Mystische Kraft der Zahlen.
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Einheit und in seinen verschiedenen Manifestationen betrachtet, das
Gebet oder der Hymnus mit sieben Köpfen wird... Die sieben Kühe
des Meisters des Gebetes sind natürlich die sieben Gebete, die aus
sieben Mündern hervorgehen ... Ein Mann hat zwei oder drei Mütter,
zwei.oder drei Gattinnen ete.«!)
Daraus leitet sich eine Konsequenz ab, die zuerst ungewöhnlich
scheint: verschiedene Zahlen sind nichtsdestoweniger gleiche Zahlen.
»Die gleichzeitige und gleichbedeutende Verwendung von drei und
sieben... beweist nur eines: ihre vollständige Gleichwertigkeit ...
die verschiedenen Zahlen, die, wie wir gesehen haben, eine für die
andere verwendet werden, weil sie alle in verschiedenen Teilungssystemen
die Summe der Teile des Weltalls ausdrücken, konnten aus
demselben Grund nebeneinander verwendet werden, was man gewissermaßen
als Pleonasmus ansprechen kann. Und in der Tat, sie sind es
öfters geworden. So kommt es vor, daß drei dasselbe wie sieben oder
wie neun ist.« Eine solche für das logische Denken anstößige Aquivalenz
scheint der prälogischen Denkweise ganz natürlich. Denn diese,
die vor allem mit der mystischen Partizipation beschäftigt ist, betrachtet
diese Zahlen nicht in ihrer abstrakten Beziehung zu den
anderen Zahlen, auch nicht nach dem arithmetischen Gesetz, das sie
hervorbringt. Jede von ihnen ist in ihren Augen eine Realität, die
in sich erfaßt wird und es zu ihrer Definition nicht nötig hat, in
ihrer Abhängigkeit von anderen Zahlen betrachtet zu werden. Jede
Zahl hat auf diese Weise eine Individualität, die sich nicht weiter auf
irgend etwas zurückführen läßt und die ihr gestattet, einer anderen
Zahl von einer Individualität, die sich ebensowenig weiter zurückführen
läßt, genau zu entsprechen. »Die meisten mythologischen Zahlen der
Rig-Veda und besonders 2, 3, 5, 7 sind nicht einfach der Ausdruck
einer ‚unbestimmten Vielheit‘, sondern der einer ‚Totalität‘, ‚Ganzheit‘,
und diese Ganzheit stimmt im Prinzip mit der Gesamtheit der
Welten überein.«?) Z. B. der mythische Stier, der »vier Hörner, drei
Füße, zwei Köpfe, sieben Hände hat; dreifach gebunden, brüllt der
Stier ete.« (zwei, drei, sieben Welten, vier Himmelsrichtungen). Die
verschiedenen Züge der Beschreibung drücken alle durch Anspielung
auf die verschiedenen Weltteilungssysteme aus, daß die in Frage
stehende Persönlichkeit an allen Orten gegenwärtig ist.®) Wir haben
schon öfters darauf hingewiesen, daß die Idee der » Allgegenwart« oder,
nach einem von Lerbnitz entlehnten Ausdruck der »Vielgegenwart«
(multipresence), der prälogischen und mystischen. Geistesart ganz geläufig
ist.
Endlich, und damit wollen wir diese Charakterisierung der mystischen
Zahlen zum Abschluß bringen, sagt Bergaigne noch: »Drei und
sieben können in einem allgemeinen System der vedischen Mythologie
[bid., II, p. 147—148.
‘) Ibid., II, p. 156.
%) Ibid., II, p. 151.
Lövy-Brühl, Das Denken der Naturvölker.
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