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Full Text : Das Denken der Naturvölker

264 VII Kapitel. Einrichtungen, denen Kollektivvorstellungen zugrunde liegen usw.

dachten die Tscherokesen. »Nährt sich einer von Wildbret, so ist er
im Laufen viel behender und ist auch viel scharfsinniger als der Mensch,
der vom Fleische des unbeholfenen. Bären oder des :stumpfsinnigen
Geflügels lebt... Ehemals überwachten die Häuptlinge ihre Lebensweise
 sehr genau... Ja, wenn man dieselbe Nahrung genießen wollte
wie. der Bär, würde man sogar die Natur des Bären annehmen, wenn
schon nicht seine Gestalt und sein Außeres. Würde sich ein Indianer
während einer gewissen Zeit auf dieselbe Art nähren wie ein Weißer,
so würde er sieh die Natur des weißen Mannes so sehr aneignen, daß
keine Mittel und kein Zauber des indianischen Doktors mehr eine
Wirkung auf ihn ausüben könnten.«!): Was von den Menschen und
Tieren gilt, läßt sich auch auf die Götter anwenden. »Das Idol war
sehr schmutzig und mit Blut befleckt. Es hatte aber auf der rechten
Seite ein Loch, das die natürliche weiße Farbe durchblicken ließ, welche
von dem dunklen Ton ‚des übrigen Körpers sonderbar abstach. Dieses
Loch verdankt sein Dasein dem Glauben, daß sich die Fähigkeit, zu
heilen ‚und die Kenntnis der geheimnisvollen Dinge dadurch erwerben
läßt, daß man ein wenig von dem geheiligten Körper des Gottes ißt.«?)
Diese Tatsachen sind äußerst gewöhnlich. Man findet eine, große. Anzahl
 davon zergliedert in den »Vorlesungen über die Religion der
Semiten« von HKobertson Smith.
‚Mit. der Bekleidung verhält es sich ebenso wie mit der Nahrung:
die mystischen Vorurteile spielen ‚da eine große Rolle und in gewissen
Fällen tragen sie sogar den Sieg über die Rücksicht auf die Nützlichkeit
 davon. Viele »wilde« Stämme hatten, ehe sie mit den Weißen in
Berührung. kamen, überhaupt keine Kleidung... Aber wohl fand man
keine Stämme, die nicht. irgend einen Schmuck getragen hätten:
Federn von Vögeln, Perlen, Tätowierungen, Malereien ete.. Nun dienen
diese Verzierungen, wie man weiß, nicht nur oder nicht einzig allein
zum Putze. Sie haben ‚einen mystischen Charakter, eine magische
Macht. Die Feder des Adlers verschafft dem, der sie trägt, die Kraft,
die Hellsichtigkeit, die Weisheit dieses Vogels etc. Umgekehrt hätten
die Beobachter, wenn ihre Aufmerksamkeit auf diesen Punkt gelenkt
worden wäre, zweifelsohne Kleidungs-Tabus hervorgehoben, so wie sie
Nahrungs-Tabus angetroffen haben: man hat weiter oben von dem Fall
gelesen, daß ein malaiischer Häuptling sich weigerte, ein Hirschfell
in seinem Kahne zu befördern, weil er fürchtete, es könnte die Fürchtsamkeit
 des. Hirsches auf seinen jungen Knaben übertragen werden.
Im allgemeinen eignet man sich auch von den Eigenschaften dessen,
was man bei Sich trägt, etwas an, so wie man an den Eigenschaften
dessen partizipiert, was man .ißt. Hier ein Beispiel unter tausenden.
‚Eines Morgens tötete ich‘ in meinem Hofe eine Hyäne. Der Häuptling
sandte einen seiner Bevollmächtigten, um ihr die Nase sowie das Ende
a7 1) Adair, zitiert. von J. Mooney. Myths of the Cherokee. E. B. Rep. XIX,
P 2) Lumholtz, Unknown Mexico, II, p. 170.
            
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