Die Mythen.
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Konsequenzen von nicht geringer Wichtigkeit. Zweifellos befreien diese
nicht von dem aufmerksamen Studium der Einzelheiten der Mythen.
Sie liefern weder ein Prinzip, um die Mythen in Gattungen und Arten
einzuteilen,. noch eine genaue Methode, um sie auszulegen, sie werfen
auch nicht ein endgültiges Licht auf ihren Zusammenhang mit den
religiösen Riten. Aber man ist nun in der Lage, gewisse systematische
Irrtümer zu vermeiden und die Probleme wenigstens so zu formulieren,
daß die Lösung nicht von vornherein schon durch den Ausdruck verfälscht
ist. Eine allgemeine methodische Regel hat sich jedenfalls
ergeben: allen »erklärenden« Hypothesen zu mißtrauen, die von. dem
Entstehen der Mythen dadurch Rechenschaft geben, daß sie von
einer psychologischen und logischen Aktivität ausgehen, .die zwar
noch kindlich und ohne nachdrückliche Überlegung, trotzdem aber
der unseren ähnlich ist.
Zum Beispiel sind die Mythen, die lange Zeit für. diejenigen
gegolten haben, welche am leichtesten zu erklären und welche ganz
durchsichtig sind, nämlich die Naturmythen Indiens, nun. im. Gegenteil
die, deren Verständnis die meisten Schwierigkeiten bereitet;
Solange man in ihnen. ursprüngliche Erzeugnisse einer naiven Einbildungskraft
gesehen hat, die durch. die großen Naturphänomene angeregt
wird, ergab. sich allerdings die Erklärung von selbst. Aber
wenn es festgestellt ist, daß die Geistesart, die die Mythen hervorbringt,
anders orientiert ist.als die unsere, daß ihre Kollektivvorstellungen
eigenen Gesetzen gehorchen, unter.denen das Gesetz der Partizipation
das wichtigste ist, so wirft die Verständlichkeit jener Mythen
selbst ein neues Problem auf. Man ist geneigt, zu denken, daß jene
Mythen, fern davon, in der Form, in der sie auf uns gekommen sind,
primitiv zu sein, etwas ganz und gar Künstliches sind, daß sie sehr
stilisiert worden sind, und zwar durch bewußte Künstler, die diese
Stilisierung soweit getrieben haben, bis die ursprüngliche Form der
Mythen fast verschwunden ist. Hingegen sind die Mythen, deren Erklärung
die wenigsten Schwierigkeiten machen würde, die, welche
am unmittelbarsten die Partizipation der. sozialen Gruppe, sei es an
sagenhaften oder jedenfalls gegenwärtig nicht mehr lebendigen Mitgliedern,
sei es an den Wesensgruppen der Umgebung ausdrücken.
Denn sie scheinen die allerprimitivsten in dem Sinn zu sein, daß sie
sich am ehesten auf die besondere prälogische und mystische Geistesart
der Gesellschaften, die auf ganz niedriger Stufe stehen, zurückführen
lassen. So steht es unter anderem mit den: totemischen Mythen.
Wenn die Gesellschaften einem nur etwas weiter fortgeschrittenen
Typus angehören, so wird die Interpretation ihrer Mythen ‚sehr
bald gewagt, ja vielleicht unmöglich. Vor allem verringert die wachsende
Kompliziertheit unsere Aussichten, ohne Irrtümer die Geistesart,
die diese Mythen schafft, in ihren Operationen und in ihrem Gang
zu belauschen. Denn. diese Geistesart hält sich nicht nur nicht für
verpflichtet, das Prinzip des Widerspruches. zu. beobachten — es ist