Die Lokele-Fischer-Händler vom Kongo
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Eine Einnahmequelle des Oberhauptes bilden die Streitigkeiten unter
seinen Angehörigen, bei denen er als Schiedsrichter fungiert. Außerdem
fällt ihm die Aufsicht über Sitte und Brauch zu. Seine Macht beruht somit
auf sozialer Geltung.
Die geschilderten Einrichtungen setzen somit oft junge Leute in leitende
Stellung, ja manchmal sogar Kinder. Doch ist der Nachfolger eines Oberhauptes
sein nächstgeborener Bruder, nicht der Sohn des ältesten, der erst
nach der Erschöpfung aller seiner väterlichen Onkel in Betracht kommt.
Trotz dieser vaterrechtlichen Beziehungen werden in den Sippen die durch
die Frauen vermittelten Familienbande streng beachtet. da sie die Grundlage
für die Heiratsordnung abgeben.
Gegenwärtig erscheinen die Topoke an den Flußufern und beginnen mit
der Zustimmung der Uferbewohner Hütten zu bauen und die Dörfer der
Lokele mit deren Zustimmung zu vergrößern. Doch bewahrt eine jede Gruppe
ihre völlige Unabhängigkeit. Bemerkenswert ist dabei, daß ihnen die Bodenbenutzung
zugestanden wird, doch bleiben die von den Lokele gepflanzten
Bäume und Palmen den letzteren vorbehalten. Dabei kann man die Anpassung
der Waldleute, der Topoke, an das Uferleben am Fluß beobachten.
Einige Gruppen der Lokele, die Ya-Kusu und die Ya-Boni erzählen, daß
ihre Vorfahren aus den Gegenden gekommen seien, die jetzt von den Topoke
und Turumbu bewohnt sind. Auch andere weniger wichtige Gruppen der
Lokele erinnern sich fremden Ursprungs. Indessen leben sie mehr am Rande
des Lokele-Gebietes und nehmen eine bemerkenswert untergeordnete Stellung
ein. Dabei handelt es sich um Trümmer versprengter Sippen, deren
Schwäche sie genötigt hat, bei Stärkeren Schutz zu suchen.
Im übrigen fehlt die Sklaverei, obgleich sich die Lokele früher gegen
die Überfälle der Araber zu wehren hatten, die Frauen und Kinder raubten.
Um diesen Überfällen zu entgehen, flüchteten sie auf die Flußinseln und in
die schwer zugänglichen Sümpfe. Trotzdem waren sie imstande, in ihren
kleinen beweglichen Gemeinden die verschiedenartigen Stürme zu überleben
(Bert. [20] 75ff).
In den Lokele finden wir ein Beispiel von Waldleuten, wahrscheinlich
Wildhbeutern des Waldes, die an das Wasser gelangt sind und hier, vielleicht
von anderen, die Kunst des Schiffbaus erworben hatten und weiterhin den
Handel ausbildeten. An sich ist der Handel den Waldleuten nicht fremd,
doch finden wir nur selten Wildbeuterstämme, die regelmäßig Handel betreiben
so wie die Lokele. Auch die Halbierung in zwei Stämme mit exogamen
totemistischen Klans und Sippen zeigt eine Organisation, wie sie dort auftritt,
wo Dauergemeinden sich niedergelassen hatten. Bemerkenswert ist
dabei, daß damit eine Rangstaffelung verbunden ist und später zugezogene
in einer weniger geachteten Stellung verbleiben müssen, Auffallend ist die
extreme Ausbildung der Gerontokratie zu einem Seniorat, wie es sonst bei
Hirtenvölkern auftritt. Dieses Seniorat liegt der hierarchischen Staffelung
der Sippen zu Grunde, ein Zug, der die Herausbildung eines gewissen Patriziertums,
namentlich gegen zuziehende Fremde, andeutet. Allerdings fehlt
die Ausbildung eines Häuptlingtums; das „Oberhaupt“ ist nur Schieds-