346 IX. Kapitel. Übergang zu höheren Typen der Geistesbetätigung.
denkenden Subjekts ein Desideratum und nicht eine Tatsache, ist. Selbst
in unserer Gesellschaft sind die Vorstellungen und die Vorstellungsverbindungen,
die durch das Gesetz der Partizipation beherrscht
werden, noch lange nicht verschwunden. Sie bestehen mehraminder
unabhängige, mehr%4 minder angegriffen, aber doch unausrottbar Seite
an Seite mit denjenigen, welche en logischen Gesetzen gehorchen.
Die Vernunft im eigentlichen Sinn trachtet nach einer logischen Einheit
und verkündet deren Notwendigkeit, Aber unsere veistige HKetätigung
ist in der Tat zugleich rational und irrational. Das Prälogische
und das Mystische bestehen hier neben dem Logischen.
Kinerseits will sich die Forderung des Logischen für alles unabweisbar
geltend machen, was vorgestellt und gedacht wird. Anderseits.
haben die Kollektivvorstellungen, Selbst wenn sie einen ausgesprochen
prälogischen und mystischen Öharakter haben, die Tendenz,
unbestimmt lang zu beharren, wie die reilglösen, pelitischen Kinrichtungen
ete. beweisen, deren Ausdruck und (in einem anderen Sinn)
deren Grundlagen sie sind. Daraus lassen sich die Konflikte auf dem
Gebiete des Geistes erklären, die ebenso schärf, manchmal ebenso
tragisch sind als diejenigen auf dem Gebiete der Pflicht. Auch sie
entspringen einem Kampf zwischen kollektiven Gewohnheiten, teils
älteren, teils jüngeren Datums, welche verschiedenarlig orientiert. sind
und miteinander um die Lenkung des Geistes streiten, gleichwie
moralische Bedürfnisse verschiedenen Ursprungs das Gewissen zerreißen.
Zweifellos müßten so die angeblichen Kämpfe der Vernunft
mit sich selbst und das, was an_ den Antinomien wirklich ist, erklärt
werden. Und wenn es wahr ist, daß unsere geistige Aktivität logisch
und prälogisch zugleich ist, so kann von nun an auf die Geschichte
der religiösen Dogmen und der philosophischen Systeme ein neues
Licht fallen.
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