202. VI. Kapitel. Einrichtungen, denen Kollektivvorstellungen zugrunde liegen usw.
in einem gewissen Maße schon, daß man sich des Besitzes des Originals
versichert. Die mystische Partizipation ist es, die den Wert der
Operation ausmacht.
Anderswo nimmt diese Operation eine etwas verschiedene Form
an. Um sich der Gegenwart des Tieres zu versichern, ist es erstes
Erfordernis, es sich geneigt zu machen. So findet bei den Sioux der
Bärentanz »mehrere Tage hintereinander vor dem Aufbruch statt.
Während dieses Tanzes vereinigen sich alle Stimmen’ zu einem Gesang,
der an den Geist der Bären gerichtet ist, die, nach ihrer Überzeugung,
irgendwo ein unsichtbares Dasein führen. Es muß notwendigerweise
dieser Geist zu Rate gezogen und günstig gestimmt
werden, bevor die Sioux auf ihre Expedition mit einiger Hoffnung auf
Erfolg ausgehen können... KEiner der hervorragendsten Medizinmänner
bedeckte sich den Körper mit einem ganzen Bärenfell ...
Viele andere, die an dem Tanze teilnahmen, trugen Masken auf dem
Gesicht, die aus der Kopfhaut eines Bären verfertigt worden‘ waren,
und alle ahmten mit ihren Händen. genau die Bewegungen dieses
Tieres nach, sei es, wenn es läuft, sei es, wenn es auf seinem Hinterteil
sitzt, indem es seine Vordertatzen nach vorne fallen läßt und
umherspäht, ob ein Feind naht«.!)
= Manchmal haben die Operationen eine Art abstrakter Vereinfachung
erfahren, die aber ihre wahre Natur durchscheinen läßt. »Um
die Hirsche zu zwingen, an jenen Platz zu kommen, wo ihr Erscheinen
gewünscht wird, hißt der Schaman auf der Spitze einer in
günstiger Lage aufgestellten Stange das Bild irgend eines berühmten
Jägers oder Zauberers, Das Bild stellt die Zauberkunst des Menschen
dar, und die verschiedenen dem Bilde. angefügten Zierate verhelfen
dazu, sich der Bewegungen der Tiere zu bemeistern.«?)
»>In Westafrika«, sagt Nassau, »nimmt man zum Fetisch seine
Zuflucht, wenn es sich darum handelt, zu jagen, Krieg zu führen,
Handel zu treiben, auf Fischfang auszugehen, geliebt zu werden,
Bäume zu pflanzen, sich auf Reisen zu begeben. Entweder machen sich
die Jäger auf den Weg, jeder mit seinem am Gürtel hängenden oder an der
Schulter befestigten Fetisch ... oder wenn die Jagd von mehreren
Personen zusammen veranstaltet wird, so werden wahrscheinlich vorher
durch den ‚Doktor‘ oder die Jäger selbst Beschwörungsformeln gesagt. «
Zeremonien dieser Art, welche der eigentlichen Jagd vorangehen,
werden von W. H. Brown im Mashonaland beschrieben®) und ihr
Zweck scheint der zu sein, das Erscheinen des Wildes zu erzwingen.
Umgekehrt sind gewisse Handlungen verboten, weil sie die entgegengesetzte
Wirkung hätten. »Das Wort ‚Hirsch‘ im Verlaufe der
Jagd nur auszusprechen, ist mal£ (tabu); jetzt, da ich es getan hatte,
hielten es die Eingeborenen für nutzlos, unsere Expedition fortzusetzen . .
1) Catlin, ibid., 1, 275—276.
?) Turner, The Hudson Bay Eskimo, E. B. Rep. XI, p. 196—197.
3) Nassau, Fetichism in West-Africa. P. 173.