Der mystische und prälogische Typus. 325
monien verwendet werden. Das sind z. B. bei den Australiern die
churingas, all der Schmuck und Zierrat, mit dem sich die Teilnehmer
der Zeremonien ausstatten, die Tänze, die Masken, die Gesten,
die Überlieferungen, welche die Ahnen des Alcheringa betreffen
— oder weiters bei den Indianern Brasiliens (Bororö, Bakairi ete.),
all die unter dem Namen der »Couvade« bekannten Gebräuche, bei denen
die mystische und zugleich physische Partizipation zwischen den Eltern
und dem Kind so offenkundig gefühlt und verwirklicht ist.
Diese Form der geistigen Aktivität, die von den Formen, welche
uns unsere Gesellschaft zu erforschen Gelegenheit gibt, durchaus verschieden
ist, ist in ihrem Bestreben noch nicht darauf gerichtet, ihren
Gegenstand zu verstehen oder zu erklären. Sie ist in ganz anderem
Sinne orientiert: sie ist von den mpystischen Gebräuchen, die die
Partizipationen verwirklichen, unabtrennbar. Ubiquität oder Vielgegenwart
der Wesen, Identität des Einen und des Vielfachen, desselben
und des anderen, , des Individuums und der Gattung, all dies sind
Anschauungen, die ein Denken, welches dem Prinzip des Widerspruchs
unterworfen ist, entsetzen und zur Verzweiflung bringen würden. Alles
dies wird aber von der prälogischen Geistesart ohne weiteres als möglich
zugelassen. Anderseits ist dieselbe ganz unzugänglich für das, was
wir Erfahrung nennen, d. h. für die Lehren, die aus der Beobachtung
der objektiven Verbindungen zwischen den Phänomenen gezogen werden
könnten. Sie hat ihre Erfahrung für sich, die ganz mystisch ist und
viel vollständiger, viel tiefer, viel entscheidender als die oft ungewisse
Erfahrung, von der das, was wir im eigentlichen Sinne Denken
nennen, genau weiß, daß es sich ihre fortgesetzte Nachprüfung‘ nicht
nur gefallen lassen, sondern diese sogar immer wieder selbst verlangen
muß. Die prälogische Geistesart hingegen fühlt sich bei der
ihr eigenen Erfahrung vollkommen befriedigt. -
Nichts ist in dieser Hinsicht bezeichnender als die schon weiter
oben von mir angeführten primitiven Klassifikationen, auf die Durkheim
und Mauss die Aufmerksamkeit gelenkt haben und die in der primitiven
Geistesart einen Platz einnehmen, welcher in einem gewissen
Sinn dem der Kategorien im logischen Denken entspricht.!) Die gefühlten
Partizipationen, die sich durch die Einteilungen und Gruppierungen
der Glieder der sozialen Körperschaft ausdrücken, greifen auf
alle Wesen über, die in den Vorstellungskreis dieser geistigen Betätigung
fallen. Tiere, Pflanzen, Himmelskörper, unorganische ‚Dinge,
Raumgegenden, alles fügt sich in diese Art von Rahmen sozialen
Gepräges ein. Um nur ein Beispiel wieder ins Gedächtnis zu
rufen, »teilen in diesem Stamm,« so schildert Howitt, »die beiden
Hauptklassen und die vier Unterklassen das ganze Universum, wenn
ich so sagen darf, in Gruppen. Die zwei Hauptklassen sind Mallera
oder Wuthera; daher sind alle Gegenstände Mallera oder Wuthera.
Diese Sitte ist soweit getrieben, daß z. B. ein Hexenmeister, der Mallera
08. Kap. II, p. 103 ff.