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I. Kapitel. Die Wahrnehmung.
‚Mit anderen Worten: die Wirklichkeit, in der sich die Primi:
tiven bewegen, ist selbst mystisch. Nicht ein Wesen, ein Gegenstand.
ein Naturereignis erscheint in ihren Kollektivvorstellungen als das,
was es uns zu sein scheint. Fast alles, was wir davon sehen, entgeht
ihnen oder ist ihnen gleichgültig, Dafür sehen sie vieles, von dem
wir nichts ahnen. Zum Beispiel nehmen für den Primitiven, der einer
(totemistischen Gesellschaft angehört, jedes Tier, jede Pflanze, ja sogar
jedes Objekt, wie die Sterne, die Sonne und der Mond an einem
iTotem, einer Klasse oder Unterklasse teil. Infolgedessen hat ein jedes
seine bestimmten Verwandtschaften, hat ein jedes die Mitglieder seines
Totems, seiner Klasse, seiner Unterklasse in seiner Gewalt, hat wiederum
ihnen gegenüber Verpflichtungen, hat mystische Beziehungen zu anderen
Totems ete. Selbst in den Gesellschaften, die nicht diese Form haben,
ist die Kollektivvorstellung von gewissen Tieren (vielleicht von allen,
wenn unsere Dokumente vollständig wären) von mystischem Charakter.
So bei den Huischolen. Da »sehen und hören die Vögel, deren Flug
mächtig ist, wie Adler und Falke, alles: sie besitzen mystische Kräfte,
die den Federn ihrer Flügel oder ihres Schwanzes anhaften ...
Diese Federn, durch den Schaman getragen, . befähigen ihn, alles zu
sehen und zu hören, was sich unter der Erde wie auf ihrer Oberfläche
abspielt, die Kranken zu heilen, die Toten zu verwandeln, die
Sonne untergehen zu lassen ete.«!) Die Tscherokesen glauben, daß
die Fische in bürgerlicher Gesellschaft--leben wie die Menschen, daß
sie im Wasser ihre Dörfer, ihre Straßen haben und sich wie vernunftbegabte
Wesen benehmen.?) Sie glauben auch, daß die Krankheiten,
im besonderen die Rheumatismen, von einer mystischen Tätigkeit
herrühren, die die Tiere ausüben, wenn sie gegen die Jäger gereizt sind;
ihre medizinischen Gebräuche legen für diesen Glauben Zeugnis ab.
Im Malaiischen Archipel, in Südafrika sind das Krokodil, anderswo
der Tiger, der Leopard, der Elefant, die Schlange Gegenstände
analogen Glaubens und ähnlicher Gebräuche, und wenn wir uns auf
die Mythen der beiden Weltteile beziehen, in denen die Tiere eine
Hauptrolle spielen, so: gibt es kein Säugetier, keinen Vogel, keinen
Fisch, selbst kein Insekt, dem nicht die seltsamsten mystischen Eigenschaften
zugeschrieben worden wären. Im TER sind die magischen
Gebräuche und Zeremonien, die fast in allen nie rigen Gesellschaften
die notwendige Begleitung der Jagd und des Fischfanges sind, die
Reinigungsriten, die besorgt werden, wenn das Wild oder der Fisch
getötet worden sind, ein ziemlich deutlicher Beweis für die HEigentümlichkeiten‘
und mystischen Kräfte, welche einen Teil der die "Tiere
betreffenden Kollektivvorstellungen bilden. >
Das’ Gleiche gilt für die Pflanzen: es wird zweifellos genügen,
die von Spencer und Glen als »Intichiuma«-Zeremonien beschriebenen
1) C. Lumholz, Unknown Mexieo, II, p. 7—8.
375 °) 5.‘ Mooney,. The säcred' formulas of the Cherokee: E, B. Rep. VIII,
p. 375. .