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Full Text : Das Denken der Naturvölker

164 V, Kapitel. Das Verhältnis der prälogischen Geistesart zur Zählung.

Konzeption (der Ausdruck visuell fällt mit dem oben zitierten Aus-Aruck
 Haddons zusammen) höherer Zahlen, Ich habe öfters den
wirklichen Beweis dafür gehabt, indem ich ihn ersuchte, zu zählen,
wieviel Finger und wieviel Zehen er habe und ihm sagte, die sich
daraus ergebende Zahl auf dem Sand zu bezeichnen. Er beginnt mit
der offenen Hand und mit ausgestreckten Fingern und läßt diese
Finger, und zwar immer je zwei, sich nacheinander krümmen; für
jedes Paar macht er in den Sand ein doppeltes Zeichen . .. Diese
Zeichen sind einander parallel; ist die Rechnung vollendet, so sagt
er pakoola (zwei) für jedes Paar. Diese Methode ist im ganzen
Distrikt‘ im Gebrauch und sie wird von den Stammesältesten dazu
angewendet, um .die Zahl der im Lager anwesenden Personen
zu wissen.«*)
Öfters lassen uns die Beobachter, ohne die konkrete Zählung
mit ebensolcher Genauigkeit wie ‚die vorhergehenden zu beschreiben,
dennoch ‚den diesbezüglichen Sachverhalt durch ihre Berichte hindurch
 erkennen. So sagt uns der Reverend James Chalmers, daß
er bei den Bugtay (Englisch-Neu-Guinea) folgende Zahlworte gefunden
 hat:

| = Tarangesa (kleiner Finger der linken Hand);
2 — Meta kina (folgender Finger);
3 — Geigimeta kina (Mittelfinger);
4 — Topea (Zeigefinger);
5 — Manda (Daumen);
6 — Gaben (Handgelenk);
7 — Trankgimbe (Ellbogen);
8 — Podei (Schulter);
9 — Ngama (linke Brust);
10 — Dala (rechte Brust). ?)

Es ist nach den. soeben zitierten Tatsachen erlaubt, zu denken,
daß eine eingeliendere Beobachtung gezeigt hätte, daß hier eher
Namen von Körperteilen vorliegen, die zur konkreten Zählung dienen,
als Namen von Zahlen. Diese Zählung kann übrigens unmerklich
halb abstrakt, halb konkret werden, in dem Maße, als die Namen,
besonders die fünf ersten, im Geist weniger stark die Vorstellung von
Körperteilen und mehr die Idee einer gewissen Zahl erwecken, welche
sich von jenen, zum Zweck der möglichen Anwendung auf beliebige
Gegenstände, zu trennen strebt. Indessen beweist nichts, daß sich die
Namen der Zahlen so bilden. Für die Zahlen eins und zwei scheint
sogar das Gegenteil die Regel zu sein.
Bei den westlichen Stämmen der Meerenge von Torres findet
Haddon: 1=— urapun, 2 = okosa, 3 = okosa urapun, 4 = okosa

1 W. E. Roth, Ethnological Studies among the N. W. central Queensland
aborigines. Nr 36. Der Sperrdruck ist durch mich veranlaßt,
2) Maipua and Namau numerals. J. A. I. XXVII, p. 139.
            
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