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Full Text : Das Denken der Naturvölker

Vollendung des Todes, ”

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mehr existieren«.1) In Ceylon zeigen die Weddahs in Gegenwart des
Skeletts eines schon seit langem verstorbenen Menschen gar ‚keine
Furcht mehr. »Es wurde uns nie die. geringste Schwierigkeit gemacht,
wenn wir die Skelette der Weddahs sammelten. Die Eingeborenen
zeigten uns selbst sehr bereitwillig die Gegend, wo sie sie gemäß den
Instruktionen ihres englischen Aufsehers begraben hatten. Wenn wir
das Skelett aus der Erde herauszogen, sahen sie fast immer mit. Interesse
 und ohne die geringste Aufregung zu; und wenn es sich
darum handelte, im Sande alle kleinen Knochen der Hände und der
Füße aufzufinden, so ließen sie sich gerne herbei, uns zu helfen.«?)
Hertz hat den Grund dafür, daß die Zeremonie, welche der
Trauer ein Ende macht, von dem ersten Leichenbegängnis durch ein
variables, aber im allgemeinen ziemlich langes Zeitintervall getrennt
ist, in hellstes Licht gesetzt. Damit die letzte Zeremonie gefeiert
werden, damit der Tote sich entfernen kann, ohne die Absicht zu
haben, jemals wieder zurückzukehren, und damit er seinen Wohnort
bei den anderen Geistern, die auf die Reinkarnation warten, sucht,
ist es notwendig, daß er vollkommen entfleischt‘ werde. Es ist notwendig,
 daß das Fleisch von seinen Knochen. ganz verschwunden und
daß der Verwesungsprozeß beendigt sei. Das geht aus den zahlreichen
Fällen hervor, die durch Hertz beigebracht werden, und auch aus der
eingehenden Beschreibung, die Spencer und Grillen von den australischen
 Leichenbestattungszeremonien liefern. Man besucht von Zeit zu
Zeit den Körper, der im Begriffe ist, auf einem Baum zu verwesen,
und man befragt den Geist, der sich in der Umgebung aufhält, in
welchem Augenblick nach seinem Urteile die Knochen genügend
nackt wären, um die Schlußzeremonie stattfinden zu lassen.
Ich möchte auch eine Bestätigung der Theorie von Hertz in
einem bei den Primitiven sehr weit verbreiteten Glauben sehen, der
auch heute noch in China besteht. Es gibt eine Art von besonders
gefährlichen und schädlichen mörderischen Gespenstern, die durch
ihr Erscheinen einen grauenhaften Schrecken hervorrufen; um sich
nun dieser gräßlichen Schatten zu entledigen, gräbt man jedes Mal
die Leichname aus, um sie zu zerstören, und sieht da, daß sie gar
nicht der Verwesung verfallen sind. — »Wenn man am Loango die
Gräber geöffnet hat und... ihre Leiber. unverwest und mit offenen
Augen in der Grube liegen findet... So vernichtet man sie am
sichersten durch Feuer.«3) — In. Ostafrika »träumt ein naher Verwandter
 des Verstorbenen, seine Frau, sein Gatte oder seine Schwester
durch mehrere Wochen hindurch allnächtlich von ihm, wacht
entsetzt auf, geht aus der Hütte heraus, blickt um sich und sieht
das Gespenst in der Nähe der Tür hocken; oder es geschieht oft,

) Du Chaillu Equatorial Africa. P. 336.
= ns bh Sarasin, Ergebnisse naturwissenschaftlicher Forschungen auf
31 Dr. Peschuel-Loesche, Die Loango-Expedition. II, S. 318.
            
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