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Full Text : Das Denken der Naturvölker

Juxta hoc, ergo propter hoe.

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bricht ein Krieg aus: selbst für die Denkweise von Gesellschaften auf
hoher Stufe wird die Aufeinanderfolge dieser Ereignisse nicht zufällig
sein. Der Zusammenhang der Ereignisse in der Zeit wird nicht bloß
die Sukzession sein; eine Verbindung, die der klaren‘ Analyse widerstrebt,
 wird den Wein mit dem Kometen und den Krieg. mit der
Finsternis verknüpfen. Doch die Geistesart der Gesellschaften auf ganz
tiefer Stufe, die keine zufälligen Zusammenhänge kennt, .d. h. die
allen Zusammenhängen, die in ihren Vorstellungen gegeben sind, eine
mystische Bedeutung beilegt, ist ebenso geneigt, zu sagen: »jJuxta hoc,
ergo propter hoc, als post hoc« ergo propter hoc«. Das Aneinanderstoßen
im Raume ist ebenso sehr eine Partizipation als es das Aneinandergrenzen
 in der Zeit ist. Es ist sogar noch mehr, und zwar in dem
Maße mehr, als diese Denkweise den räumlichen Merkmalen mehr
Aufmerksamkeit zuwendet als den zeitlichen.
So scheint in den mystischen Partizipationskomplexen, die im
prälogischen Geisteszustand im ganzen und großen dem entsprechen,
was das kausale Verhältnis für das logische Denken ist, das Nebeneinander
 zuweilen die Rolle innezuhaben, die wir eher dem Nacheinander
 zuteilen würden. So sagt beispielsweise Gatschet: »Khemals
scheint es bei den Indianern infolge einer allgemein gültigen Sitte
zulässig gewesen zu sein, die Nachbarn zu überfallen. und zu töten,
wenn sich des Nachts eine Eule oder ein Käuzchen in der Nähe der
Lagerstatt dieser unglücklichen Leute hatte hören lassen.«!) Ebenso
heißt es in einer kurzen Geschichte der Klamath-Indianer: »Bei einer
Hütte, gerade nach dem Sonnenuntergang, heult ein Hund wie zum
Sterben; kommt ein Indianer herbei, greift den Besitzer des Hundes an,
verwundet und tötet ihn.«?) Was sich hier abspielt, ist jenes »juxta hoc,
ergo propter hoc«: es ist die Partizipation, die sich in dem räumlichen
Aneinanderstoßen kundgibt, die Partizipation zwischen dem Indianer,
an dessen Schwelle sich das unheilverkündende Tier hören läßt, und
dem Unglück, das durch dieses Tier verkündet — also in einem gewissen
 Sinn verursacht wird. Es ist bemerkenswert, daß in fast allen
indo-europäischen Sprachen die Präpositionen, die »infolge von«,
»durch« bedeuten, Worte sind, die sich ursprünglich auf räumliche
und nicht auf zeitliche Verbindungen bezogen.?) Vielleicht haben sich
dem prälogischen Denken die zeitlichen Verhältnisse als Verhältnisse
der Stellung oder besser gesagt der Nebeneinanderstellung dargeboten,
und somit — da es für diese Denkweise gar kein Verhältnis gibt,
das nicht mystische Bedeutung hätte — als Kontiguitätspartizipationen
(Anteilnahmen durch Aneinandergrenzen). So kommt es für die prälogische
 Denkweise vor allem auf die Kontiguität an. KEs ist ganz
sekundär und vielleicht sogar gleichgültig, ob eines der ‚Verhältnisglieder
 in der Zeit vorher oder nachher kommt.
1) Gatschet, The Klamath language. P. 89.
?) Gatschet, ibid., p. 133.
3) Mündliche Mitteilung des Herrn A. Meillet,
            
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