen und allgemeinen Begriffsbilder durch
wirklich allgemeine und abstrakte Begriffe ersetzt werden.
Es muß dann auch die Sprache ihren mystischen Charakter, der ihr
in den niedrigen Gesellschaften notwendigerweise anhaftet, verloren
haben. Für den Geisteszustand dieser Gesellschaften gibt es, wie man
weiß, keine Wahrnehmung, die nicht in einen mystischen Komplex
eingehüllt wäre, kein Phänomen, das bloß ein Phänomen, . kein Zeichen,
 das bloß ein Zeichen wäre: wie könnte da ein Wort einfach
nur ein Wort sein? jede Gegenstandsform, jedes plastische Bild, jede
Zeichnung hat ibre mystischen Eigenschaften; der verbale Ausdruck,
der eine mündliche Zeichnung ist, hat daher auch solche. Und diese
Macht besitzen nicht nur die Eigennamen, sondern alle Wortbezeichnungen,
 die es überhaupt gibt. Ubrigens sind ja.alle Namen, da sie
            
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