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Full Text : Das Denken der Naturvölker

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Einleitung,

meinungen. der tiefsten Gesellschaften bis zur Weltanschauung geht,
wie sie sich ein Newton gebildet hat. Gleichzeitig bestrebt sich Zylor
mit Vorliebe fast an allen Stellen und besonders im abschließenden
Kapitel seiner »Primitive culture« die Theorie zu widerlegen, nach
der die sogenannten »primitiven« oder »wilden« Gesellschaften in Wirklichkeit
 degenerierte Gesellschaften seien — indem ihre Naturanschauung,
 ihr Glauben, ihre Einrichtungen die fast verlöschten, wenn
auch noch erkennbaren, Reste einer ursprünglichen Offenbarung seien.
Kann Zylor dieser theologischen Hypothese nichts Besseres entgegensetzen
 als die evolutionistische Hypothese, die ihm für wissenschaftlich
gilt? Diese gewährt ihm eine vernunftgemäße Interpretation der Tatsachen.
Was man als die Spuren eines früheren vollkommeneren Zustandes
bezeichnete, erklärt Z'ylor vom Standpunkt des Evolutionismus aus,
mühelos als die Andeutung oder den Keim eines späteren differenzierteren
Zustandes.
Wenn man sich schließlich vor Augen hält, was die allgemeine
Hypothese des Animismus an Klarheit und scheinbarer Verständlichkeit
in die Masse der Tatsachen gebracht hat, wird man von dem Glück,
das sie und die Entwicklungslehre gemacht haben, nicht überrascht
sein, und wird auch verstehen, warum die überwiegende Majorität der
anglischen anthropologischen Schule ihr bis auf den heutigen Tag treu
geblieben ist.

V

Die Reihen der sozialen Tatsachen sind voneinander abhängig und
bedingen sich gegenseitig. Ein bestimmter Gesellschaftstypus, der seine
eigenen Einrichtungen und Gebräuche hat, wird darum auch notwendigerweise
 seine eigene geistige Beschaffenheit haben. Verschiedenen sozialen
Typen werden verschiedene geistige Beschaffenheiten entsprechen, um
so mehr, als die Einrichtungen und Sitten im Grunde nichts anderes
sind als ein gewisses Bild der Kollektivvorstellungen, nichts anderes
als diese Vorstellungen sozusagen objektiv betrachtet. Man findet sich
somit dahin geführt, zu erkennen, daß sich die vergleichende Erforschung
der verschiedenen Typen menschlicher Gesellschaften von der . verzleichenden
 Erforschung der Kollektivvorstellungen und der Verknüpfungen
 dieser Vorstellungen, die in diesen Gesellschaften vorherrschend
 sind, nicht trennen läßt. ;
Hätten nicht ähnliche Betrachtungen bei den Naturforschern vorwiegen
 müssen, als sie sich, unter Beibehaltung ihrer Idee von
der Identität der wesentlichen Funktionen bei allen Lebewesen oder
wenigstens bei allen Tieren, entschlossen haben, zuzugeben, daß es
Typen gibt, die voneinander fundamental verschieden sind? Ohne
Zweifel sind die Ernährung, die Atmung, die Absonderung, die Fortpflanzung
 Prozesse, die im Grunde nicht varlieren, welches auch
immer der Organismus sei, in dem sie vor sich gehen. Aber sie
können unter deutlich verschiedenen histologischen, anatomischen,
            
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