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Full Text : Das Denken der Naturvölker

Die Ursache des Todes.

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ablegen. Desgleichen äußert sich die ebenfalls mystische Vorstellung
vom Tode in einer gewissen Anzahl von Gebräuchen, die sich auf
den Tod beziehen und die die Beobachter in der Mehrzahl der Gesellschaften
 von niedrigem Typus verzeichnet haben; diese wären unverständlich,
 wenn man sie nicht auf diese Geistesart zurückführen
wollte. z—_
Vor allem ist der Tod nie natürlich. Dieser Glaube ist den
australischen Stänmen und den wenig fortgeschrittenen Gesellschaften
von Nord- und Südamerika. von Afrika, von Asien gemeinsam. »Der
Eingeborene«, sagen M, M. Spencer und Grillen, »ist ganz. unfähig,
den Tod als Ergebnis irgend welcher natürlicher Ursachen aufzufassen. «*)
Es. wird. zweifellos. genügen, einige andere Beweise anzuführen. Für
den Verstand des Muganda gibt es: gar keine Todesart, die aus natürlichen
 Ursachen erfolgen würde. Der Tod wie die Krankheit sind die
unmittelbare Folge des Einflusses eines Geistes. Bei den Fang »wird
der Tod nie als Frucht natürlicher Ursachen betrachtet. Die Krankheit,
die den Tod zur Folge hat, ist das Werk der evus (Zauberer).”) —
Then ‚sagt Du Chaillu: „Der größte Fluch, von dem das ganze
Land Heimgesncht ist ist der Glaube an das! antemba (Zauberei oder
Behexung). Der Afrikaner glaubt fest daran, daß jeder Tod gewaltsam
ist. Er kann sich nicht vorstellen, daß ein Mensch, der noch vierzehn
 Tage vorher ganz gesund war, jetzt sterbenskrank daniederliegt,
ohne daß irgend ein mächtiger Zauberer dazwischen gekommen ist und
dureh seine Zauberei seinen Lebensfaden durchsehnitten hätte, indem
er ihn mit einer Krankheit behaftete.«?) In früheren Zeiten begriffen
die Tscherokesen nicht, daß jemand eines natürlichen Todes sterben
könnte. Sie schrieben immer den Tod derjenigen, die an einer Krankheit
 starben, der Dazwischenkunft oder dem Einflusse böser Geister zu,
sowie den Zauberern und den Hexenmeistern, die mit den bösen
Geistern in Verbindung stehen ... Ein Mensch, der an einer tödlichen
 Krankheit sterbend daniederliegt und der einen anderen be-_
schuldigt, durch Zauberkünste seinen Tod absichtlich bewirkt ‘zu
haben, verurteilt diesen zum sicheren Tod. \
Wenn die Beobachter berichten, daß die Eingeborenen, unfähig
sind, den ‘Tod als Ergebnis natürlicher Ursachen »zu. begreifen«, So
enthält diese. Formel zwei Feststellungen, \deren Unterscheidung nicht
ohne Nutzen sein dürfte.
Die erste will sagen, daß die Ursache‘ des Todes wie die der
Krankheiten stets als eine mystische vorgestellt wird; wie könnte es
auch anders sein? Wenn jede; Krankheit das Werk eines »geistigen
Einflusses«, »einer Kraft«, »eines Geistes«, »einer Seele« ist, die auf
den Patienten einwirken oder von denen er besessen ist, wie. sollte
man da den unglücklichen Ausgang dieser Krankheit nicht derselben
1) The native tribes of central Australia. P. 356.
2) Bennett, Ethnographical notes on the Fang. J. A. LI XXIX, p. 93.
3 Du Chaillu, Eauatorialafrika. P. 388.
            
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