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Full Text : Das Denken der Naturvölker

222 VI. Kapitel. Einrichtungen, denen Kollektivvorstellungen zugrunde liegen usw.

Art in Neu-Guinea, bei Gelegenheit des Dugongfanges gesehene
Bald ist.es ein für diese Gelegenheit besonders gewähltes Individuum,
für dessen Wahl zweifellos mystische Gründe der Gruppe maßgebend
waren;. bald ist es ein Mensch, der für diese Funktion durch eine
besondere Einweihung befähigt worden ist und der nun infolgedessen
zum Empfangen und Ausüben der mystischen Einflüsse mehr Eignung
besitzt als die anderen Ungeweihten.. Bald ist es endlich ein Mann,
der durch seine Geburt und die Partizipationen, die sie mit sich bringt
(da ja in diesen Gesellschaften ein. Mensch wirklich dasselbe wie seine
Ahnen ist und er manchmal dieser oder jener wieder fleischgewordene
Vorfahre ist), von vornherein dafür bestimmt ist. So kommt es, daß
die Häuptlinge und Könige infolge ihrer Abstammung oft die notwendigen
 Vermittler jener Geschehnisse sind. Durch die Riten, die sie
ausführen und zu deren Vollbringung sie allein qualifiziert sind, sichern
sie die Ordnung der natürlichen Phänomene und des Lebens der
Gruppe selbst.
So lassen sich auch noch die außerordentlich zahlreichen durch
Frazer in seinem Buch »The golden bough« gesammelten. Tatsachen
interpretieren, welche zeigen, daß die soziale Gruppe um die Person
ihres Königs fast ebenso besorgt. ist wie der Bienenstock um seine
Königin. Das Heil des Verbandes hängt vom Heil des Königs ab. Bei
den Ba-Ronga »ist das Königtum eine ehrwürdige und heilige Institution.
 Die Hochachtung vor dem Häuptling, die Folgsamkeit seinen
Befehlen gegenüber ist allgemein, und es ist nicht ein großer Aufwand
an Reichtum und Macht, der sein Ansehen erhält, sondern die mystische
Idee, daß die Nation durch ihn lebt, wie der Körper durch den Kopf«.')
Wir haben, nach Catlin, die Mandanen sehr besorgt gesehen, daß die
Porträts ihrer Häuptlinge in den Händen Fremder sein könnten und
daß infolgedessen die Häuptlinge in ihrer Grabesruhe gestört. würden.
In Bengalen »behaupten die Pankhos und die Banjogis, daß sie in der
Zeit eines der Rajahs, Ngung jungnung, der herrschende und zahlreichste
 Stamm dieses Weltteiles gewesen seien. Sie erklären den
Niedergang ihrer Macht durch das Erlöschen der alten Rasse der
regierenden Fürsten, denen man einen göttlichen Ursprung zuschrieb«.?)
Ganz besonders oft sichert der König die Regelmäßigkeit der
Regenfälle und die reichen Ernten, die davon abhängen: >1m der guten
alten Zeit, da es noch einen: Ma Loango gab, waren die Bafıoti
sicherlich viel glücklicher. Der König besaß eine viel größere Macht
als die anderen. Er bewegte zwar nicht die Wolken, er lenkte nicht die
Winde... er verstand seine Sache besser: er ließ den Regen unmittelbar
 vom Himmel fallen, sowie seine Untertanen dessen bedurften. ?)
Im malaiischen Archipel. »glaubt man fest daran, daß der König auf
die Naturprodukte einen persönlichen Einfluß habe, z. B. auf die Ernten

!) Junod, Les Ba-Ronga. P. 139,
2) Zitiert von Grierson, Linguistie survey of India. II, 3, p. 145.
3) Dr. Peschu&l-Loesche, Die Loango-Expedition. III, 2, S. 449,
            
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