Fortbestand der prälogischen Elemente. 345
drang oder der Trieb, sich den logischen Bedürfnissen anzupassen.
Jenes ist tiefer, es kommt von weiter her. Es war zweifellos in den
menschlichen Gesellschaften während. vieler Jahrhunderte der prähistorischen
Zeit allmächtig, da das logische Bedürfnis noch kaum
gespürt wurde. Auch heute noch lebt die geistige Aktivität, die dank
einer innigen Partizipation ihren Gegenstand besitzt, von jenem mystischen
Bedürfnis und läßt es durch sich leben, strebt.nichts weiter an
und findet in diesem Besitz eine vollkommene Befriedigung. Aber die
bloße Erkenntnis nach logischen Gesetzen ist noch immer unvollendet.
Sie ruft immer nach einer Erkenntnis, die sie erweitert, und es
scheint, daß die Seele nach etwas Tieferem trachtet als nach der Krkenntnis,.
nach etwas Tieferem, das ihr Ganzheit und Vollendung gibt.
Zwischen den intellektualistischen Lehren und ihren Gegnern
könnte also der dialektische Krieg bis. auf unbestimmte Zeit weiterdauern,
mit wechselvollen Siegen und Niederlagen auf beiden Seiten.
Das Studium der prälogischen und mystischen Geistesart der niedrigen
Gesellschaften wird es vielleicht ermöglichen, das Ende jenes Kampfes
zu ersehen, indem es zeigt, daß die Probleme, um die gestritten wird,
falsch gestellt sind. Die Philosophen, die Psychologen und die Logiker
haben alle, da sie sich nicht in ihrem Vorgehen durch die vergleichende
Methode haben leiten lassen, ein gemeinsames Postulat angenommen.
Für sie war als Ausgangspunkt ihrer Untersuchungen ein menschlicher
Geist gegeben, der immer und überall der gleiche sein soll,
d. h. ein einziger Typus eines denkenden Subjekts, das in seinen
geistigen Operationen logischen und psychologischen Gesetzen unterworfen
war, die immer und überall identisch gewesen sind. Die
Unterschiede zwischen den Einrichtungen und den Glaubensmeinungen
müssen unter diesen Umständen durch einen mehr oder weniger
kindisechen oder inkorrekten Gebrauch erklärt werden, der von den in
den verschiedenen, Gesellschaften gemeinsamen Prinzipien gemacht
wird. Die Reflexion und Analyse, die ein individuelles Subjekt auf sich
selbst anwendet, muß auch genügen, um die Gesetze der geistigen
Betätigung überhaupt zu entdecken, da ja vorausgesetzt wird, daß alle
Subjekte eine identische innere Struktur haben.
Nun, dieses Postulat ist mit den Tatsachen unverträglich, welche
die vergleichende Erforschung des geistigen Zustandes der verschiejenen
menschlichen Gesellschaften ans Licht bringt. Diese lehrt uns,
daß die Geistesart der niedrigen Gesellschaften von wesentlich prälogischem
und mystischem Charakter ist, daß sie anders orientiert
ist als die unsere, daß in ihr die Kollektivvorstellungen durch das
Gesetz der Partizipation beherrscht werden, daß sie infolgedessen für
den Widerspruch gleichgültig und untereinander durch Verbindungen
und Vorverbindungen vereinigt sind, mit welchen unsere Logik nichts
anzufangen weiß.
Sie klärt uns auch über unsere eigene geistige Aktivität auf.
Sie bringt uns dazu, zu erkennen, daß die logische Einheit des