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Einleitung. .
man auf diesem Wege erreichen kann. Sicherlich wird dieser Weg
zu einer neuen und positiven Erkenntnistheorie führen, die sich auf
die vergleichende Methode. gründet.
Diese große Arbeit wird nur durch eine Reihe sukzessiver Bemühungen
vollbracht werden. Vielleicht würde es ihre Inangriffnahme
erleichtern, wenn die allgemeinsten Gesetze, denen die Kollektivvorstellungen
in den niederen, Gesellschaften gehorchen, bestimmt
werden. Genau zu erforschen,/ welches die. leitenden Prinzipien der
primitiven Geistesbeschaffenheit sind und wie diese Prinzipien ihre
wirksame Gegenwart in den Einrichtungen und Gebräuchen beweisen,
das ist das vorläufig wichtigste Problem und wird der Gegenstand
des vorliegenden Werkes sein. Ohne die Arbeiten meiner Vorgänger
— Anthropologen und Geographen der verschiedenen Länder — und
besonders ohne die Hinweise, die mir die Werke der eben erwähnten
französischen Schule gegeben haben, hätte ich nicht hoffen können,
diese Frage zu lösen, ja auch nur in einer brauchbaren Formulierung
zu stellen. Die Analyse zahlreicher Kollektivvorstellungen, und zwar
der wichtigsten, wie des »Heiligen«, des »mana«, des »totem«, des
Magischen, des Religiösen ete., die jene Schule gemacht hat, hat allein
diesen Versuch einer zusammenfassenden : und systematischen Studie
dieser Vorstellungen bei den Primitiven ermöglicht. Auf ihre Arbeiten
gestützt, habe ich nachweisen können, daß der geistige Mechanismus
der »Primitiven« durchaus nicht zusammenfällt mit dem, dessen Beschreibung
uns bei dem Menschen unserer Gesellschaft vertraut ist;
ich habe sogar geglaubt, bestimmen zu können, worin dieser Unterschied
besteht, und habe versucht, die allgemeinsten Gesetze, welche
der geistigen Beschaffenheit der Primitiven eigentümlich sind, festzustellen.
Brauchbare Hilfe habe ich auch an jenen heute schon recht
zahlreichen Psychologen gefunden, die im Gefolge AWots bemüht
sind, die Wichtigkeit der motorischen Elemente im geistigen Leben
im allgemeinen und sogar im eigentlichen intellektuellen Leben nachzuweisen.
Die »Logique des sentiments« von Aıbor wie die »Psychologie
des emotionalen -Denkens« von Heinrich Maier, um nur zwei
Arbeiten zu erwähnen, sprengen den allzu engen Rahmen, in den die
traditionelle Psychologie unter dem Einfluß der formalen Logik das
geistige. Leben einzuschließen unternahm. Der geistige Mechanismus
ist unendlich geschmeidiger, komplizierter, feiner, er steht mit viel mehr
Elementen des seelischen Lebens in Beziehung, als ein allzu »vereinfachender«
Intellektualismus geglaubt hat. Ich habe also großen Vorteil
aus den psychologischen Bemerkungen Aibots gezogen. Nichtsdestoweniger
unterscheiden sich die Untersuchungen, die ich angestellt
habe, von den seinigen durchaus, Seine Analyse betrifft vor allem die
vom emotionalen, affektiven oder selbst pathologischen Standpunkt aus
interessanten Gegenstände, die aus unserer Gesellschaft geholt sind;
Kollektivphänomene studiert er überhaupt fast gar nicht. Hingegen