Die mystischen Elemente.
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machen sie denen, die darin eingeweiht worden sind, zugleich‘ teuer,
furchtbar und im eigentlichen Sinne des Wortes heilig. Dann kommen
noch die Zeremonien, in denen diese Vorstellungen gleichsam dramatisch
in Szene gesetzt werden, die wohlbekannte Ansteckung mit bestimmten
Gefühlen beim Anblick der Bewegungen, die diese Gefühle ausdrücken,
ferner die durch die äußerste Müdigkeit, durch die Tänze, durch die Erscheinungen
der ExXtase und der Besessenheit erzeugte nervöse Überreizung,
kurz alles, was dazu dient, den emotionellen Charakter dieser Vor-Stellungen
zu heben und geradezu zur Verzücktheit zu bringen; wenn dann,
in der Zwischenzeit vor und nach den Zeremonien, der Gegenstand einer
dieser Vorstellungen in dem Bewußtsein des »Primitiven« aufsteigt, So
wird ihm, selbst wenn er in diesem Augenblicke allein und ruhig ist, dieser
Gegenstand nie farblos erscheinen und ihn nie gleichgültig lassen. Eine
Woge der Leidenschaft wird sofort in ihm aufgerührt werden, die zweifellos
weniger heftig ist als während der Zeremonien selbst, aber dennoch
stark genug ist, um das Verstandesphänomen in den Gefühlen, die es einhüllen,
fast verschwinden zu lassen. In einem geringeren Grade kommt
derselbe Charakter auch den anderen Kollektivvorstellungen zu, z. B.
denen, die durch die Mythen und Erzählungen von Generation zu
Generation überliefert worden sind, oder denen, die die scheinbar
gleichgültigsten Sitten und Gebräuche regeln. Denn wenn diese
Gewohnheiten geachtet sind und sich zwingend auferlegen, so kommt
dies daher, daß die diesbezüglichen Vorstellungen. imperativisch, also
nichts weniger als bloß intellektuelle Tatsachen sind.
Die Kollektivvorstellungen der Primitiven weichen also gründlich
von unseren Ideen oder Begriffen ab; sie sind auch gar nicht deren
Aquivalent. Einerseits besitzen sie, wie wir bald sehen werden, nicht
deren logischen Charakter, Da sie andrerseits nicht reine Vorstellungen
im eigentlichen Sinne des Wortes sind, so bedeuten sie oder richtiger
bringen sie mit sich, daß der Primitive nicht bloß wirklich ein Bild
des Gegenstandes hat und an dessen Realität glaubt, sondern auch
etwas von ihm erhofft oder befürchtet und daß er meint, eine bestimmte
Wirkung müsse von diesem Gegenstand ausgehen oder auf ihn ausgeübt
werden. Diese Wirkung ist ein Einfluß, eine Eigenschaft, eine geheime
Macht, die zwar je nach den Gegenständen und den Umständen veränderlich,
aber für den Primitiven doch immer wirklich ist und einen integrierenden
Bestandteil seiner Vorstellung bildet. Um diese allgemeine Eigentümlichkeit
der Kollektivvorstellungen, die eine so wichtige Stelle in der
geistigen Betätigung der niedrigen Gesellschaften innehaben, mit einem
Wort zu bezeichnen, werde ich sagen, daß diese geistige Wirksamkeit
Mystisch ist. Ich werde diesen Terminus, in Ermanglung‘ eines
besseren, nicht mit Anspielung an den religiösen Mystizismus unserer
Gesellschaften anwenden, da dieser etwas davon ziemlich Verschiedenes
Ist, sondern in dem engen Sinne, in dem »mystisch« von dem Glauben
an Kräfte, an Einflüsse, an Handlungen ausgesagt wird, welche für
die Sinne nicht wahrnehmbar und dennoch wirklich sind.