Page Banner

Full Text : Repräsentative Lebensbilder von Naturvölkern

36

Wildbeuter des Wassers

nachbarten höheren Stämmen die Sakai zu leben scheinen (Schbst. [28]
36, 171).
Die Windschirme der Semang werden planmäßig angelegt (Schbst. [27]
34, 66), ähnlich wie wir solches auch von den Südostaustraliern hörten.
Die Semang stehen in einem gewissen Abhängigkeitsverhältnis von den
Malayen. Mit der einen oder der anderen Persönlichkeit unter den Malayen
wird eine Art Handelsbündnis unterhalten. Zu ihm bringen sie von Zeit
zu Zeit die Erzeugnisse ihrer Wälder, um dafür Reis, Eisenmesser oder auch
Tücher einzutauschen. Auf diese Weise sind die Malayen zu einer Art Vormundschaft
 über die Waldzwerge gelangt, von der sie persönliche Vorteile
 ziehen. Hat einer Arbeit nötig, so holt er die Leute aus dem Wald. In
anderen Fällen fordert der Malaye Waldprodukte: Rotan oder Hapoi, geflochtene
 Matten aus Rotan, Blattwerk zum Decken der Hütten oder Harz
und dgl. Von Zeit zu Zeit zieht das ganze Somang-Lager aus, um einer solchen
Beschäftigung nachzugehen. Will man mit einer Gruppe von Semang in
Berührung kommen, so muß man sich des malayischen Mittelmannes bedienen
 (Schbst. [27] 29ff, 161). ;
Bemerkenswert ist, daß der König von Siam (Schbst. 255) sich für die
in seiner Nachbarschaft wohnenden Zwerge interessierte und einige an seinem
Hofe hielt. Das Verhältnis scheint hier also ein nicht bloß auf Unterdrückung,
Versklavung gerichtetes gewesen zu sein, sondern menschlichen Charakter
getragen zu haben, etwa von der Art, wie man Lieblingstiere hält. Man
darf auch nicht vergessen, daß auch die Zwerge durch die Berührung mit
den Stämmen höherer Zivilisation Vorteile zogen. Haben sie doch vermutlich
verschiedene Fertigkeiten, Waffen und Geräte auf diese Weise erworben,
wie etwa das Blasrohr von den Javanern etwa im 14. Jahrhundert (Schbst.
28] 225). Dazu ist noch zu bedenken, daß die einzelnen Stämme ihre Wohnund
 Beutegebiete im Laufe der Zeit wechseln und daher immer wieder eine
Berührung mit anderen Stämmen höherer Zivilisation zur Geltung kommt
(Schbst. [27] 247).

d) Die Kubu von Sumatra.
Auch von den Waldstämmen der Kubu auf Sumatra hören wir ganz
ähnliche Nachrichten über ihre soziale Verfassung. Dabei ist bemerkenswert,
daß auch sie Handelsbeziehungen zu ihren Nachbarn unterhalten, und
zwar zu den dortigen Malayen. Die Handelsbeziehungen vollzogen sich auf
dem Wege des Depothandels. Hier haben sich ähnlich wie auch bei den
Malaya-Zwergen und bei den Batwa von Zentralafrika Zustände herausgebildet,
 die zu.einem teilweisen Abhängigkeitsverhältnis führten. Die
scheuen Völker, die: offenbar in Angst davor lebten, in eine Falle oder
einen Hinterhalt gelockt zu werden, unterhielten ‚nur durch besondere Vertrauensleute,
 die Djenang, Beziehungen zu ihren malaischen Nachbarn. Das
Wort Djenang bedeutet eine Würde oder ein Amt, welches denjenigen unter
den Adligen der Palembangschen Sultanszeit verliehen wurde, die sich nach
dem Binnenland begaben, um dort die Aufbringung der dem Sultan zukommenden
 Abgaben zu überwachen. also eine Art. Steuereinnehmer waren.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.