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Full Text : Das zweite Gesicht und andere Erzählungen aus unseren Kolonien

„Der" Baby ^nn--^-^»^ 93

Palaver! Dieser schmutzige Tümpel aus schwarzen
Lügen, schwarzer Bosheit, Unverschämtheit, Dummheit, Naivität,
 Gutmütigkeit und einigen rührenden Zügen, umrahmt
von soundso vielen schwarzen grinsenden Köpfen und ebenso
vielen drum rumhockenden, transpirierenden, dampfenden,
schwarzen, grauen, braunen Leibern. Und mitten in diesem
Tümpel schwimmt Warnke, der weiße Stationsleiter, seit
7 Uhr morgens mit seinem mühsam erworbenen Häufchen
Eingeborenen- und Landesgesetzkenntnis, und einer guten
Dosis Wohlwollen und Mitleid für seine schwarzen „Bruder
im Herzen, und sucht nach Grund. Grund, aus dem er stehen
kann, und von dem aus er nachher den Klägern oder den
Verklagten, manchmal auch beiden, den „Standpunkt" klar-^Er

 hätte lieber was anderes getan. Er denkt nach

Hause und beneidet die Schneeschipper, die sich jetzt um
diese Zeit — es ist Mitte Januar — wahrscheinlich mit
den Händen um die Rippen schlagen, um warm zu werden.

Um warm zu werden!
„Ei du liebes Herrgöttli von Biberach," denkt er,
Grad im Schatten, Gott sei Dank, daß das letzte Palaver
zu Ende ist. Man wird ordentlich nervös dabei." Da biegt

eben der Marktpolizist um die Ecke.
„Was bringst du?"
„Ein Palaver, Herr!" .
Warnke denkt: Reißt denn das niemals ab bei euch
schwarzem Volk und sagt: „Es ist dreiviertel zwölf, ich höre
heut kein Palaver mehr." Ich schlafe sicher ein dabei, fugt

er für fich hinzu.
„Herr, einem Weibe ist ihr Baby geraubt worden.

„Wo?"
„Hier !"
„Was? Hier in meiner Stadt?"

„Ja, Herr!"
„In meinem Dorf? Auf meiner Station? Unter

meinen Augen?"
            
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