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Full Text : Repräsentative Lebensbilder von Naturvölkern

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Wildbeuter des Wassers

a) Die Küsten-Tschuktschen Ostsibiriens.
Das Leben an der Küste (des Großen ‘Ozeans) brachte bei diesen ostsibirischen
 Stämmen soziale Organisationen mit sich, die deutlich den Stempel
ihrer Abhängigkeit vom Nahrungserwerb tragen. Die soziale Einheit bildet
die „Bootsbesatzung“ (attwat-yirin), bestehend aus 8 Ruderern und einem
Steuermann, der als Meister des‘ Bootes funktioniert, dessen Eigentümer
früher auch sein Erbauer war, Denn das Fellboot der alten Zeiten ist jetzt
durch ein amerikanisches Wal-Boot verdrängt. Die Bootsbesatzung bilden
lie nächsten Verwandten seines Eigentümers, ähnlich wie auch bei den
asiatischen und amerikanischen Eskimo. Das Fangergebnis wird unter
ihnen in der Weise verteilt, daß kleine Seehunde dem zufallen, der sie getötet
 hat, der Bootsherr aber immer ein oder zwei erhält, auch wenn er keinen
erlegt hat. Fleisch und Fett von Robben und Walroß werden zu gleichen
Teilen unter allen Mitgliedern der Besatzung verteilt; den Kopf erhält der
Bootsherr und die Hauer gleichfalls. Zu gewissen Zeiten spielen diese Köpfe
bei dem Zeremoniell eine Rolle; dann werden die Walroßhauer unter die
Familien der Besatzung verteilt. Beim Verteilen der Häute des Walrosses
erhält der Bootsherr die vom ersterbeuteten Tier, der Mann vom Bug das
zweite Tier, und die folgenden Häute die übrigen Ruderer einer nach dem
anderen. Falls die Zahl der getöteten Walrosse zu klein ist, wird die Verteilung
 im nächsten Jahr der Reihe nach fortgesetzt (Bog. [04—10] 631).
Die Siedlung scheint dieser Organisation zu folgen. Denn der Bootsherr
ist der Besitzer des sogenannten Haupthauses, des Hauses des „Stärksten“,
und heißt attooralin, der vom Haupthaus, oder armaci-ralin, der vom Hause
des „Stärksten‘“.+Er beansprucht eine bevorzugte Beziehung zum Ortsgeist
und erhält gelegentlich Abgaben. Allerdings gibt es auch Dörfer ohne ein
solches Haupthaus. Die Zugehörigkeit zu dem Bootsherrn bzw. dem Besitzer
des Haupthauses ist nicht allein durch Verwandtschaft bestimmt. Es scheint
vielmehr, daß es sich dabei um eine freie Ballung um eine starke und kluge
Persönlichkeit handelt. Früher gab es Sklaven, die Kriegsgefangene von
anderen Stämmen waren oder auch Leute des gleichen Stammes, die man
statt bei der Blutrache zu töten, versklavte. Man holte sich z. B. einen Jungen
von der Familie des Mörders, um damit den Getöteten in der Gemeinde zu
ersetzen. Diese „Ersatzmänner‘“ mußten ihren Herren gehorchen, wenn sie
nicht getötet werden wollten. Frauen versklavte man ebenfalls in dieser
Weise, auch verkaufte man sie an andere Lager. Doch war ihre Stellung nicht
wesentlich verschieden von den übrigen Frauen, ;
Die soziale Einheit bildet die Familie eines Mannes mit einer oder mehreren
Frauen und ihren Kindern. Nicht selten zieht ein erwachsener junger Mann
oder ein Mädchen weg, um wo anders ein neues Heim zu finden. Derartige
individuelle Wanderungen von den Küsten-Tschuktschen zu den
Rentier-Tschuktschen und umgekehrt finden nicht selten statt und zeigen
lie Berührung an, die zwischen diesen beiden Gabelungen des Lebens
ler Tschuktschen bestehen.
Verwandte Familien schließen sich zu einem Varat, einem Blutracheverband,
 zusammen, doch wechseln die Familien. die einem solchen Verband
            
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