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I. Kapitel, Die Wahrnehmung.
wurde ernsthaft behauptet, nur die Zähne hätten mir Glück gebracht,
weil ohne sie in den schweren Rollern meine Schwimmfertigkeit nicht
ausgereicht haben würde, Daß ich den Schmuck gar nicht trug,
tat dem Glauben keinen Abbruch.«') ‘Der Fetisch und der Medizin.
mann haben immer das letzte Wort.
Der Mensch der niedrigen Gesellschaften lebt und handelt also
mitten unter Wesen und Gegenständen, die alle nebst den Eigenschaften,
die wir ihnen zuerkennen, noch mystische Fähigkeiten besitzen.
Mit ihrer sinnlichen Wirklichkeit vermischt sich für ihn noch
eine andere. Er fühlt sich von einer Unzahl unfaßbarer, beinahe stets
unsichtbarer, stets furchtbarer Wesen umgeben: Oft von den Seelen
der Verstorbenen, immer von einer Menge von Geistern mit mehr oder
weniger bestimmter Persönlichkeit. Wenigstens drücken sich so die
meisten Beobachter und Anthropologen aus: sie bedienen sich einer
animistischen Redeweise. Frazer hat eine große Anzahl von Belegen
zusammengebrächt, die die Allgemeinheit dieser Tatsache in den Gesellschaften
niedrigen Ranges zu zeigen suchen.?) Soll man an einige
erinnern? »Die Einbildungskraft der Oraons irrt entsetzt in einer Welt
von Gespenstern umher... Es gibt keinen Felsen, keine Straße,
keinen Bach, keinen Wald, wo es nicht spukt ... Auch gibt es
überall Geister, «3)
So wie die Santals, die Mundas und die Oraons von Chota-Nagpour
glauben sich auch »die Kadar von einer Menge unsichtbarer
Mächte umringt. Die einen sind die Seelen der Vorfahren, die anderen
scheinen nichts Bestimmteres ’als das‘ verschwommene Gefühl des
Mysteriösen und der Unruhe zu verkörpern, mit denen die Berge,
Flüsse und einsamen Wälder die Phantasie des Wilden erfüllen. Ihr
Name ist Legion und ihre Attribute sind kaum bekannt«.4) In Korea
halten die Geister »alle Himmelsgegenden‘ und jeden Zoll Erde besetzt.
Sie lauern den Menschen entlang der Wege, in den Bäumen,
auf den Felsen, in den Bergen, in den Tälern, in den Strömen auf.
Sie spionieren auf ihn ohne Unterlaß, Tag und Nacht... Sie sind
immer um ihn herum, vorne, hinten, sie fliegen über seinen Kopf hin,
sie rufen ihn aus dem Erdinnern heraus an. Selbst in seinem eigenen
Haus findet er keine Zuflucht: die Geister sind auch noch da, im
Gips der Mauern, im Gebälk, an den Wänden ... Ihre Anwesenheit
an allen Orten ist eine häßliche Parodie auf die Allgegenwart Gottes«,*)
In China ist nach der alten Lehre das Universum in allen seinen
Teilen von Legionen von shen und von kwei erfüllt „‚.. Jedes
Wesen oder jedes Ding ist belebt, sei es von einem shen, sei es von
1) Die Loango-Expedition. II, 2, S. 352,
°) The golden Bough, 2, ed, III, p. 41sqq. ;
°) Risley, Tribes and castes of Bengal. IL, p. 143-—145. ;
') Ibid., I, p. 369. .
°) Reo, G, H. Jones, The spirit worship in Korea, Transaction of the Branch
of the Royal Asiatie Society, III, p. 68,