244 VIL Kapitel. Einrichtungen, denen Kollektivvorstellungen zugrunde liegen usw.
werden, sondern eine neue Frage wird aufgeworfen werden: Welcher
Geist, und vor allem welcher Feind ist es, dessen Behexung so mächtig
gewesen ist? Und überhaupt erklärt sich das Mißlingen der Pflege,
die man dem Patienten angedeihen läßt, ebenso leicht wie ihr Erfolg,
so. lange die Vorstellungen, die man sich von der Krankheit wie auch
von ihren Ursachen und von ihrer Behandlung bildet, ganz mystisch
bleiben: Es ist die Kraft, der »Einfluß«, der mächtigste »Geist«,
der die Partizipationen, von denen Leben und Tod abhängen, herstellt
oder zerreißt. Nichts ist der prälogischen Geistesart zufolge natürlicher
als das. !)
Endlich zeigen gewisse Beobachtungen,. daß eine Unterscheidung
zwischen Krankheiten mystischen Ursprungs und zwischen
denen, welche von Ursachen, die wir natürliche nennen würden, herrühren,
sich zu bilden begonnen hat: sei es, daß dieselbe Krankheit,
je nach den Umständen aus einer mystischen Ursache oder aus einer nichtmystischen
Ursache hervorgeht, sei es, daß man grundverschiedene
Kategorien von Krankheiten anerkennt. So bei den Kaffern: » Wenn
ein Wahrsager die Diagnose einer Krankheit gestellt hat, gibt es drei
mögliche Fälle: 1. Die. Krankheit ist von selbst entstanden. ‚2. Die
Geister der Vorfahren haben die Krankheit verursacht. 3. Die Krankheit
ist die Frucht einer Verhexung.« Bei den Bahimas wird‘ »die
Krankheit auf vier verschiedene Arten erklärt: 1. Man meint, der verstorbene
König habe sie verursacht. Der Mandwa (Hohepriester des
Königs) ist die einzige Person, die in einem solchen Fall Hilfe bringen
kann. Die Lähmung (Paralyse) gehört in diese Kategorie. 2. Das Fieber
wird natürlichen Ursachen zugerechnet, niemand wird .seinetwegen
zur Verantwortung gezogen. 3. Die Krankheit entspringt magischen
Tätigkeiten (Kuloga), dem Anstiften einer Person, die eine andere
heimlich töten will (alle möglichen Krankheiten). 4. Endlich wird die
Krankheit Geistern von Toten (muzimu). zugeschrieben, die sich aus
verschiedenen Gründen in den Körpern der Leute niederlassen und aus
ihnen feierlich ausgetrieben werden müssen.« Wie es scheint, sind
dies noch sehr verworrene Einteilungen. Aber sie bedeuten einen
Übergang von der rein mystischen Vorstellung der Krankheit und
der Behandlung, die in diesem Falle not tut, zu den. Vorstellungsweisen
und zu der Tätigkeit, in denen die Beobachtung und die Erfahrung
einen größeren Platz einnehmen. ?)
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Der. mystischen Krankheitsvorstellung entspricht eine . Summe
von Gebräuchen, die von derselben prälogischen Geistesart Zeugnis
1) Fr. Ägidius Müller (0. Trapp), Wahrsagerei bei den Kaffern. Anthropos.
1907, II, 8. 43.
?) Rev. J. Roscoe, The Bahima, a cow tribe of Enkole. J. A. I. XXXVIL,
p. 103.