974 VII Kapitel. Einrichtungen, denen Kollektivvorstellungen zugrunde liegen usw.
und Gefühlen gemäß, d. h. aber sehr oft widersinnig interpretiert werden,
geschieht es, daß sie auf eine Weise ergänzt werden, welche sie in dem Teil,
der sich von ihnen erhalten hat, mit sich selbst in Widerspruch bringt.
So weisen die Begräbnissitten der meisten, wenn nicht aller Gesellschaften,
eine unregelmäßige Schichtenbildung auf, bei der Gebräuche,
die in eine uralte Zeit zurückreichen und einer charakteristischen Geistesart
einer sehr niedrigen. Gesellschaftsstufe zugerechnet werden müssen.
mit solchen Gebräuchen durchsetzt sind, die von jüngeren Auffassungen
abhängen, welche mit jenem Geisteszustand unverträglich sind.
Endlich variieren die Begräbniszeremonien und Trauerriten in einer
großen Zahl von Gesellschaften je nach der Art und den Ursachen
des Todes, je nachdem, ob das Individuum durch einen »guten«
oder einen »schlechten« Tod aus dem Leben geschieden ist.')
Es ist die Aufgabe der Ethnographie, die allereingehendste und
möglichst vollständige Beschreibung dieser Zeremonien in ihrer außerordentlichen
Mannigfaltigkeit zu geben. Für uns wird es genügen,
zu zeigen, wie es der‘ mystische und prälogische Geist ist, der sie
ins Leben ruft; wie für diesen die verschiedenen Grade von Leben
und Tod in Partizipationen und im Fehlen von Partizipationen bestehen,
wie endlich derselbe Mensch nicht nur durch zwei Etappen geht,
eine, in der er lebt, und eine, in der er nicht lebt, sondern wie er
eine ganze Reihe von Etappen durchläuft, einen Phasenzyklus, in
welchem er mehr oder weniger an dem, was wir das Leben und den
Tod nennen,. partizipiert. Das Bild, das ich davon entwerfen werde,
wird bloß ein grober und provisorischer Abriß sein können. Ich glaube,
daß dieser Abriß, so weit man ihn gelten. lassen kann, nur für
Gesellschaften verwendbar ist, die auf der niedrigsten Stufe stehen.
wo die totemische Organisation: noch zu erkennen ist oder sogar
noch in höchster Blüte steht, also z. B. für Gesellschaften etwa des
australischen Typus. Ich mache auch darauf aufmerksam, daß es
unmöglich ist, sich zu denken, daß alle die, Phasen dieses schematischen
Zyklus nacheinander von der ganzen Menschheit durchlaufen
worden sind. Es charakterisiert‘ im Gegenteil einige dieser Phasen,
daß Partizipationen da nicht bestehen, welche das voraussetzen, was
für unser logisches Denken den Begriff eines menschlichen Individuums
ausmacht. Aber es gehört eben. zur Natur der prälogischen
Geistesbeschaffenheit, sich mit Behagen innerhalb dieser Partizipationen
und Isolierungen zu bewegen, während das logische Denken hier ganz
verstört wird und sich verloren dünkt, weil es hier nicht mit präzis
definierten und seinen. eigenen Gesetzen gemäßen Begriffen zu tun hat.
Unter diesem Vorbehalt. könnte eine schematische Zeichnung,
welche vom: Zustand des erwachsenen Mannes, der die Einweihungsprüfungen
bestanden hat und der in seiner sozialen Gruppe zur Ehe
zugelassen worden ist, ausgeht, folgende Etappen unterscheiden:
1) Brough Smyth, The Aborigines of Vietoria. I, p: 114.