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I. Kapitel. Die Wahrnehmung.
von hier zu gewissen in China weitverbreiteten Sitten, wie der, auf das
Grab der Toten Tierfigurinen zu setzen, Papiergeld daselbst zu verbrennen
ete., ist leicht.
In Nordamerika glauben die Mandans, daß die von Catlin geschaffenen
Bildnisse ebenso lebendig sind wie ihre Modelle und diesen
sogar einen Teil.ihrer Lebenskraft rauben. Es ist wahr, daß Catlın
ein wenig übertreibt, und seine Berichte dürfen nur cum grano salis
hingenommen werden. Aber in dem gegenwärtigen Fall sind Glauben
und Gefühle, die er den Mandans zuschreibt, genau die gleichen, wie
man sie anderswo unter denselben Umständen antrifft. »Ich weiß,«
sagt einer von ihnen, »daß dieser Mann. in sein Buch viele unserer
Bisons getan hat; denn ich war da, als er es gemacht hat; und seitdem
haben wir keine Bisons mehr zu essen.«
»Sie erklärten,« schreibt Catlin, »ich sei der größte Hexenmeister
der Welt, weil ich lebendige Wesen gemacht hätte. Sie
konnten ihre lebenden Häuptlinge an zwei Orten zugleich sehen: Die;
die ich gemacht hatte, lebten ein wenig. Man konnte sie ihre Augen
bewegen, lächeln und lachen sehen; da sie lachen konnten, konnten
sie sicherlich auch sprechen, sobald sie wollten. Es mußte daher doch
Leben in ihnen sein.«!) ‘ Auch weigern sich die meisten Indianer,
ihr Porträt anfertigen zu lassen; das hieße, einen Teil ihrer eigenen
Substanz preisgeben und sich jedem, der Lust hätte, sich ihrer zu
bemächtigen, darbieten wollen. Sie fürchten sich auch davor, in
Gegenwart eines Bildnisses zu. sein, das als lebendiges Ding eine
schädliche Wirkung ausüben kann.
»Wir hatten«, erzählen die jesuitischen Missionäre, »die Bılder
des heiligen Ignatius und des heiligen Xaver auf unseren Altar gestellt.
Sie schauten sie voll Erstaunen an; sie glaubten, es seien
lebendige Leute; sie fragten, ob es Ondaqui (Plural von wakan,
übernatürliches Wesen), mit einem Wort das seien, was ihnen als ein
ibermenschliches Wesen galt. Sie fragten auch noch, ob das Tabernakel
ihre Behausung sei und ob sich diese Ondaqui mit dem Zierat,
den sie rund um den Altar herum sahen, bekleiden,« ?)
Desgleichen in Zentralafrika: »Ich sah, wie Eingeborene sich
weigerten, in einen Raum einzutreten, an dessen Wänden Bilder hingen,
der masoka (Seelen) wegen, die da wären.« 3) Derselbe Autor erzählt
die Geschichte eines Häuptlings, der sich photographieren ließ und einige
Monate nachher krank wurde. Auf seine Bitte hin war das Klischee
nach England geschickt worden. Die Krankheit nun wurde einem Unfall,
der offenbar die photographische Platte betroffen hatte, zugeschrieben.
Infolgedessen kann das Bild das Modell vertreten und dessen
Eigenschaften besitzen. In Loango machten die Schüler eines hervor-')
Catlin, The North American Indians. Edinburgh 1903, I, p. 122 f.
?) Relation des jesuites, Zd. Burrows, V, p. 256 (1633).
89 Du Hetherwick, Some animistie beliefs of the Yaos: J. A. I, XXXII,
pvp. 89—90.