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Full Text : Das Denken der Naturvölker

260 Fr VIL Kapitel, Einrichtungen, denen Kollektivvorstellungen zugrunde liegen usw.

auch noch genaue Angaben zu verschaffen, auf welche Art und Weise
man zu handeln hat. Gewiß, vor allem müssen die Zumßis wissen, ob
es regnen wird oder nicht. Für sie ist es fast eine Frage auf Leben
und Tod, und es hat eine gewisse Anzahl ihrer Spiele, unter vielen
anderen Gebräuchen, die in ihren Einzelheiten heute wohlbekannt
sind, den religiösen und zugleich magischen Zweck, den. Regen fallen
zu machen. Aber sie müssen auch wissen, in welcher Menge, zu
welcher Zeit und wie lange es regnen wird. Das’ist es, worüber ihnen
die Wahrsagekunst Aufschluß gibt, wenn sie, neben dem eigentlichen
Ergebnis, die Wechselfälle ‘des Spieles deuten, das in mpystischer
Weise zwischen den Mächten der Trockenheit und denen des Regens
hin und hergeht, wenn sie die Zahl der in jedem Lager angemerkten
Punkte hervorheben ete. Die Wahrsagerei ist also hier wohl eine
Erweiterung der Wahrnehmung. Genauer genommen, greift sie dieser
Wahrnehmung geradezu vor. Die prälogische Denkart vertraut ihr
mindestens ebensosehr wie der Wahrnehmung selbst. Dieses Vertrauen
beruht auf den Partizipationen, die dargestellt und empfunden werden:
zwischen den Spielern, den betreffenden Clans, den Raumgegenden, die
diesen Clans entsprechen, ihren mystischen Tieren, ihren Farben, ihren
Göttern, ihren Winden und endlich dem Regen und der Trockenheit selbst.

Der Übergang von der Wahrsagerei zur Magie ist unmerklich.
Die eine und die andere fußen auf denselben Kollektivvorstellungen
von mystischen Beziehungen; die Wahrsagerei beschäftigt sich mehr
damit, diese Beziehungen zu entdecken, und die Magie damit, sie nutzbar
 zu machen. Aber in der Praxis vereinigen ‘sich diese beiden
Ordnungen von Zwecken, da doch einerseits die magische Handlung,
um sich zu betätigen, die mystischen Beziehungen kennen muß und
da doch anderseits, wenn die Wahrsagerei sie zu entdecken sucht, dies
geschieht, um eben Vorteil daraus zu ziehen. Man kann sogar weiter
gehen und sagen, daß alle Gebräuche, von denen bis jetzt die Rede war,
also die Gebräuche; die sich auf die Jagd, auf den Fischfang, auf den
Krieg, auf die Krankheiten, auf den Tod ete. beziehen und eine Anzahl von
Gebräuchen überhaupt, die den Kollektivvorstellungen der Gesellschaften
vom niedrigen Typus entsprechen, magischen Charakter haben. Ich habe
vorgezogen, sie »mystisch« zu nennen, weil dieser Ausdruck den engen
Zusammenhang mit der Geistesart, die ich prälogisch und mpystisch
genannt habe, hervortreten ließ und weil das Wort »Magie« einen
engeren oder weiteren Sinn ausdrückt, je nachdem man die gesellschaftlichen
 Typen als niedriger oder höher betrachtet. So sind in den
Gesellschaften von Australien oder in denen von Südamerika (Brasilien,
Feuerland) die Mehrzahl der Gebräuche, die den wichtigsten Kollektivvorstellungen
 entsprechen, magisch. Das geht zum‘Beispiel aus den
beiden Bänden von Spencer und Gillen deutlich hervor. Aber in Gesellschaften
 von. feiner ausgebildetem Typus, wie in der Mehrzahl
der Verbände des südlichen und äquatorialen Afrika, unterscheiden sich
            
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