Die Ursache des Todes.
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seits an dem bezeichneten Orte einen Mord ...!) — So unglaublich
und einzigartig dieser Zug erscheinen mag, so erzählt uns doch
Dobritzhoffer?) ähnliche Fälle von den Abiponen. »Ob nun ein Indianer
erstochen worden ist oder ob man ihm die Knochen zerschmettert
hat oder ob er an Altersschwäche stirbt, so werden die anderen doch
nie zugeben, daß die Wunden oder die Altersschwäche seinen Tod
verursacht haben. Sie sind vor allem begierig, zu wissen, durch welchen
Zauberer und aus welchem Grunde er getötet worden iSst.«
Diese Gebräuche sind besonders geeignet, deutlich zu machen,
in welchem Maße die Geistesart dieser niedrigen Gesellschaften anders
orientiert ist als unser Denken. Die Australier und die Abiponen hemerken
ebensogut wie wir die außerordentlich schweren Verletzungen,
deren unvermeidliche Folge der Tod sein wird. Aber sie bleiben nicht
dabei stehen, weil ihre Kollektivvorstellungen ihnen sozusagen in
Form von Vorbegriffen oder von Vorverbindungen (sous forme de preconception
ou de preliaison) gebieten, den Tod mit einer mystischen
Ursache in Zusammenhang zu’ bringen. Die Verletzungen können daher
nur eine Art und Weise sein, wie diese mystische Ursache ihr
Ziel erreicht: sie hätte es ebensogut durch den Biß einer Schlange
oder durch Ertrinken erreichen können. Es ist kein Anlaß gegeben,
sich bei den Mitteln, die in Verwendung sind, aufzuhalten. Nur die
wahre Ursache fällt schwer ins Gewicht, und diese ist, wenigstens
in gewissen Gesellschaften, immer mystischer Natur. °)
Die Maßnahmen, die man zur Entdeckung dieser Ursache anwendet,
entsprechen natürlich der Vorstellung, die man von ihr
hat, und sind für die prälogische und mystische Geistesart nicht
weniger charakteristisch als jene. Man nimmt seine Zuflucht zur Wahrsagerei,
und wer hiebei als der Schuldige: bezeichnet wird, wird auf
der Stelle hingerichtet. In Afrika — zum Beispiel bei den Kaffern — oder
‘) J. Pauker, In Brough Snigth. The Aborigines of Vietoria. IL, p. 155—156.
?) Dobritzhoffer, An account of the Abipones. II, p. 84.
;) In den Gesellschaften von etwas höherem Typus zeigen sich schon Übergangsformen.
Der Tod (so wie die Krankheit) wird in gewissen Fällen auch fernerhin
mystischen Ursachen zugeschrieben: aber in anderen Fällen‘ wird er als
‚natürlich« im gewöhnlichen Sinne des Wortes betrachtet. So behaupten bei den
Nez-Percds »die Häuptlinge, daß sie und ihre Söhne zu mächtig sind, um von
selbst zu sterben. Zweifellos können sie krank sein, schwach werden und sterben
wie alle anderen; doch kommt dies daher, daß irgend eine Person oder irgend ein
bösartiger Geist, der durch diese aufgereizt worden ist, die unsichtbare Ursache
ihres Todes ist. — Wenn daher ein Häuptling oder sein Sohn stirbt, muß der des
Verbrechens verdächtige Anstifter hingerichtet werden,« Parker zitiert von Bancroft,
The native races of the Pacific states of North America, III, p. 157. —
Ebenso schreibt der Missionär Brun: »Gemäß den Nachrichten unserer Ordensbrüder
im äquatorialen Afrika. sollen zahlreiche Negerstänme glauben, daß der Tod eines
Menschen stets durch die Zauberer oder die Geister verursacht würde, Bei den
Malinken, die in unserer Umgebung leben, ist dieser Glaube nicht so unbedingt.
Sie schreiben sehr viele Todesfälle ihrer wahren. natürlichen Ursache zu, wie der
Krankheit, dem Alter, dem Hunger, irgend welchem Unfalle . ..« (Brun, Note sur
les ceroyances des Malinkes. [Cöte oceidentale franeaise.] Anthropos. II, p. 948.)